Bahngeschichte füllt Kino erneut: 200 kamen zu Vortrag über Gelstertalbahn

Fasziniert von der Geschichte der Züge im Gelstertal: Weil das Kino-Team noch zusätzliche Stühle organisiert hatte, passten am Mittwoch 200 Zuschauer in den Saal im Capitol Kino in Witzenhausen. Zwei Drittel von ihnen waren selbst noch mit der Gelstertalbahn gefahren, wie eine kurze Umfrage ergab. Fotos: Steensen

Witzenhausen. Jeder verfügbare Stuhl stand am Mittwoch im großen Saal im Capitol Kino - und dennoch musste Kinochef Ralf Schuhmacher eine Viertelstunde vor Beginn unseres zweiten Vortrags zur Gelstertalbahn die Türen schließen.

200 Menschen waren im Saal, die wartenden 40 vor der Tür durften aus Sicherheitsgründen nicht mehr hinein. Dass das Interesse derart groß sein würde, hätten weder wir noch Referent Dr. Detlef Ahlborn gedacht.

Er hatte sich nach dem großen Erfolg vor zwei Wochen bereit erklärt, seinen Vortrag zu wiederholen - und entführte erneut die Gäste in eine Zeit, als täglich Dampfloks durchs Gelstertal fuhren. Für Sigrun Schmücker etwa war es eine Zeitreise in die eigene Jugend: „Ich bin von 1959 bis 1961 mit dem Schienenbus von Witzenhausen nach Hessisch Lichtenau gefahren, zum Gymnasium“, erzählt sie. Weil sie über das freie Feld zum Bahnhof laufen musste, sei sie stets mit dreckigen Schuhen in den Zug gestiegen. Rettung sei in Trubenhausen genaht. „Dort stieg dann ein Freund ein, der kam zu Fuß von Weißenbach und hatte immer eine Schuhputzbürste dabei.“ Auch für, die nie einen Fuß in die Gelstertalbahn gesetzt haben, war der Abend spannend. „Ich interessiere mich sehr für Eisenbahnen“, sagte etwa der gebürtige Berliner Herbert Holz „Ich lebe seit 1993 hier und freue mich, mehr über die Geschichte der Gegend zu erfahren.“

Lernen konnten Zuschauer auch von Stadtarchivar Matthias Roeper. Er berichtete nach Ahlborns Vortrag von seinen Recherchen für die Artikelserie in der HNA. Dabei habe es ihn besonders überrascht, wie schnell die Gelstertalbahn fertiggestellt worden sei. „Innerhalb von zwei Jahren stand alles: Bahnstrecke, Brücken, Bahnhöfe. Und das während des Ersten Weltkrieges!“ Mit alten Stückgutlisten konnte Roeper im Archiv auch nachweisen, dass der Südbahnhof zeitweise größere Bedeutung hatte als der Nordbahnhof. „Hier entstand durch die Gelstertalbahn ein neues Stadtviertel.“

Bei den Zuschauern kam der Mix aus Anekdoten, Historischem, Bild und Ton gut an, wie die vollen Spendendosen für unsere Aktion „Kinder für Nordhessen“ bewiesen. Wie viel Geld zusammen kam, werden wir kommende Woche ermitteln und bekannt geben. Danke an alle Spender. (fst)

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