Das sagen Bahn und Firmen zu den Forderungen

Reaktivierung der Bahntrasse als Lösung für Verkehrsprobleme in Witzenhausen?

Steht weiter in der Wendershäuser Aue: Die Eisenbahnbrücke auf der ehemaligen Trasse zwischen Unterrieden und Witzenhausen.
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Steht weiter in der Wendershäuser Aue: Die Eisenbahnbrücke auf der ehemaligen Trasse zwischen Unterrieden und Witzenhausen.

Witzenhausen – Wie kann man die Verkehrssituation in Witzenhausen entspannen? Ist eine Reaktivierung der Bahnstrecke ins Gelstertal eine Alternative? Wir haben bei der Bahn und den Firmen gefragt.

Witzenhausen -Der BUND-Ortsverband Witzenhausen/Neu-Eichenberg und die Bürgerinitiative (BI) Sinnvolle Verkehrsplanung sind nur zwei von vielen Gruppen, die eine Reaktivierung der Bahnstrecke ins Gelstertal fordern. Doch ist das überhaupt möglich und für die betroffenen Firmen denkbar?

Die Bahn

„Um eine Strecke zu reaktivieren, wird zunächst mit allen Beteiligten geprüft, ob auf der betreffenden Strecke wieder Verkehre in einem wirtschaftlichen Umfang stattfinden können“, teilt eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage mit. Zudem müsse eine Finanzierung für die Strecke vorhanden sein. Beim Personenverkehr würde das Geld in der Regel von Land und Bund aufgebracht. „Für den Schienengüterverkehr kommen Bundesmittel aus dem Bedarfsplan, andere Fördertöpfe oder Investitionen eines Unternehmens in Frage.“

Um eine Bahnstrecke zu reaktivieren, werde zunächst eine Potenzialanalyse mit Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt, so die Sprecherin. Oft sei auch ein Planfeststellungsverfahren nötig. Die Dauer des Reaktivierungsprozesses von der ersten Idee bis zur ersten Zugfahrt sei sehr unterschiedlich. Zuletzt seien keine Anfragen zur Reaktivierung der Bahnstrecke ins Gelstertal an die zuständige DB Netz AG herangetragen worden, so die Sprecherin, – – weder von der Stadt, von Parteien, den Firmen oder Vereinen, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Die Firmen

Die beiden Firmen im Gelstertal, deren Logistik für einen Teil des Schwerverkehrs durch Witzenhausen sorgt, sind Essity (ehemals SCA) und DS Smith. Beschwerden von Bürgern über den Schwerverkehr seien noch nicht an sie herangetragen worden. Beide Firmen sehen die Reaktivierungsideen skeptisch.

2005 habe man ein Gutachten über die Reaktivierung des Gleisanschlusses anfertigen lassen, sagt Kerstin Gorny für DS Smith. Aktuell wäre das wegen der nötigen Millioneninvestitionen für die Firma nicht denkbar, die Wirtschaftlichkeit sei nicht gegeben. „Unsere Kunden erwarten einen 24-Stunden-Service. Dies ist mit der Verlagerung auf die Bahn nicht zu realisieren.“ Derzeit gebe es am Tag 150 Lkw-Zu- oder Abfahrten.

Essity setze bereits an den Standorten Neuss, Mainz und Mannheim Schienenverkehr ein, sagt Sprecherin Annette Schönleber. Dieser werde aber hauptsächlich für den Essity-internen Warenverkehr genutzt. „Die Großlager, die wir von Witzenhausen aus beliefern, sind nur über Lkw erreichbar. Deshalb ist der Bau eines werkseigenen Bahn-Anschlusses, für den es auf dem Werksgelände keine ausreichende Fläche gibt, nicht vorgesehen.“ Zudem sei häufiges Umladen weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Derzeit verließen täglich 25 Lastwagen das Werk. Um den Verkehr zu reduzieren, setzt Essity in Witzenhausen Lang-Lkw ein, die das dreifache Palettenvolumen transportieren.

Nur stillgelegt, nicht aufgegeben

Laut der Bahn wurde der Personenverkehr auf der Bahnstrecke ins Gelstertal 1973 eingestellt. 2001 sei der letzte Güterzug gefahren. Dann habe das Eisenbahn-Bundesamt die Strecke stillgelegt. Endgültig aufgegeben wurde sie aber nicht, sagt Matthias Kipp vom BUND Witzenhausen/Neu-Eichenberg. Er hat die DB zwar nicht nach der Reaktivierung, aber nach dem Status der Strecke gefragt. Demnach sei die Trasse bis zu den Fabriken im Gelstertal noch als Bahnstrecke gewidmet und könnte auch technisch wieder aktiviert werden.

Von Friederike Steensen

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