Witzenhausen

Bauern müssen mehr für Tiere tun: Online-Diskussion über Tierwohl mit Experten aus dem Landkreis

Ihr soll es besser gehen: Seit einigen Jahren drängt die Öffentlichkeit verstärkt auf mehr Tierwohl in der Landwirtschaft.	Foto: Michael Caspar
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Ihr soll es besser gehen: Seit einigen Jahren drängt die Öffentlichkeit verstärkt auf mehr Tierwohl in der Landwirtschaft.

Deutschlands Bauern müssen künftig mehr fürs Tierwohl tun – auch die Biolandwirte. Das wurde bei einer Online-Diskussionsveranstaltung deutlich.

Witzenhausen - Die Tierwohlprobleme in der Landwirtschaft sind seit den 1970er-Jahren bekannt, berichtete Professorin Ute Knierim. Sie leitet an der Universität in Witzenhausen das Fachgebiet Nutztierethologie und Tierhaltung. Die Bundesrepublik, so die Wissenschaftlerin, bewege sich beim Tierwohl „im oberen Mittelfeld“. Besser seien Länder wie Österreich, die Schweiz oder Schweden.

Seit einigen Jahren komme Bewegung in die Diskussion, sagte Knierim. Sie gehört der Borchert-Kommission an, die der Politik im vergangenen Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft entsprechende Empfehlungen unterbreitet hat.

Vor Herausforderungen steht nicht zuletzt der Ökolandbau, machte die Professorin Tim Treis deutlich, dem Sprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL). Auch in Biobetrieben würden Kühe im Stall zum Teil angebunden und erhielten keinen Weidegang. Masthähnchen litten aufgrund spezieller Öko-Auflagen beim Futter sogar häufiger unter speziellen Erkrankungen der Läufe als Tiere konventioneller Betriebe. Biobauern verlieren bei den Grünen an Rückhalt, warnte der Witzenhäuser Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Müller (Grüne), der die Online-Diskussionsrunde initiiert hatte und der früher selbst VÖL-Sprecher gewesen war. In seiner Partei erstarkten Tierschutz-Gruppen, die einen „Totalausstieg“ aus der Nutztierhaltung forderten.

Die Landwirte lehnten höhere Auflagen häufig aus Angst vor Wettbewerbsverzerrungen ab, berichtete Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner.

Ausländische Konkurrenz unterliege den kostentreibenden Auflagen nicht. Mittlerweile setzten jedoch zunehmend mehr Kollegen auf höherpreisige Qualitätsprodukte. Ein Problem: Zusätzliche Siegel für solche Produkte verwirrten die meisten Konsumenten nur. Statt über den Preis, so Knierim, ließen sich die höheren Kosten für mehr Tierwohl auch über steuerfinanzierte Zuschüsse an die Landwirte decken. Das bedeute für Bauern mehr bürokratischen Aufwand, gab VÖL-Sprecher Treis zu bedenken. Er regte eine spezielle Steuer auf Produkte an, bei deren Herstellung nicht so stark auf das Tierwohl geachtet werde.

„Wichtig ist, dass neue Standards etwa beim Stallbau 20 Jahre Bestand haben“, forderte Roth vom Kreisbauernverband. So lange brauche ein Landwirt für das Abbezahlen des Baukredits. Hans-Jürgen Müller machte sich dafür stark, dass kleine und mittlere Höfe bei Stallbauten eine höhere Förderung erhalten als Großbetriebe. Anderenfalls beschleunigten höhere Auflagen den Konzentrationsprozess, sagte er. (Michael Caspar)

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