Team der LLH-Versuchsanlage fürchtet Totalverlust auf Kirschenplantage

Vandalismus in Witzenhausen kann schlimme Folgen haben

Diese Setzlinge wurden unter anderem beschädigt.
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Der Zaun half nicht: Unbekannte sind vergangene Woche zwischen Donnerstag und Sonntag auf eine zwei Hektar große Fläche der Versuchsanlage bei Witzenhausen-Wendershausen eingedrungen und haben sehr seltene Setzlinge beschädigt.

Für den Laien sahen die kleinen Stecklinge aus wie jeder andere, doch tatsächlich ist der Schaden, den Unbekannte in der vergangenen Woche auf einer Kirschenplantage bei Wendershausen angerichtet haben, viel gravierender als gedacht.

Witzenhausen – Denn wie Karl-Josef Walmanns, Sprecher des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), berichtet, haben die Täter auf der LLH-Versuchsplantage rund 25 junge Kirschbäume mit teilweise sehr seltenen, alten und wertvollen Sorten stark beschädigt: „Sogar ein totaler Verlust einiger Sorten auf der Anlage ist infolge des Vandalismus zu befürchten.“ Alle betroffenen Sorten hätten einen regionalen Bezug, erklärt Walmanns. Angepflanzt wurden sie für die „Deutsche Genbank Obst“ (DGO), um Kirschensorten zu kultivieren, die wegen historischer, soziokultureller oder regionaler Hintergründe oder züchterischer Merkmale als erhaltenswert eingestuft werden.

Die beiden zum Teil stromführenden Zäune, mit denen die Bäumchen geschützt werden sollte, hielten die Unbekannten offenbar nicht von ihrer Tat ab. Die Zäune seien an mehreren Stellen geöffnet worden, die Täter hätten die Bäumchen abgeknickt und an Ort und Stelle liegenlassen, berichtet Eberhard Walther, LLH-Gartenbauberater und Leiter der Versuchsplantage. Dass Wild- oder Weidetiere die Schäden verursacht haben, schließt er aus und hat daher Anzeige erstattet.

„Der entstandene Schaden liegt weit über dem eigentlichen Wert der Setzlinge: Von vielen der betroffenen Kirschensorten existieren nur noch wenige Exemplare“, so Walmanns. Mit der Tat sei mehrjährige und wertvolle Arbeit zur Erhaltung alter Obstsorten sowie genetischer Vielfalt stark beeinträchtigt worden.

Der Grund: Von einigen Sorten gibt es überhaupt nur noch ein bis zwei Bäume, weil sie sonst nirgendwo mehr angepflanzt wurden, sagt Walther. Wenn man jetzt nicht noch Reiser von anderen Plantagen bekomme, könnten einige Sorten für immer verloren sein. Die betroffenen Stecklinge seien erst im vergangenen Jahr veredelt worden.

Die Deutsche Genbank Obst wurde 2007 vom Julius-Kühn-Institut zur Erhaltung der Vielfalt der Obstsorten in Deutschland gegründet. So soll sichergestellt werden, dass die Sammlung und Erhaltung alter Sorten festen wissenschaftlichen Standards folgt, nachhaltig und langfristig ist sowie kosteneffizient betrieben wird. „Der LLH ist seit 2008 sammlungshaltender Partner für Süßkirschen und Betreuer des Netzwerks Kirsche“, erklärt Walmanns zu den Hintergründen. LLH-Gartenbauberater Walther ist seit 2019 im Fachbeirat der DGO.

Mittlerweile hat die Deutsche Genbank Kirsche 355 Sorten in ihre Liste der erhaltungswürdigen Sorten aufgenommen. Sie sammelt

.  vor allem deutsche Sorten und Neuzüchtungen,

.  Sorten mit lokalem oder historischen Bezug zu Deutschland und

.  Sorten mit wichtigen Merkmalen für weitere Züchtungen oder die Forschung.

Auf der LLH-Versuchsanlage bei Wendershausen „Auf der Leimenkaute“ werden seit 2011 jährlich neue, erhaltenswerte Sorten gepflanzt. Derzeit gebe es dort 74 Sorten vertreten, auf die die DGO-Kriterien zutreffen, so Walmanns. „Diese Sorten stammen entweder aus vorangegangenen Versuchen, Sammlungen aus dem Witzenhäuser Anbaugebiet oder aus dem Partnergebiet in Hagen am Teutoburger Wald.“

Eberhard Walther bittet Spaziergänger rund um Wendershausen um Wachsamkeit. Wer die Beschädigungen gesehen hat, sollte sich bei der Polizei melden: Tel. 0 55 42/9 30 40. (fst)

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