So arbeitet das Werk in der Corona-Pandemie

Begehrte Ware: In Witzenhausen wird Toilettenpapier produziert

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Begehrte Ware: In Witzenhausen wird derzeit im 5-Schicht-Betrieb Toilettenpapier produziert.

Auch wenn Hamsterkäufe dafür sorgen, dass in den Supermärkten keins zu haben ist: Deutschland produziert genug Toilettenpapier. Dafür sorgt auch der Witzenhäuser Standort des Hygieneartikelherstellers Essity.

Wenn die Bürger normal einkaufen würden, gäbe es keine leeren Supermarktregale, versichert Essity-Sprecherin Annette Schönleber.

„Die Corona-Krise veranlasst verunsicherte Bürger zu Hamsterkäufen“, weiß Schönleber. Und leere Regale verstärkten dann wieder Ängste vor Engpässen. Zu Unrecht, betont die Essity-Mitarbeiterin: Die Produktion im Witzenhäuser Werk laufe auf Hochtouren. Jährlich 32000 Tonnen Toilettenpapier stellten die gut 100 Essity-Beschäftigten an der Kasseler Landstraße 21 her. Gearbeitet werde im Fünf-Schicht-Betrieb – 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. „Die Maschinen lassen das auch anders nicht zu“, ergänzt der technische Geschäftsführer des Witzenhäuser Werks, Dietmar Haschke.

„Bereits vor Wochen haben wir im gesamten Konzern Absprachen getroffen, um die Produktion corona-sicher zu machen“, betont Pressesprecherin Schönleber.

Aufs Werksgelände darf nur , wer nicht aus Risikogebieten kommt und keinen Kontakt zu Infizierten hatte: Essity-Klopapier-Fabrik in Witzenhausen.

Alle vermeidbaren Besuche von Betriebsfremden seien untersagt worden. Wer aufs Firmengelände wolle, müsse versichern, dass er sich nicht gerade in Risikogebieten aufgehalten oder Kontakt zu Infizierten gehabt habe.

Mitarbeiter, die das nicht könnten, würden eine Zeit lang freigestellt. Interne Reisen zwischen den Essity-Standorten seien ausgesetzt worden. Kommuniziert werde nun per Telefon und via Skype.

„Wir vermeiden auch direkte Kontakte zwischen Mitarbeitern verschiedener Abteilungen innerhalb des Witzenhäuser Werks“, ergänzt Haschke. Es gebe nun Spender mit Desinfektionsmitteln. Schilder über den Waschbecken beschrieben das richtige Vorgehen beim Reinigen der Hände. Zudem seien Absprachen getroffen worden, damit der Betrieb auch bei Krankheitsfällen weitergehe.

„In unserem vergleichsweise kleinen Werk können die meisten Beschäftigten bei Bedarf die Arbeit eines ausgefallenen Kollegen übernehmen“, betont der Geschäftsführer.

Hergestellt wird das derzeit heiß begehrte Klopapier aus weißem Zellstoff, feinen Fasern von frischem Holz. Sie verbinden sich beim Aufkochen in Wasser.

Der Brei wird auf Filz mit Walzen zu Papierbahnen gepresst. Aufgewickelt auf große Rollen wird das Papier im Anschluss zum fertigen Produkt weiterverarbeitet.

Toilettenpapier seit 1972

Das 1972 gegründete Werk in Witzenhausen stellt im Auftrag von Handelsketten deren Toilettenpapier-Eigenmarken her. Die Mitarbeiter des großen Standorts in Mannheim produzieren unter anderem Toilettenpapier der Essity-Marke Zewa. Der Konzern stellt unter anderem auch Küchen-, Falt- und Rollenpapier sowie Papier-Taschentücher und Inkontinenzwindeln her. Essity hat im vergangenen Jahr mit 47000 Mitarbeitern weltweit 12,2 Milliarden Euro erwirtschaftet, davon mit 4500 Beschäftigten 1,31 Milliarden Euro in Deutschland.

Obwohl genug davon da ist, geht der Kampf weiter: In Hann. Münden streiten sich die Menschen um Toilettenpapier. 

Von Michael Caspar

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