Politik sieht Chancen

Witzenhäuser Start-up Triebwerk verzeichnet Erfolg bei Lobbyarbeit für Agroforst

Gemüseernte zwischen Apfelbäumen in der Werraaue bei Ermschwerd: (von links) Christoph Meixner mit den Landwirten Robert Görlitz und Niklas Richelshagen.
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Gemüseernte zwischen Apfelbäumen in der Werraaue bei Ermschwerd: (von links) Christoph Meixner mit den Landwirten Robert Görlitz und Niklas Richelshagen.

Erstmals hat es ein Bekenntnis zur Förderung sogenannter Agroforstsysteme vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gegeben.

Witzenhausen - Der Ministerialbeamte Olaf Schäfer nahm bei einer Online-Konferenz zu Forderungen Stellung, die Christoph Meixner vom Witzenhäuser Start-Up Triebwerk vortrug. Ausrichter der Veranstaltung war die Farm-Food-Climate-Challenge des Netzwerks Project Together.

„Aufgrund des Klimawandels bröckelt derzeit die jahrzehntelange Ablehnung von Agroforstsystemen“, bestätigt der Vorsitzende des Deutschen Fachverbands Agroforstwissenschaft, Dr. Christian Böhm. Landwirte ständen angesichts ausbleibender Niederschläge unter steigendem Druck, das Austrocknen ihrer Felder herauszuzögern. Dabei würden Hecken und Baumreihen auf dem Acker nachweislich helfen. Der Wind könne nicht mehr ungebremst wehen. Das Wasser im Boden verdunste langsamer. Das stabilisiere die landwirtschaftlichen Erträge oder steigere sie sogar.

„Hecken und Baumreihen schützen Äcker zudem davor, dass Regenwasser Boden fortschwemmt“, führt Böhm aus. Außerdem würden die Pflanzen das Treibhausgas Kohlendioxid binden und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Die Zahl der Pflanzen- und Tierarten steigt“, ergänzt Meixner von Triebwerk. Mit Esskastanien, Obst oder Beeren lasse sich zudem ein Zusatzeinkommen schaffen.

„Es zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab“, freut sich der Agraringenieur. Seit der Mechanisierung der deutschen Landwirtschaft in den 50er Jahren hätten Bauern nach möglichst großen, einheitlichen Flächen gestrebt. Hecken und Bäume seien entfernt worden. Agroforstsysteme würden bis heute kaum im agrarwissenschaftlichen Studium behandelt.

„Mehr und mehr Bauern sehen mittlerweile die Vorteile, halten sich aber mit entsprechenden Investitionen zurück“, beobachtet Meixner, der gemeinsam mit zwei Partnern Landwirte bei der Einführung entsprechender Systeme berät. Die Betriebe seien auf Agrarsubventionen angewiesen. Diese flössen aber nicht für Flächen, auf denen Hecken und Bäume ständen.

„Da gibt es nun Bewegung“, freut sich der Verbandsvorsitzende Böhm. Der Ministerialbeamte Schäfer berichtete während der Konferenz, dass es in seinem Ministerium, aber auch in einigen Landesministerien ein Umdenken gebe. Der Bund wolle die Förderung von Agroforstsystemen auf europäischer Ebene ausbauen, die es in Ansätzen bereits seit 2007 als Element der gemeinsamen Agrarpolitik gegeben hat. Gleichzeitig hat die Politik das Thema entdeckt. CDU/CSU und SPD haben einen entsprechenden Antrag im Bundestag eingebracht. Im bayrischen Landtag hatten CSU und Freie Wähler einen entsprechenden Antrag der Grünen im Frühjahr noch abgelehnt. „Es kommt jetzt darauf an, dass die Politik den Begriff Agroforstsystem nicht zu eng fasst“, wünscht sich Böhm. Wenig hilfreich seien etwa Vorgaben, welche Baum- und Straucharten gepflanzt werden dürften. Auch müsse es möglich sein, Bäume und Sträucher bei Bedarf wieder zu roden. (zmc)

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