Neue Regeln zum Schulstart

Vorerst keine Corona-Impftermine an Schulen im Werra-Meißner-Kreis

Impfungen für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren werden von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Im Kreis schließen sich viele der Empfehlung an.
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Impfungen für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren werden von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Im Kreis schließen sich viele der Empfehlung an.

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), Corona-Impfungen bei Kindern ab 12 Jahren zu empfehlen, kommt bei Ärzten, Gesundheitsbehörden, Eltern und Schulen im Werra-Meißner-Kreis gut an.

Werra-Meißner. Bereits jetzt werde das Angebot im Impfzentrum Eschwege gut angenommen, berichtet Landkreissprecher Jörg Klinge: „Von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr kommen täglich rund 50 Jugendliche zum Impfen.“ Am gestrigen Freitag gab es dort zwischen 16 und 20 Uhr zudem einen Sondertermin, bei dem Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ohne Anmeldung mit dem Vakzin von Biontech-Pfizer geimpft werden konnten.

Elternteil muss bei Impfung dabei sein oder Vollmacht ausfüllen

12- bis 15-Jährige können sich im Impfzentrum gegen das Coronavirus im Beisein eines Elternteils impfen lassen, sagt Kreissprecher Jörg Klinge. 16- bis 18-Jährige würden mit Vollmacht und der Kopie des Personalausweises eines Elternteils geimpft. Bis 3. September steht das Impfzentrum Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr ohne Terminabsprache für Erst- und Zweitimpfungen offen. Auch Arztpraxen impfen Kinder. Aktuelle Informationen rund um die Impfung hat der Werra-Meißner-Kreis hier zusammengestellt. (fst)

Anders als im Nachbarkreis Hersfeld-Rotenburg und Bundesländern wie Schleswig-Holstein sind im Kreis vorerst aber keine Sammelimpftermine an Schulen geplant, sagt Klinge. „Impfungen in Bildungseinrichtungen sollen nach der Vorgabe des Landes nur stattfinden, wenn eine Mindestanzahl von Impfwilligen ansteht. Bisher liegen uns entsprechende Anfragen nicht vor.“

Das bestätigt Begga Breiding, Konrektorin der Beruflichen Schulen in Witzenhausen. Das Team der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau könnte sich solche Sammeltermine durchaus vorstellen, sagt Schulleiter Björn Faupel. Er habe aber auch aus anderen Bundesländern gehört, dass solche Termine nicht gut angenommen würden. Andreas Hilmes, Leiter der Johannisberg-Schule in Witzenhausen, ist dagegen skeptisch: „Ich bin der Meinung, dass Impfungen bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich bei den Haus- oder Kinderärzten durchgeführt werden sollten. Hier besteht ein Vertrauensverhältnis und es können in angemessenem Maße Aufklärungsgespräche stattfinden.“

Nach der Schließung des Impfzentrums Ende September sollen Arztpraxen das Impfen übernehmen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Monate werde das wohl zu schaffen sein, sagt Kinderarzt Dr. Philipp Siebrasse (Hausärzte am Bahnhof, Eschwege). Es gebe eine erhöhte Nachfrage nach Impfungen für Kinder und Jugendliche, die seit der Stiko-Empfehlung noch deutlich gestiegen sei. Sein Eindruck: Eine klare Mehrheit der Eltern möchte ihre Kinder impfen lassen, auch wenn der Beratungsbedarf höher sei als bei den Erwachsenenimpfungen. Aber: „Wer Impfungen ablehnt, meldet sich natürlich auch nicht.“ Grundsätzlich sei das Thema für viele sehr emotional, sagt der Kinderarzt. Die Empfehlung der Stiko erleichtere vielen Eltern die Entscheidung für eine Impfung.

Vertreter von Schulen hoffen auf mehr Sicherheit durch Impfungen

Am Montag geht der Präsenzunterricht wieder los. Angesichts steigender Corona-Zahlen begrüßen Vertreter der Schulen die Impfempfehlungen für Kinder, zu der sich die Ständige Impfkommission (Stiko) durchgerungen hat. „Da die Stiko die Expertin ist, sollten alle Kinder- und Jugendliche ab 12 Jahren der Empfehlung folgen“, findet Björn Faupel, Leiter der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau. Bis jetzt habe er nur positive Rückmeldungen dazu erhalten.

„Ich begrüße alle Maßnahmen, die Schulen sicherer machen“, betont Andreas Hilmes, Leiter der Johannisberg-Schule in Witzenhausen. „Das ist wichtig, weil wir uns eine erneute Zeit des Distanzunterrichts wie im letzten Schuljahr nicht erlauben können. Kinder und Jugendliche brauchen den geregelten Schulbetrieb in Präsenz.“ Neben Tests und Hygieneregeln seien Impfungen ein wichtiger Schritt dorthin.

„Viele Jugendliche haben unter dem langen Lockdown im Winter seelisch sehr gelitten“, sagt auch Carla Schäfer vom Elternbeirat der Beruflichen Schulen Witzenhausen. Der fünfmonatige Lockdown sei zwar richtig gewesen, jetzt müsse man aber auch die sozialen Folgen mehr berücksichtigen.

Die Impfbereitschaft unter Schülern steigt

Nach der Empfehlung der Stiko sei die Impfbereitschaft bei den Schülern größer geworden, sagt Hilmes: „Viele wollen aber noch abwarten, ob schwerwiegende Impfnebenwirkungen auftreten. Wichtig ist mir, dass die Entscheidung bei den Eltern und Kindern bleibt und keine Nachteile für die entstehen, die sich nicht impfen lassen wollen.“ Der Zugang zu Bildung dürfe nicht von der Impfbereitschaft abhängen. Jürgen Krumpholz vom Staatlichen Schulamt Bebra verspricht dazu, dass es keine Benachteiligungen für Nichtgeimpfte, keinen Druck und auch keinen Impfzwang geben soll.

„Einige Eltern wollen ihre Kinder nicht impfen lassen, das muss man respektieren“, sagt Schäfer. Viele hätten – auch durch Fehlinformationen in sozialen Medien – richtig Angst. Einen Impfzwang dürfe es dennoch nicht geben. Die Stiko-Impfempfehlung erleichtere Eltern die Entscheidung. „Ich bin auch froh, dass es unkomplizierte Impfangebote ohne Anmeldung gibt.“ Viele Familien nähmen das gern an.

Das sind die Regeln zum Schulbeginn

Viele Schulen haben Eltern empfohlen, ihr Kind am Ende der Ferien testen zu lassen, damit keine Infizierten in die Schule kommen. Dafür bietet der DRK Kreisverband Witzenhausen am Sonntag, 28. August, eine Sondertestaktion in Witzenhausen, Hessisch Lichtenau, Großalmerode und Bad Sooden-Allendorf an. Eine Anmeldung ist hier möglich.

„Zu Beginn des ersten Schultags wird aber auch in der Schule getestet“, sagt Hilmes. Zudem muss nach Vorgabe des Kultusministeriums in allen Schulen in den ersten zwei Wochen nach den Ferien auch im Unterricht eine medizinische Maske getragen werden. Geplant ist ein angepasster Regelbetrieb in den regulären Klassen und Kursen, was laut Hilmes weniger Einschränkungen als im vorigen Schuljahr bedeute. „Auch Angebote im Bereich der ganztägig arbeitenden Schule sind möglich.“

Auch an der Freiherr-vom Stein-Schule gibt es klare Regeln, die sich an den Verordnungen des Landes orientieren, sagt Faupel. „Die Kinder werden in den ersten 14 Tagen nach den Ferien drei Mal pro Woche getestet, danach zwei Mal pro Woche.“ Zudem gebe es ein offizielles Heft für die Dokumentation der Tests. „Die Maskenpflicht bleibt“, stellt Faupel klar. Aus Sicherheitsgründen verbringen die Schüler die Pausen in unterschiedlichen Bereichen. Bei den Beruflichen Schulen in Witzenhausen gilt für alle ungeimpften und nicht genesenen Schüler eine dreimalige Testpflicht pro Woche, so Konrektorin Begga Breiding.

Alle Klassenräume sollen nach und nach mit Lüftungsanlagen ausgestattet werden. Geplant sind Zentrallüftungen, die Frischluft von draußen ansaugen und die verbrauchte Luft gefiltert wieder abgeben, erklärt Krompholz. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg habe sich schon für ein System entschieden, das jetzt eingebaut werde, im Werra-Meißner-Kreis würden noch zwei Systeme getestet.  (fst/zac)

Diese Regeln gelten bei Coronafällen in der Schule

Der aktuelle Erlass des hessischen Kultusministeriums gibt Schulen und Gesundheitsämtern vor, wie sie mit Corona-Fällen von Schülern umgehen sollen. Ziel ist es, Unterrichtsausfälle weitgehend zu vermeiden und dennoch für Sicherheit zu sorgen. Die Vorgaben:

- Die Schule meldet alle positiven Coronatests (PCR und Schnelltests) ans Gesundheitsamt, alle betroffenen Schüler müssen sofort in Quarantäne und einen PCR-Test durchführen lassen.

- Ist dieser positiv, wird eine 14-tägige Quarantäne angeordnet. Diese kann nach einem negativen PCR-Test vorzeitig beendet werden – frühestens sieben Tage nach dem ersten positiven Test.

- Anhand des Sitzplans und der örtlichen Gegebenheiten entscheiden Amt und Schule im Einzelfall, ob und wie viele Mitschüler und Lehrkräfte in Quarantäne müssen. Unmittelbare Sitznachbarn sollen mindestens zwei Tage zuhause bleiben.

- Alle übrigen Schüler und Lehrer der Klasse müssen zwei Wochen lang täglich getestet werden und medizinische Masken auch am Sitzplatz tragen.

- Vollständig geimpfte oder genesene Personen müssen nicht in Quarantäne. (fst)

Die aktuellen Regeln für Schulen hat das hessische Kultusministerium hier zusammengefasst.

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