Bürgerinitiative gegen Suedlink beklagt mangelhafte Unterlagen

„Bodendenkmale in Bad Sooden-Allendorf wurden nicht berücksichtigt“

Protestversammlung unterhalb des Klausbergturms: Die Bürgerinitiative gegen Suedlink informierte unter anderem den SPD-Landtagsabgeordneten Knut John (rechts) und Bürgermeister Frank Hix (Mitte) über fehlende Hinweise auf Bodendenkmale.
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Protestversammlung unterhalb des Klausbergturms: Die Bürgerinitiative gegen Suedlink informierte unter anderem den SPD-Landtagsabgeordneten Knut John (rechts) und Bürgermeister Frank Hix (Mitte) über in den Untersuchungs-Unterlagen zur Suedlink-Trasse fehlende Hinweise auf Bodendenkmale im Bereich der Badestadt.

Die beantragte Vorzugstrasse für die Mega-Stromleitung Suedlink, die durch den Werra-Meißner-Kreis führt, soll noch in diesem Jahr weiter untersucht werden. Konkret geht es um Überprüfungen im archäologischen Bereich, nachdem Befliegungen Hinweise auf Bodendenkmale ergeben haben. Wie der Vorhabenträger TransnetBW dem Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Rainer Wallmann mitteilte, seien Gebiete in den Gemeinden Neu-Eichenberg, Meißner und Ringgau sowie der Stadt Witzenhausen betroffen.

Bad Sooden-Allendorf - Diese Information hat insbesondere bei der Bürgerinitiative Werra-Meißner gegen Suedlink für Empörung gesorgt. Bei der kurzfristig einberufenen Protestversammlung, an der auch der SPD-Landtagsabgeordnete Knut John und Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix teilnehmen, kritisierten BI-Sprecher Stefan Heuckeroth-Hartmann und Matthias Grabing eine mangelhafte Bürgerbeteiligung.

Denn viele Hinweise von Behörden, Verbänden und Privatpersonen beispielsweise auf historische Zeugnisse in der Landschaft, die bereits im Erörterungsverfahren eingebracht worden seien, tauchten in den aktuellen Untersuchungs-Unterlagen gar nicht auf. „Es fällt einfach raus“, beklagte Heuckeroth-Hartmann und spekulierte, entweder aufgrund infrage zu stellender Fachlichkeit oder aber, um „den Bürger für dumm zu verkaufen“.

Er malte ein düsteres Bild, wonach beispielsweise unterhalb des Klausbergturms, wo die Versammlung auch stattfand, alte Bodenstrukturen und Terrassierungen zerstört werden sollen. Ebenso werde von der Trasse eine alte Druckwasserleitung aus dem 13. Jahrhundert gequert. Die Existenz dieser historischen Zeugnisse würde ebenso wenig berücksichtigt wie Erdkeller und Trockenmauern aus früheren Zeiten, die sich bis ins Ausbachtal erstreckten, ergänzte Grabing, der sich intensiv in die Unterlagen eingearbeitet hat. Hinweise darauf „fehlen völlig“, so die Erkenntnis Grabings, der weitere gemeldete Fundorte und Verdachtsbereiche für Geschichtszeugnisse, die mehr als 2000 Jahre zurückreichen, nannte.

Auch würde unter anderem das Grundgesetz mit der darin verankerten Gleichheit aller „mit Füßen getreten“, sagte Heuckeroth-Hartmann, weil offenbar nicht alle Trassen genauer unter die Lupe genommen würden. Auf der Thüringen-Trasse hätten die Planer eine Fläche mit nicht bestätigtem Verdacht auf Feldhamstervorkommen ausgewiesen und auch den Aspekt Auswirkungen auf den Tourismus berücksichtigt, aber „bei uns nicht“.

Wie der beim Landkreis für Landwirtschaft, Landschaftspflege, Natur- und Landschaftsschutz zuständige Fachbereichsleiter Gerhard Müller-Lang ergänzend mitteilte, würden die archäologischen Untersuchungen nach Aussagen eines TransnetBW-Vertreters auch lediglich im Korridor durch den Werra-Meißner-Kreis erfolgen. Denn TransnetBW gehe nach wie vor davon aus, dass sich die Bundesnetzagentur für diesen entscheidet.

Ob dies noch in diesem Jahr erfolgt, wie bislang angekündigt und auch erwartet, wird allerdings inzwischen vielfach bezweifelt.

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