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Durch Corona: Alkoholkonsum im Werra-Meißner-Kreis steigt

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Von: Nicole Demmer

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Symbolbild: Viele Flasche, dahinter ein menschlicher Kopf in der Seitenansicht im Schatten
Corona hat dazu geführt, dass vermehrter Beratungsbedarf zu Alkoholkonsum da ist. © Jens Büttner / dpa

Die Corona-Pandemie wirkt sich bekanntermaßen auf die Psyche aus. Auch in der Suchtberatung steigt die Nachfrage – Besonders junge Menschen sind gefährdet.

Werra-Meißner – Durch die Corona-Pandemie ist der Bedarf an Suchtberatung gestiegen. Das berichtet Sozialpädagogin Anna Samland von der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des Diakonischen Werks auf Anfrage unserer Zeitung. Seit Herbst 2020 verzeichnet die Fachstelle laut Samland einen konstant hohen Beratungsbedarf. „Während üblicherweise die Nachfrage wellenförmig verläuft, mit ruhigeren Zeiten zum Beispiel in den Sommerferien, ist seit Anhalten der Covid-19-Pandemie kein Abriss mehr zu bemerken.“

Aus Sicht der Fachstelle melden sich auch einige Betroffene, die ohne die Begleitumstände der Pandemie wie Kontaktbeschränkungen möglicherweise nie einen problematischen Konsum entwickelt hätten. „Wir verzeichnen vorrangig mehr Beratungsbedarf zu problematischem Alkoholkonsum“, erklärt Samland. „Der Konsum von illegalen Substanzen ist im Vergleich zu den Vorjahren gleich geblieben.“

Suchterkrankung in der Corona-Pandemie: Angst und Depression steigen an

Weder einen vermehrten Beratungsbedarf noch mehr stationäre Behandlungen gibt es hingegen im Klinikum Werra-Meißner. „Was aktuell ansteigt, sind Nebendiagnosen von Suchtkranken wie Angst oder Depression, die in der Lockdown-Phasen, als weniger Beratungsangebote möglich waren, durch vermehrten Konsum zu Hause unterdrückt wurden. Nun fallen diese wieder öfter auf“, erklärt Dr. Henrike Lösch-Hünerjäger, Chefärztin und Ärztliche Leiterin am Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie.

Suchterkrankungen gibt es laut Lösch-Hünerjäger in jeder Altersgruppe. Durch die Pandemie sei eine Verschiebung in jüngere Altersklassen sichtbar. „Das ist aber kein exklusives Phänomen bei Suchterkrankungen, sondern trifft auch bei anderen psychischen Leiden wie Depression zu.“

Corona: Verschiedene Beratungsmöglichkeiten für Suchterkrankte

Wie viele Menschen im Anschluss an eine Beratung eine Therapie beginnen, darüber gibt es laut Lösch-Hünerjäger keine Zahlen. Erfahrungsgemäß starteten aber nur 10 bis 15 Prozent der Suchterkrankten nach einer Beratung eine Langzeit-Therapie. Samland erklärt, Gründe für eine Beratung seien unterschiedlich und nicht zwangsläufig therapiebedürftig sind.

Die Beratung in der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention unterliegt der Schweigepflicht, ist kostenfrei und freiwillig, erklärt Sozialpädagogin Anna Samland. Fragen oder Terminwünsche sind möglich für Suchthilfe unter Tel. 0 56 51/3 39 42 92 und Suchtprävention unter Tel. 0 56 51/3 39 42 96. Jeden Dienstag gibt es von 15.30 bis 17.00 Uhr eine Chatsprechstunde über Telegram zu Glücksspiel und Alkohol unter @suchthilfe_gluecksspiel und @suchthilfe_praevention. (nde)

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