Die Feiertage werden anders aussehen

7 Tipps gegen den Weihnachts-Blues in der Corona-Pandemie

Impulse: Auf dem Kirchplatz in Dohrenbach hat der Kirchenvorstand ein Angebot zum Mitnehmen aufgebaut. Hier findet man noch bis 10. Januar Texte, Gebete und Bildergeschichten sowie CDs und DVDs mit Weihnachtsgottesdiensten.
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Impulse: Auf dem Kirchplatz in Dohrenbach hat der Kirchenvorstand ein Angebot zum Mitnehmen aufgebaut. Hier findet man noch bis 10. Januar Texte, Gebete und Bildergeschichten sowie CDs und DVDs mit Weihnachtsgottesdiensten.

Die Corona-Pandemie hält die Welt in Atem: Weihnachten allein oder im kleinem Kreis - das ist für viele nicht einfach. Wir haben uns nach Tipps umgehört.

Witzenhausen - Wie kann man die anstehenden Weihnachtstage gut überstehen – vor allem, wenn man sie allein oder im kleinsten Kreis verbringen muss? Wir haben sieben Tipps gegen den Weihnachtsblues in der Corona-Pandemie zusammengestellt:

1. Nicht auf Verlorenes schauen

An den Weihnachtsfeiertagen sollte man nach Möglichkeit nicht über das Grübeln, was 2020 wegen der Pandemie alles nicht möglich ist, sondern eher überlegen, ob man auch etwas Gutes mitnehmen kann, schlägt Matthias Heintz von der Kirchlichen Allgemeinen Sozial- und Lebensberatung (KASL) der Diakonie im Werra-Meißner-Kreis vor. Er empfiehlt, die erzwungene Weihnachtsruhe im Lockdown zu nutzen, um sich auszuruhen. Weihnachten und die Ansprüche an dieses Fest würden zum Teil stark überhöht, findet Heintz. Jetzt sei eine gute Gelegenheit zu hinterfragen, worum es bei Weihnachten und der Weihnachtsgeschichte wirklich gehe.

2. Selbst zum Telefon greifen

Gerade wer an Weihnachten die Familie nicht sehen kann oder aus anderen Gründen einsam ist, sollte nicht warten, bis das Telefon klingelt, rät Frank Wachsmuth, Pastor der Landeskirchlichen Gemeinde in Hessisch Lichtenau. Besser sei es, sich zu überwinden und selbst jemanden anzurufen – auch auf die Gefahr hin, dass der Anruf vielleicht zeitlich ungelegen kommt: „Aber die Chance ist viel größer, dass man jemanden zum Schnuddeln findet.“

Auch Raphaela Pax vom Familienzentrum Arche in Hessisch Lichtenau und Michael Sippel, Pfarradministrator im Pastoralverbund St. Gabriel Werra-Meißner, ermuntern dazu, an den Feiertagen bewusst Menschen anzurufen, von denen man lange nichts gehört hat oder von denen man weiß, dass sie allein sind.

Das empfiehlt auch Heintz: Menschen, die sich einsam fühlen, würden sich derzeit noch mehr zurückziehen. Hier sei das Umfeld – Familie, Freunde und Nachbarn – gefragt, Kontakt zu halten, anzurufen, einen Brief zu schreiben oder gar ein Videogespräch zu starten. Da könne man auch auf Abstand kreativ werden, sagt der Pädagoge und schlägt ein Weihnachtsständchen im Garten vor dem Fenster vor. Wichtig sei zu zeigen, dass man an den Anderen denke und ansprechbar sei.

4. Einen Hausgottesdienst veranstalten

Auch wenn Maria und Josef laut der Bibel vor 2000 Jahren draußen bleiben und im Stall Unterschlupf finden mussten, schreibt Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez vom Bistum Fulda in einer Pressemitteilung: „Doch wir müssen nicht draußen bleiben. In Häusern und Wohnungen sind wir Hauskirche – ist Kirche zuhause.“ Er ermutigt Familien, sich an den heimischen Krippen und dem Christbaum zu treffen. Für den Gottesdienst zuhause hat das Bistum eine Broschüre erstellt, wie man einen Gottesdienst zuhause feiern kann. Er ist im Internet abrufbar.

Auch Wachsmuth hat damit gute Erfahrungen gemacht: Er verschickt seit Monaten seine Gottesdienstpläne samt Impulsen, Gebeten und Liedhinweise per E-Mail an seine Gemeinde – viele würden ihren Gottesdienst zuhause nachsprechen.

5. Ein Video vom Krippenspiel schauen

Der evangelische Kirchenkreis Werra-Meißner hat ein eigenes Krippenspiel-Video drehen lassen. Den Link und weitere digitale Angebote gibt es unter hier.

Sowohl die evangelische Landeskirche als auch das katholische Bistum Fulda übertragen mehrere Gottesdienste zu Weihnachten live.

6. Weihnachten im Radio

Für Rundfunk Meißner hat der Kirchenkreis eine Weihnachtssendung „Oh du fröhliche?!“ aufgenommen. Sie wird Heiligabend um 17.05 und 22 Uhr, am ersten Weihnachtsfeiertag um 15.05 Uhr und am zweiten Weihnachtsfeiertag um 15.05 Uhr ausgestrahlt.

7. Offene Kirchen und Friedhofskapellen nutzen

Viele Kirchengemeinden öffnen an den Feiertagen ihre Kirchen und Friedhofskapellen für Einzelbesucher, oft ist ein Mitglied des Kirchenvorstands oder Pfarrpersonal für ein Gespräch vor Ort, sagt Dekanin Ulrike Laakmann. Die Friedhofskapellen seien an Weihnachten wichtig für Menschen, die Angehörige verloren haben. „Sie hätten sich auch ohne Corona in einem Familiengottesdienst nicht wohl gefühlt“, sagt Laakmann. In den Friedhofskapellen könne man innehalten, das Konzept gebe es seit Jahren in größeren Städten. (Friederike Steensen)

Hilfsangebote gegen die Einsamkeit an Weihnachten 

Wer merkt, wie ihn die Einsamkeit an Weihnachten übermannt, sollte eine Hilfe-Hotline nutzen, rät Raphaela Pax vom Familienzentrum Arche in Hessisch Lichtenau: „Man muss nicht tieftraurig sein, um da anrufen zu dürfen. Wenn man das Bedürfnis nach Kontakt hat, sollte man solche Angebote nutzen.“

Rund um die Uhr kann man sich an die Telefonseelsorge wenden: Tel. 0800/ 1 11 01 11 und 0800/1 11 02 22. Die kostenlose Hotline ist rund um die Uhr geschaltet. Das Team bietet auch Beratung per E-Mail oder Chat an.

An Werktagen können sich Kinder und Jugendliche bei Streit zuhause an das Kinder und Jugendtelefon unter Tel. 11 61 11 wenden – anonym und kostenlos. Auf der Plattform gibt es auch ein Angebot für Eltern: 0800/1 11 05 50. Hier ist auch für beide Gruppen eine Beratung im Chat möglich.

Ebenfalls für Eltern und Jugendliche bietet die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung kostenfreie, anonyme Online-Hilfsangebote an.

Speziell für Senioren ist das Angebot des bundesweiten Netzwerkes Silbernetz: Hier gibt es an den Feiertagen zwischen 8 und 22 Uhr kostenfreie Gesprächsmöglichkeiten für Senioren und Menschen, die sich einsam fühlen: Tel. 0800/4 70 80 90. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Silbernetzes.

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