Betreuer werden kreativ

Corona-Regeln erschweren Alltag in der betreuten Wohngruppe für Jugendliche

Zusammenhalt bei der Jugendwohngruppe: Chelcey (von links), Laura, Lena, Wajiha und Burgenhof-Leiterin Sabrina Heine bei einem Ausflug in den Wald.
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Zusammenhalt bei der Jugendwohngruppe: Chelcey (von links), Laura, Lena, Wajiha und Burgenhof-Leiterin Sabrina Heine bei einem Ausflug in den Wald.

Für Menschen, die nicht allein leben können, gibt es spezielle Wohngruppen im Kreis. In Zeiten von Corona sieht dort alles etwas anders aus - zum Beispiel in der Jugendeinrichtung "Burgenhof".

Nicht alle Kinder und Jugendlichen können derzeit während der Corona-Krise bei ihren Familien leben – aus verschiedenen Gründen. In den Wohngruppen des Burgenhofs in Werleshausen und Witzenhausen hat die verordnete Kontaktbeschränkung eine ganz andere Bedeutung, sagt Leiterin Sabrina Heine: „Für die Jugendlichen bei uns im Burgenhof bedeutet dies, dass Fahrten nach Hause erst einmal nicht möglich sind.“

Die Jugendlichen sind zum großen Teil isoliert in und an ihrer Einrichtung. Eine schwierige Situation, denn die meisten Jugendlichen leiden eh schon aufgrund traumatischer Erlebnisse in ihrer Kindheit, berichtet Pressesprecher Lars Winter von den Werraland Lebenswelten, dem Träger des Burgenhofs.

Die Arbeit der Mitarbeiter ist daher nochmals fordernder, doch es laufe ganz gut, sagt Heine. „Unsere Jugendlichen sind top, ziehen toll mit.“ In beiden Häusern arbeitet das Team momentan in Blöcken. Eine Woche komplett durch, mit Tag- und Nachtdiensten. „Nach der Woche bist du physisch und psychisch erst einmal platt, aber wir lieben unseren Job und verspüren große Dankbarkeit weiter arbeiten zu können“, so Heine.

Einsatz im Garten: Die Jugendlichen packen kräftig an. Unser Bild zeigt Wajiha, Lena und Alessandro.

Für die Gestaltung der Tage ist ohne Schule besonders viel Kreativität gefragt. „Wir müssen die Jugendlichen beschäftigen, sonst kommt schnell Frust auf“, sagt die Burgenhof-Leiterin. Eine Gruppe von 9 und 14 Jugendlichen täglich trotz aller Einschränkungen bei Laune zu halten ist auch für erfahrene Sozialpädagogen und Erzieher keine leichte Herausforderung. Jetzt werden die hauseigenen Gärten neu gestaltet, Putz- und Kochdienste sind eingeteilt, es wird Bärlauch gesammelt und Pesto hergestellt, interne Sportangebote werden ausgiebig wahrgenommen – und natürlich gibt es auch jede Menge Schulaufgaben. Höhepunkte für die Jugendlichen seien momentan auch Nachrichtensendungen, die sich mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen beschäftigen, so Winter. „Da sitzen dann alle wie gebannt vor dem Fernseher.“

Problematisch sei, dass man sich nur schwierig in der Gruppe bewegen kann, sagt Heine. „Bei einer Fackelwanderung wurden wir von der Polizei angehalten. Dank Unterstützung vom Jugendamt des Kreises haben wir aber dann die Genehmigung erhalten, uns als Gruppe draußen bewegen zu dürfen.“

Einkaufen sei ebenfalls schwieriger geworden, berichtet Heine: „In einem Supermarkt wurde uns gesagt, dass wir nur fünf Liter Milch kaufen dürfen. Wie lange die bei 14 Jugendlichen ausreichen, kann man sich denken.“ Aber: „Hier haben wir Unterstützung von lieben Menschen erhalten, die unser Problem mitbekommen und kurzerhand Milch für uns mitgekauft haben“, lobt Heine die Solidarität in schwierigen Zeiten.

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