Sie feiert mit einem Baumkuchen

Dagmar Baronesse von Engelhardt feiert heute in Witzenhausen ihren 100. Geburtstag

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Feiert mit Baumkuchen: Dagmar Baronesse von Engelhardt wohnt im Haus Salem in Witzenhausen, heute vollendet sie ihr 100. Lebensjahr.

Witzenhausen. „Ich bin wunschlos glücklich." Dagmar Engelhardt feiert heute in Witzenhausen ihren 100. Geburtstag und schaut zufrieden auf ein langes und glückliches Leben zurück.

Weder hat sie Wünsche, sagt die Jubilarin, noch würde sie etwas an ihrem Leben ändern. Wenn die Augen etwas besser wären und sie wieder lesen könnte, „das wäre nett“, findet die 100-Jährige. Anspruchsvolle Literatur fehlt ihr etwas. Aber die fast täglichen Besuche ihrer Pflegetochter und ihr ansonsten zufriedenstellender Gesundheitszustand gleichen das wieder aus, sagt sie. Dagmar Engelhardt wurde am 23. März 1916 im Baltikum geboren. Ihr Vater stammte von einem baltischen Adelsgeschlecht ab und stand im Dienste des russischen Zaren. Daher trägt sie heute noch den Titel Baronesse.

Ihre Mutter musste mit ihr, als sie vier Jahre alt war, und mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester nach Danzig fliehen. Auf der Zugfahrt wäre es wegen des Gedränges am Bahnhof fast zur Trennung zwischen den Schwestern und ihre Mutter gekommen. Das Gefühl, allein in der Fremde zu sein, hat die heute 100-Jährige nie vergessen.

In München, in der Nähe zweier geliebter Tanten, fand die kleine Familie dann ein neues Zuhause. Dort besuchte Dagmar Engelhardt als erstes Mädchen in den 1930er-Jahren das Humanistische Knabengymnasium und machte ihr Abitur mit einer Eins in fast jedem Fach. Weil sie eine schöne Schulzeit gehabt habe, wollte sie selbst Lehrerin werden. Und dazu kam es auch, wenngleich auf Umwegen. Der Zweite Weltkrieg zwang sie damals erneut zu fliehen, dieses Mal nach Polen. Dort arbeitete sie als Hauslehrerin und erhielt selbst eine gute Lehrerausbildung. Die Zeit aber sei schwer gewesen, erinnert sie sich.

1952 nach Kassel

In Polen lebte Dagmar Engelhardt in der Nähe von Chelmno, auch diese Erinnerungen verfolgen sie bis heute. „Wir konnten sehen, was dort in den Konzentrationslagern passierte, aber nichts dagegen tun“, so die 100-Jährige. Und weiter: „Man kann gar nicht beschreiben, wie furchtbar das war.“

Nach dem Krieg wurde sie erst an eine Volksschule in einem Dorf bei Marburg versetzt, 1952 kam sie an die Mittelschule im völlig zerbombten Kassel. Dort lernte sie ihre Pflegetochter kennen, eine Schülerin mit schwierigem Elternhaus, die sie bei sich aufnahm und die noch heute der wichtigste Mensch in ihrem Leben ist.

Bis 2014 lebte Dagmar Engelhardt in Kassel allein in ihrer eigenen Wohnung mit großem Garten, bevor sie vor knapp zwei Jahren ins Haus Salem in Witzenhausen und damit in die Nähe ihrer Pflegetochter zog.

Ihren runden Geburtstag wird Dagmar Baronesse von Engelhardt heute mit ihrer Familie und einigen Freunden feiern - mit einem großen Baumkuchen, ihrem Lieblingskuchen, und einigen Überraschungen.

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