Witzenhausen

Das Auf und Ab der Stadt begleitet: Ehrenbürger Hans-Walther Hebel ist ein Urgestein

Der Ehrenbürger im trauten Heim: Hans-Walther Hebel.
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Der Ehrenbürger im trauten Heim: Hans-Walther Hebel.

Hans-Walther Hebel engagierte sich 44 Jahre lang in der Kommunalpolitik. Heute, am 26. Mai, wird er 80 Jahre alt.

Witzenhausen – Als der damals 27-jährige Bankkaufmann Hans-Walther Hebel 1968 als CDU-Stadtverordneter ins Rathaus einzog, standen die Gremien der Stadt vor einer heiklen Mission. Ein Jahr zuvor hatte die legendäre Papierfabrik Louis Staffel den Betrieb eingestellt. Es galt, Ersatz für 400 Arbeitsplätze zu finden. „Das war ein herber Schlag für die Stadt“, berichtet der neue Ehrenbürger, der der Kommunalpolitik seit 44 Jahren verbunden ist. Mit einigen Jahren Abstand gelang tatsächlich die Ansiedlung der neuen Papierwerke im Gelstertal.

Schon bald, nämlich Anfang der 70er-Jahre, kam auf die Mandatsträger eine neue Herkulesaufgabe zu: die kommunale Neugliederung in Hessen stand an, Witzenhausen verhandelte mit 16 Umlandgemeinden über einen Anschluss. Im Nachhinein könne man sage, dass die Integration gelungen sei. Hebel begleitete den Prozess als Stadtverordneter und Stadtrat. Einige Zeit setzte er mit der ehrenamtlichen Arbeit aus.

In seine Ära fällt die Arbeit von sechs Verwaltungschefs im Rathaus: Rudolf Harberg, Hans-Koch, Georg-Michael Primus, Günter Engel, Angela Fischer und Daniel Herz. Zur Politik gekommen war Hans-Walther Hebel, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, über die Arbeit in der Jungen Union: In den 60er-Jahren hatte Witzenhausen einen starken JU-Verband.

In seiner Zeit als Mandatsträger fallen wichtige Weichenstellungen für die Stadt: Entwicklung des Sport- , Freizeit und Kulturzentrums am Sande, die Stadtsanierung mit Bau der Fußgängerzonen, Erweiterung des Kreis- und Stadtkrankenhauses, Sanierung des Rathauses sind nur einige Stichworte. Es sei gelungen, weitere Betriebe in die Stadt zu ziehen, so wie Werrastahl und Rege. Beide sind mittlerweile Geschichte. Frühzeitig engagierte sich Hebel für eine Städtepartnerschaft mit der DDR-Kommune Heiligenstadt. Er erinnert sich an die legendäre Fahrt einer Abordnung 1988, die der Kontaktanbahnung galt. Doch die Gruppe wurde nach Nordhausen umdirigiert.

Hebel ist davon überzeugt, dass die Verbindung mit Heiligenstadt drüben politisch nicht gewollt war, man wäre sich zu nahe gewesen. Am 12. November 1989 öffnet sich die Grenze im Nordkreis. Witzenhausen leistete Aufbauhilfe, half mit Personal und Büroausstattung im Eichsfeld. Eine formelle Partnerschaft hatte sich erledigt. Doch bis heute hält Hebel mit Frau Ingrid Kontakt zum früheren Bürgermeister Bernd Beck und anderen Persönlichkeiten der Wendezeit.

Witzenhausen habe von der Grenzöffnung profitiert, „doch der große Wurf ist uns damit nicht geglückt“. Mit ein bisschen Neid schaut Hebel auf die Industrieansiedlungen in Heiligenstadt, da könne Witzenhausen nicht mithalten. Sorge hier bereitet dem Senior der innerstädtische Handel, „die Entwicklung ist dramatisch“.

Man müsse neue Baugebiete ausweisen, um junge Familien in die Stadt zu locken. Hebel packt ein heißes Eisen an: Er glaubt, dass der ganze Nordkreis von einem Zusammenschluss der Stadt mit Neu-Eichenberg wirtschaftlich profitieren könnte. Bei der Kommunalwahl hat der CDU-Mann auf eine neue Kandidatur verzichtet. Denn am heutigen 26. Mai wird er 80 Jahre alt. Da sei es Zeit, aufzuhören. Fortan will sich der Ehrenstadtrat und Ehrenbürger seinem Hobby, der Geschichte stärker widmen. (Werner Keller)

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