Mann sammelt Spenden für Griechenland

Frau erlebt Brand auf Euböa mit: „So stelle ich mir einen Vulkanausbruch vor“

Rauchwolken auf der griechischen Insel Euböa, beobachtet von der Halbinsel Pilion.
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Die Rauchwolken auf der griechischen Insel Euböa, wo es seit Tagen brennt, beobachtete Konstanze Schmidt aus Gertenbach von der Halbinsel Pilion aus.

Eine Frau aus Witzenhausen erlebt hautnah einen Brand auf der griechischen Insel Euböa mit – und das während ihrer Urlaubsreise.

Gertenbach/Ahnatal – „So stelle ich mir einen Vulkanausbruch vor“, sagt Konstanze Schmidt aus Gertenbach. Sie macht gerade Urlaub auf der griechischen Halbinsel Pilion. Diese liegt etwa 20 Kilometer Luftlinie von Euböa entfernt, wo es vor etwa einer Woche zu schweren Waldbränden gekommen ist.

Schmidt und ihr Ehemann haben das Brandgeschehen auf Euböa aus der Ferne miterlebt. „Das war ein echtes Inferno“, sagt Konstanze Schmidt. Nach etwa zwei Tagen seien die Rauchschwaden auch auf Pilion angekommen. „Alles erschien rot.“

Waldbrände in Griechenland: Mann aus dem Kreis Kassel ruft zu Spenden auf

Die Menschen auf Euböa seien eigentlich dazu aufgefordert worden, die Insel zu verlassen. Doch einige seien dort geblieben und hätten versucht, ihre Dörfer zu retten, so Schmidt. Löschflugzeuge und -hubschrauber hätten erst später die Flammen in Euböa bekämpfen können, denn gleichzeitig wüteten Feuer in Athen, berichtet sie. Ein Taxibootfahrer habe ihr erzählt, dass er jede Nacht nach Euböa fahre, um von dort Menschen auf die nahe gelegene Insel Skiathos zu bringen. Denn das Feuer habe nicht enden wollen, sagt Schmidt. Am vergangenen Donnerstag habe es dann endlich geregnet.

Die Gertenbacherin macht aber nicht nur Urlaub auf Pilion. Als sie in Griechenland ankam, hatte sie Sachspenden aus Deutschland für ein Gesundheitszentrum in Argalasti, eine Kleinstadt im Süden von Pilion, dabei. Diese hatte Geert Platner aus Ahnatal (Landkreis Kassel) zusammen getragen. Die Bilder der Flammen auf der griechischen Insel Euböa haben ihn dazu bewegt, den Menschen dort zu helfen. Deshalb ruft er Menschen zu weiteren Sachspenden auf.

Vor der Hecke des gebürtigen Witzenhäusers türmen sich Gehhilfen: Krücken, ein Rollstuhl, ein Rollator. Außerdem ein Radio und ein Sterilisator, sogar ein griechisches Spiel. Es sind Spenden, die der 75-Jährige an einem Wochenende über Bekannte zusammengetragen hat. „Ich war das ganze Wochenende auf Achse.“

Geert Platner sammelt Spenden für die Opfer der Brände auf der griechischen Insel Euböa.

Waldbrände in Griechenland: In Euböa ist „Weltuntergangsstimmung“

Eigentlich sollten sie an das Krankenhaus auf der Halbinsel Pilion gehen, das Platner mit privat gesammelten Spenden seit sechs Jahren unterstützt. Seit Tagen verfolgt Platner die Berichte über die Brände in Griechenland. Euböa sei schon früher zu kurz gekommen, jetzt erst recht. „Dort ist Weltuntergangsstimmung“, sagt er. Vor gut einer Woche, so berichtet er, sei wieder ein von ihm organisierter Transport in dem Krankenhaus auf Pilion angekommen. Hauptsächlich hatte er medizinische Hilfsgüter zusammengetragen, darunter ein Ultraschallgerät. Der Transport sei gerade noch rechtzeitig gekommen, kurz danach wurde die Autobahn zwischen Athen und Thessaloniki gesperrt.

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Der zweite Transport, den Platner mit den übrig gebliebenen und neuen Spenden plant, komme nun gerade recht. Am Telefon hört er, dass die Rauchwolken vom Krankenhaus aus am Horizont zu sehen sind. Und, dass das Krankenhaus derzeit nichts benötigt. „So können wir ohne schlechtes Gewissen den Transport umwidmen.“

Mann aus dem Kreis Kassel organisiert seit sechs Jahren Spenden für Griechenland

Es hilft, dass die Fahrt ohnehin geplant war, denn der Transport benötige viel Vorlaufzeit. Mithilfe der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Kassel versucht er nun, Kontakte auf der Insel herzustellen. Seit sechs Jahren organisiert Platner Spenden für Griechenland – ohne Verein oder Organisation. Er arbeitet mit der Weinhandlung Schluckspecht zusammen. Deren Spedition, die in Griechenland Wein abholt, fahre mit leeren Lastwagen in den Süden. Wenn Platner Spenden organisiert, nimmt der Transporter sie mit und kehrt mit Wein zurück.

Hier liegt Euböa.

Schon sechs Mal war der pensionierte Lehrer selbst in Griechenland, um Spenden zu übergeben. Er würde auch jetzt gern hinfahren, aber „mein Arzt hat dringend abgeraten“. Es drohe eine zweite Hitzewelle. Um die Spenden nach Griechenland zu bringen, benötige er momentan vor allem Geldspenden. Wer helfen möchte, kann sich bei Geert Platner melden unter Tel. 01 51/59 87 39 15 oder per E-Mail unter platner@gmx.de. (Valerie Schaub und Natascha Terjung)

Auch eine Familie aus Kassel hat die Waldbrände im Urlaub in Griechenland miterlebt. Die Augenzeugen berichten.

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