Sozialunternehmen wollen mitmachen

Einkaufen und Wohnen: Das sind die Pläne für das Nahversorgungszentrum in Hundelshausen

So könnte das Zentrum aussehen: Nach dem aktuellen Entwurf soll die alte Zigarrenfabrik auf der Rückseite (Skizze links) barrierefreie Zugänge zu den Fahrstühlen sowie eine Ladezone zur Belieferung erhalten. Die mittlere Skizze zeigt die Ansicht von der Raiffeisenstraße, rechts sieht man das Gebäude von der Bundesstraße aus. Hier könnte eine Rampe an den Vordereingang gebaut werden.
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So könnte das Zentrum aussehen: Nach dem aktuellen Entwurf soll die alte Zigarrenfabrik auf der Rückseite (Skizze links) barrierefreie Zugänge zu den Fahrstühlen sowie eine Ladezone zur Belieferung erhalten. Die mittlere Skizze zeigt die Ansicht von der Raiffeisenstraße, rechts sieht man das Gebäude von der Bundesstraße aus. Hier könnte eine Rampe an den Vordereingang gebaut werden.

Die Pläne für den Umbau der alten Zigarrenfabrik an der Bundesstraße in Hundelshausen in ein Nahversorgungszentrum werden konkreter - geplant ist eine Mischung aus Wohnen und Laden.

Hundelshausen – Nach den aktuellen Entwürfen der Architekten Albrecht + Weisser (Northeim) könnte im Erdgeschoss ein Dorfladen einziehen, in die zwei oberen Stockwerke mindestens acht barrierefreie Wohnungen. Mit-Initiator Pfarrer Dr. Christian Schäfer und Norbert Faber vom Ortsbeirat stellten diese Pläne jetzt im Beisein der Eigentümerin Melanie Keil möglichen Partnern vor:

Andrea Röth vom Verein Aufwind könnte sich vorstellen, dort über die vereinseigene Stellenwerk GmbH einen Dorfladen zu betreiben – ähnlich dem „Lädchen für alles“ in Gertenbach, wo Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten. Mögliche Partner wären Einzelhändler wie Tegut, Rewe und Edeka, so Röth. Die Einrichtung eines Bereichs zum Schnuddeln gehöre dazu.

Sind optimistisch: Pfarrer Dr. Christian Schäfer (von links), Andrea Röth (Verein Aufwind), Landrat Stefan Reuß, Georg Forchmann (Werraland Lebenswelten), Norbert Faber (Ortsbeirat) und Eigentümerin Melanie Keil vor der alten Zigarrenfabrik. Im neuen Entwurf fällt diese Treppe weg.

Barrierefreie Wohnungen für alle

Günstige, barrierefreie Mietwohnungen könnten Menschen, die von Aufwind und den Werraland Lebenswelten betreut werden, ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen, sagt Werraland-Geschäftsführer Georg Forchmann: „Wer keinen Führerschein hat, braucht eine Grundversorgung vor Ort.“ Die wäre dank der Buslinie vor der Tür und dem Laden gegeben. Wegen des demografischen Wandels sei das Projekt wichtig, sagt Landrat Stefan Reuß. Viele Erwachsene mit Behinderung leben weiter bei ihren Eltern – doch wenn diese ins hohe Alter kämen, würde die Lage schwierig. Bisher gebe es im Nordkreis noch nicht genügend barrierefreie, günstige Wohnungen mit zugehörigen Betreuungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig wären die über zwei Fahrstühle erreichbaren Wohnungen auch für Senioren geeignet, sagt Schäfer. Viele lebten auf den Dörfern in großen Häusern, deren Unterhalt sie kaum stemmen könnten. Ihre Kinder seien oft weggezogen. Wenn Senioren in die bequemeren Wohnungen in der Zigarrenfabrik zögen, würden gleichzeitig Häuser für junge Familien frei, die derzeit händerringend gesucht würden.

Investition von mehreren Millionen Euro nötig

Aktuell ermitteln die Architekten mögliche Sanierungskosten für das mehr als hundert Jahre alte Gebäude. Es hat durchgehend hohe, lichte Räume, eine Geschossfläche von jeweils 200 Quadratmeter und trotz des mehr als 20-jährigen Leerstands eine solide Grundsubstanz. Schäfer schätzt die Umbaukosten auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Die Bauzeit ist offen, da Finanzierung und Verfügbarkeit von Baufirmen noch unklar seien. „Für dieses Projekt braucht man einen langen Atem.“

Die Planungsarbeiten bis zur Genehmigung werden nach Beschluss der Stadtverordneten mit 60 000 Euro aus dem Dorfentwicklungsprogramm Ikek gezahlt. Im Dorf, aber auch in der stadtweiten Ikek-Gruppe sei die Unterstützung für das Projekt groß, sagt Faber. „Andere Dörfer haben für das Nahversorgungszentrum sogar eigene Projekte zurückgestellt.“ Reuß glaubt, dass auch die Finanzierung des Umbaus gestemmt werden kann: Angesichts niedriger Zinsen gäbe es mehr Investoren für soziale Projekte. Gleichzeitig könnten kommunale Träger wie die Stadt Witzenhausen, aber auch Sozialunternehmen wie Aufwind und Werraland Fördermittel für solche Projekte bekommen. Weitere Töpfe gebe es beim Landeswohlfahrtsverband, wenn Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen würden.

Arztpraxis wäre unrealistisch

Von der ursprünglichen Idee, auch eine Arztpraxis einziehen zu lassen, sei man abgerückt, sagt Pfarrer Dr. Christian Schäfer. „Es ist schon schwer genug, Nachfolger für bestehende Praxen zu finden.“

Eine weitere Entwicklungsoption biete sich aber auf den Nachbargrundstücken, wenn der ehemalige Biker-Treffpunkt abgerissen sei: Dort grenzen ein Wohnhaus und die ehemalige Awo-Kleiderkammer an, die beide zum Verkauf stünden. Hier wäre die Einrichtung weiterer Wohnungen sowie einer Tagespflegeeinrichtung möglich, sagt Norbert Faber vom Ortsbeirat. Der Block bis zur Straße „Goldene Au“ könnte so sozialer Dorftreffpunkt werden. (Friederike Steensen)

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