Den Blick auf Verbraucher richten

Katrin Zander ist Professorin für Lebensmittelmarketing in Witzenhausen

Im Grünen: Prof. Dr. Katrin Zander hat seit einem Jahr die Professur für Lebensmittelmarketing der Universität Kassel in Witzenhausen inne. Unser Bild zeigt sie im Garten des historischen Uni-Gebäudes an der Steinstraße.
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Im Grünen: Prof. Dr. Katrin Zander hat seit einem Jahr die Professur für Lebensmittelmarketing der Universität Kassel in Witzenhausen inne. Unser Bild zeigt sie im Garten des historischen Uni-Gebäudes an der Steinstraße.

Schwieriger Start in der Pandemie: Das Fachgebiet „Lebensmittelmarketing“ am Witzenhäuser Standort der Universität Kassel ist seit einem Jahr in Händen von Prof. Dr. Katrin Zander.

Witzenhausen – Ihren Amtsantritt als Professorin für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Universität Kassel hatte sich Katrin Zander anders vorgestellt: Statt dass ihr Vorgänger Prof. Ulrich Hamm mit einer Feier verabschiedet wurde und sie ihre Antrittsvorlesung hielt, ging das Land vor einem Jahr wegen der Corona-Pandemie in den Lockdown. Statt Studierende auf dem Campus in Witzenhausen zu treffen, musste Zander ihre Vorlesungen ins Internet verlagern.

Mittlerweile blickt sie nach ihrem turbulenten ersten Jahr als Professorin aber einigermaßen zufrieden zurück. Ihre Idee, die Präsentationen ihrer Vorlesung mit Erklärungen zu vertonen und verpflichtend Hausaufgaben zu fordern, hätte den Studierenden geholfen, den Stoff zu lernen und eine Struktur im Pandemie-Alltag zu haben. Daneben führt sie nun zehn Mitarbeiter, von denen einige noch bereits laufende Forschungsprojekte abschließen, neue Themen müssen vorbereitet werden.

Forschung musste zunächst warten

Wozu sie nicht gekommen ist, ist ihre eigene Forschung. „Erstmal muss die Lehre laufen“, sagt Zander. „Nach der Vorlesung ist vor der Vorlesung.“ Hier müsse sie Routine aufbauen. Zwar hat sie seit 2008 in Witzenhausen regelmäßig ein Seminar zur Direktvermarktung unterrichtet, vor allem aber geforscht. Stattliche zwölf Seiten umfasst das Verzeichnis ihrer wissenschaftlichen Beiträge, zuletzt hat sie sich vor allem mit Verbraucherverhalten bei nachhaltigen Lebensmitteln, wie regionalen, Öko- und Tierwohl-Produkten beschäftigt.

Künftig will Zander vor allem erforschen, welche Konsequenzen der Green Deal der EU für die Lebensmittelproduktion im Ökolandbau hat. Laut dem Deal sollen bis ins Jahr 2030 in der EU 25 Prozent aller Flächen ökologisch bewirtschaftet werden – 2019 waren es 8,4 Prozent. Es gibt zwei Probleme, so Zander: Neben der Steigerung der Flächen müssen neue Verbraucherschichten motiviert werden, die vermehrt angebauten Bio-Produkte zu kaufen.

Kunden sollen mehr Informationen bekommen

Bio sei zwar Trend, sagt Zander. Durch ihre Forschung weiß sie aber auch, dass sehr viele Kunden wenig über die Herkunft ihrer Lebensmittel wissen (können). „Die Kommunikation mit den Verbrauchern muss besser werden“, betont sie. Auch die Öko-Branche müsse offen erklären, wo und wie ihre Lebensmittel hergestellt werden. An den aktuellen Verpackungen sei das jedenfalls meist nicht erkennbar. Deshalb will sich Zander dafür einsetzen, dass die Kennzeichnung von Inhaltsstoffen vereinheitlicht wird. Zudem interessiert sie regionale Vermarktung: Weniger Importe von Bio-Produkten, bessere Vermarktung heimischer Lebensmittel – durch kürzere Transportwege sei das auch besser fürs Klima.

Sie sei mehr Verbraucherforscherin als Marketingstrategin, sagt Zander. „Ich nehme gern die Verbraucherperspektive ein, die kommt oft viel zu kurz.“ Viele Firmen etwa würden viel Energie in Nachhaltigkeitsstrategien stecken, für die Kunden seien deren Kriterien aber oft zu kompliziert: „Wir müssen die Verbraucher da abholen, wo sie stehen.“ Dazu gehöre, ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu zeichnen, die meist wenig mit den glücklichen Kühen auf der Milchtüte zu tun hätte. Dabei will Zander helfen: „Ich möchte Verständnis schaffen und beide Seiten zusammenbringen.“ (Friederike Steensen)

Zur Person

Prof. Dr. Katrin Zander (56) ist im Taunus aufgewachsen und nach einer Lehre zur Gärtnerin 1987 zum Studium der Agrarökonomie in Göttingen in die Region gekommen. Als Pendlerin promovierte sie 2001 in Hannover. Sie habilitierte sich 2015 in Witzenhausen, wo sie von 2007 bis 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin war. Von 2002 bis 2007 sowie von 2011 bis 2020 arbeitete sie für das Thünen-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, in Braunschweig. Die zweifache Mutter lebt in Hermannrode. Ihre Hobbies sind Wandern, Radfahren, Gärtnern und Hockey. (fst)

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