Energie aus Fotovoltaik und Wind

Klimaschutz im Werra-Meißner-Kreis: Ausbau Erneuerbarer Energien schreitet voran

Windräder der Anlage am Kreuzstein: Die Genossenschaft „Bürgerenergie Werra-Meißner“ ist an diesem Windpark beteiligt.
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Windräder der Anlage am Kreuzstein: Die Genossenschaft „Bürgerenergie Werra-Meißner“ ist an diesem Windpark beteiligt.

Vor zehn Jahren wurde das Klimaschutzkonzept für den Werra-Meißner-Kreis erstellt. Was ist daraus geworden? Wir haben nachgefragt.

Werra-Meißner – Seit der Erstellung des Klimaschutzkonzepts im Werra-Meißner-Kreis 2011 ist die technisch mögliche Energieerzeugung durch Windparks bis 2019 um 1337 Prozent gestiegen. Im Jahr 2011 hatten die sechs Windräder im Landkreis eine Leistung von 7200 Kilowatt, 2019 gab es 39 Windräder mit einer Gesamtleistung von 103.450 Kilowatt. Aktuellere Zahlen liegen laut Kreissprecher Jörg Klinge nicht vor. Bei Fotovoltaik-Anlagen ist es eine Steigerung von 68 Prozent – wobei der Eigenstromverbrauch nicht mitgezählt wurde. Bei Wasserkraft, Klär- und Deponiegas gab es keine Veränderung. Bei der Energieerzeugung aus Biomasse wurde 2018 eine neue Anlage gebaut, sodass es nun zwölf Anlagen im Kreis gibt.

Die Mittelgebirgslage und die Entwicklung der Anlagengrößen hätten zu einer positiven Entwicklung der Windkrafterträge geführt. Gleichzeitig sanken die Kosten von Fotovoltaik-Anlagen. „Das Klimaschutzkonzept ist in diesen Bereichen schon erfüllt“, sagt Klinge. „Jedoch müssen die Ziele überarbeitet werden.“ Bei Windkraft und Fotovoltaik gebe es noch hohes Potenzial. Eine Aktualisierung des Klimaschutzkonzeptes mit voraussichtlich anspruchsvolleren Zielen werde zurzeit vorbereitet.

Ziel: Ab 2040 nur noch erneuerbare Energien

„Der Energieverbrauch soll ab 2040 vollständig mit heimischen erneuerbaren Energien gedeckt werden“, so Lothar Seeger von der Bürgerenergie Werra-Meißner. Das gehe aus dem Koalitionsvertrag für den Kreistag von SPD und Grünen sowie der Kooperationsvereinbarung zwischen SPD, Grünen und Linken hervor. „Dazu sollen alle bestehenden Potenziale bei Wasserkraft, Sonnenenergie, Windkraft, Geothermie und nachwachsenden Rohstoffen genutzt werden.“ (fab)

Der Ausbau der Windenergie ist bundes- und landesweit seit 2018 massiv eingebrochen, sagt Lothar Seeger, Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgerenergie Werra-Meißner, einer Genossenschaft zur Förderung erneuerbarer Energien im Kreis. Um die Klimaziele zu erreichen, müsse der Ausbau der Windenergie vervierfacht werden. Für den Kreis bedeute das die konsequente Nutzung aller ausgewiesenen Vorrangflächen für die Windenergieerzeugung. Seeger findet, dass zudem weitere Standorte gesucht werden müssten. „Möglicherweise reicht das bisherige Ziel von zwei Prozent der Landfläche nicht aus.“

Außer Windkraft und Solarthermie brauche es einen Ausbau der Fotovoltaik. „Der jährliche Ausbau muss mindestens verdreifacht werden“, fordert Seeger. Um diese Ziele zu erreichen, müsse die Bundesregierung zum Beispiel eine Solarpflicht für Neubauten und Dachsanierungen einleiten und die Ausschreibungsmengen für Freiflächenanlagen erhöhen. Die Bürgerenergie wolle das unterstützen und die Akzeptanz fördern.

Im Werra-Meißner-Kreis gibt es verschiedene Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. „Diese werden mit Windkraft, Fotovoltaik, Biomasse, Wasserkraft sowie Klär- und Deponiegas erzeugt“, sagt Kreissprecher Jörg Klinge. Die Wärmeenergie aus Festbrennstoffen wie Holz sowie Biogas und Solarthermie würden nicht statistisch erfasst.

Einen Anstieg der erneuerbaren Energien habe es seit der Erstellung des Klimaschutzkonzepts des Werra-Meißner-Kreises im Jahr 2011 vor allem bei Windenergie und Fotovoltaik-Anlagen gegeben. So stieg die Zahl der Windparks laut Klinge von zwei auf sieben im Jahr 2019. Dabei seien aus 6 Anlagen 39 geworden. Sie erzeugten im Betrieb konkret einen Anstieg der Energie von mehr als 11,1 Millionen Kilowattstunden (kw/h) auf knapp 302,5 Millionen kw/h. Im aktuellsten Regionalplan für Nordhessen aus dem Jahr 2016 sind für den Kreis 17 Flächen ausgewiesen, auf denen Windräder gebaut werden könnten. Diese sogenannten Windvorrangflächen umfassen 1415 Hektar.

Die Zahl der Fotovoltaik-Anlagen ist von 2572 (im Jahr 2011) auf 3809 (im Jahr 2019) gestiegen. Das entspricht laut Klinge einer Erhöhung der erzeugten Energie von mehr als 11,5 Millionen kw/h auf mehr als 65,2 Millionen kw/h. „Etwa 2,3 Prozent der Anlagen befinden sich auf Kreisgebäuden.“

Bürgerenergie-Genossenschaft will weitere Projekte fördern

Die Bürgerenergie Werra-Meißner, eine Genossenschaft zur Förderung erneuerbarer Energien im Werra-Meißner-Kreis, ist derzeit an drei Windparks in der Region beteiligt: seit 2016 mit 4,9 Prozent am Rohrberg, seit 2017 mit 1,5 Prozent am Stiftswald und seit 2019 mit 5,3 Prozent am Kreuzstein. „Es werden weitere mögliche Beteiligungen geprüft“, sagt Lothar Seeger, Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgerenergiegenossenschaft. Als Nächstes stünden die Projekte Hausfirste II im Kaufunger Wald und Steinberg bei Ziegenhagen an.

Projekte mit Fotovoltaik konnte die Bürgerenergiegenossenschaft laut Seeger bisher noch nicht verwirklichen. Insbesondere seien dafür Anlagen interessant, die auf den Eigenverbrauch ausgelegt sind. Dazu gehörten Büros, Mehrfamilienhäuser und Betriebsgebäude. (Fabian Becker)

Viel Kritik im Kreis an Windkraftprojekten

In vergangenen Jahren wurde der Ausbau der Windenergie in der Region immer wieder kritisiert, unter anderem von Bürgerinitiativen, Naturschützern und Leserbriefschreibern.

Kürzlich zum Beispiel beim Projekt Hausfirste II (wir berichteten): Um Bauteile an ihren Bestimmungsort zu bringen, wurde die Kreisstraße zwischen dem Abzweig nach Niederkaufungen und Niester Königs-Alm gesperrt. Das Kasseler Regierungspräsidium hatte die Sperrung offenbar aber nicht früh genug an die Kommunen kommuniziert.

Auch der geplante Windpark auf dem Steinberg nahe dem Witzenhäuser Stadtteil Ziegenhagen ist höchst umstritten. Ortsvorsteher Manfred Harbusch forderte 2020 den Stopp der Planungen nach dem Brand eines Windrads bei Körle (Schwalm-Eder-Kreis). Er befürchtete, Löscharbeiten wären fast unmöglich und der Wald in Gefahr, sollte auf dem Steinberg ein Windrad brennen. Auch sorgt die geplante Zufahrt zur Baustelle quer durch Ziegenhagen für Kritik bei den Dorfbewohnern. (fab/fst)

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