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Der Wechsel der Autoreifen steht an - Polizei und TÜV klären über Vorgaben und Gefahren auf

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Von: Hannah Köllen

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Benno Sander (27) und seine Kollegen vom Auto und Garten Gottschalk in Witzenhausen wechseln täglich bis zu 15 Reifensätze.
Benno Sander (27) und seine Kollegen vom Auto und Garten Gottschalk in Witzenhausen wechseln täglich bis zu 15 Reifensätze. © Hannah Köllen

Die Temperaturen steigen, für viele Autobesitzer steht in diesen Tagen der Reifenwechsel an. Allgemein bekannt ist die Faustregel „Von O bis O“. Diese besagt, dass am Auto im Oktober auf Winterreifen und um die Osterzeit auf Sommerreifen gewechselt werden sollte.

Witzenhausen - Eine gesetzliche Vorgabe für den Zeitpunkt des Reifenwechsels gebe es nicht, sagt Jörg Künstler, Pressesprecher der Polizeidirektion Werra-Meißner. „In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht“, weiß Künstler. Das bedeutet, dass man bei winterlichen Straßenverhältnissen wie Schnee, Glatteis, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte nur mit Winterreifen fahren darf. Für Autofahrer, die bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne Winterreifen unterwegs sind, sind laut Bußgeldkatalog 60 Euro fällig. Führt das Fahren mit der falschen Bereifung zu einer Behinderung, Gefährdung oder gar einem Unfall, erhöhe sich der Betrag auf bis zu 120 Euro, sagt Künstler.

In allen Fällen sei außerdem ein Punkt in Flensburg vorgesehen. Auch dem Fahrzeughalter drohen 75 Euro und ein Punkt, sagt Künstler. Das Fahren mit der falschen Bereifung könne zur Folge haben, dass die Versicherungen ihre Leistungen aufgrund grober Fahrlässigkeit kürzen, sagt Künstler. Er verweist außerdem auf die Gefahren im Straßenverkehr. Die falsche Bereifung könne zu Unfällen, veränderten Bremswegen sowie zum Kontrollverlust über das Fahrzeug führen.

Auch Uwe Herrmann, Leiter der Technischen Prüfstelle für den Kfz-Verkehr in Darmstadt, weiß um die Gefahren der falschen Bereifung. Höhere Außentemperaturen führten bei Winterreifen zu einem erhöhten Verschleiß, weiß Herrmann. „Je nach Gummi-Mischung und Hersteller kann eine Gummiverhärtung eintreten.“ Dies könne zum Verlust der Wintereigenschaften der Reifen führen. „Winterreifen haben in der Regel einen höheren Rollwiderstand und damit steigt der Kraftstoffverbrauch und die Fahreigenschaften verschlechtern sich. Bremswege verlängern sich nach Erkenntnissen von Tüv Hessen deutlich.“

Falsche Bereifung führt zu Umweltschäden

Neben den Gefahren im Straßenverkehr verweist Herrmann auf die Umwelteinflüsse durch die falsche Reifenwahl. Durch den erhöhten Verschleiß ergebe sich ein unnötiger Reifenabrieb, der die Umwelt belaste, sagt Herrmann. Dies führe dazu, dass Reifen früher ausgetauscht werden müssten, „was im Sinne der Nachhaltigkeit nicht förderlich ist“.

Beim plötzlichen Wintereinbruch Anfang April waren diejenigen gut beraten, die die Regel „Von O bis O“ befolgen und ihre Autoreifen noch nicht gewechselt hatten. Jetzt, da die Temperaturen wieder steigen, wechseln viele Autobesitzer von Winterreifen auf Sommerreifen. In den Werkstätten steht dieser Tage der Reifenwechsel auf dem Programm.

Bis zu 15 Reifensätze werden täglich gewechselt

„Bei uns gilt die Faustformel von O bis O“, sagt Anja Gottschalk vom Auto und Garten Gottschalk in Witzenhausen. Täglich werden in dem Autohaus bis zu 15 Reifensätze gewechselt. Auf einen Termin für einen Reifenwechsel müssen Kunden aktuell eine Woche warten, sagt Gottschalk. Sie betont, wie wichtig der Reifenwechsel ist: „Durch das Fahren mit der falschen Bereifung verlängert sich der Bremsweg. Außerdem führt es zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch“, weiß Gottschalk. Beim Fahren mit Winterreifen im Sommer müsse man außerdem mit einem erhöhten Reifenverschleiss rechnen, sagt Kurt Eisenträger vom Autohaus Eisenträger in Eschwege. „Nur ein auf die Wetterlage angepasstes Reifenprofil gewährleistet eine optimale Straßenhaftung“, sagt Eisenträger.

In seinem Autohaus würde der Reifenwechsel in den regulären Werkstattablauf integriert. Einen festen Zeitpunkt für den Reifenwechsel festzulegen, sei schwierig, da es keine gesetzliche Winterreifenpflicht gebe. „Es gibt aber die Faustregel, dass Winterreifen von Oktober bis zum Wochenende nach Ostern drauf bleiben sollten“, sagt Eisenträger.

Auch in dem Eschweger Autohaus warten Kunden in der Regel eine Woche auf einen Termin zum Reifenwechsel, sagt Eisenträger.

Zustand der Reifen wichtig für TÜV

Bei der zweijährlichen Hauptuntersuchung (HU) beim Tüv werden auch die Reifen überprüft. Der Tüv Hessen erklärt in einer Checkliste, worauf es bei der Prüfung ankommt. Die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern an allen Reifen wird kontrolliert. Die Inspekteure schauen, ob die Reifen gleichmäßig abgefahren und ob Reifen und Felgen unbeschädigt sind. Außerdem werden Reifengröße und Reifenbezeichnung mit den Angaben in den Fahrzeugpapieren abgeglichen.

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