Ärzte kritisieren Budgets

Diabetologen aus dem Werra-Meißner-Kreis drohen für Rezepte Regresszahlungen

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Regelmäßige Kontrolle der Blutwerte ist für Diabetiker wichtig: Michael Meixner argumentiert, dass man die Behandlungskosten für die deutsche Gesellschaft  senken kann, wenn man Diabetes früh genug behandelt und so schwere Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Amputationen vermeidet.

Sie sollen zahlen, weil sie schwer kranken Patienten benötigte Medikamente verschrieben – und dabei ihr Arzneimittelbudget überschritten haben. Davon sind zwei Diabetologen aus dem Werra-Meißner-Kreis bedroht.

Gegen Regressforderungen wehren sich Dr. Maria Brückner aus Großalmerode und Michael Meixner aus Witzenhausen. Die Hausärzte sind zu Diabetologen und Schmerzmedizinern weitergebildet, ihre Praxen sind „diabetologische Schwerpunktpraxen“. Ihre schwerkranken Patienten benötigen oft teure Spezialmedikamente. Trotzdem dürfen die beiden Ärzte nur Medikamente im Budgetrahmen einer normalen Hausarztpraxis verschreiben. 

Spezialisierte Hausärzte würden durch die Einteilung von Ärzten in unspezifische Prüfgruppen stark benachteiligt, so Meixner. Da es nur zwei diabetologische Schwerpunktpraxen im Werra-Meißner-Kreis gibt und sich Diabetes zur Volkskrankheit entwickele, werde der Bedarf nach professioneller Behandlung immer größer – aber ihre Arzneimittelbudgets wachsen nicht mit.

Auch die unterschiedliche Lage in Stadt und Land würde beim aktuellen Abrechnungsverfahren nicht berücksichtigt. Chronisch kranken Patienten würden Hausärzte oft Facharztrezepte ausstellen. Brückner erläutert das am Beispiel eines Patienten mit Multipler Sklerose, der Medikamente für bis zu 10.000 Euro pro Jahr braucht – Brückners Budget sehe aber nur 130 Euro/Jahr für den Patienten vor, weil dieser noch jung sei. 

„Soll man wirklich den Patienten mit einem Transportschein nach Kassel zum Neurologen schicken, nur für ein neues Rezept?“ fragt Brückner. Dann gingen die Medikamente zwar auf das Budget des Kollegen. Die Kosten für das Gesundheitssystem wären aber höher – wegen des Transports und weil auch der Facharzt einen Patientenbesuch abrechnet. Die Last trügen schwerkranke Patienten, denen der Aufwand eigentlich nicht zuzumuten sei.

Regeln von Kassen und Kassenärztlicher Vereinigung

Die Budgetgrenzen werden von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und den Krankenkassen festgelegt – es gibt eine Prüfgruppe für Allgemeinmediziner, 33 für Fachärzte. Über die Einhaltung wacht die Prüfungsstelle der Ärzte und Krankenkassen in Hessen.

Die Höhe des Budgets einer Praxis richtet sich nach der Prüfgruppe, der Anzahl und dem Alter der Patienten. Rein rechnerisch sieht das Budget vor, dass Dr. Maria Brückner pro Quartal einem 20-Jährigen nur Medikamente für bis zu 32,20 Euro verschreibt, einem 80-Jährigen für bis zu 125,59 Euro.

Das sagt das Sozialgesetzbuch

Das Sozialgesetzbuch (SGB V) schreibt Regeln für Ärzte vor: „Qualität und Wirksamkeit der Leistungen haben dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen und den medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen.“ (§ 2) Aber: „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. 

Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.“ (§12) Das heißt: Behandlungen sollen zum Schutz des Gesundheitssystems so günstig wie medizinisch vertretbar sein.

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