Vom rauen Klima ins Tropenhaus

Die Kirgisin Nargiza Orozbekova absolviert ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr in Witzenhausen

Aus Kirgisistan in den Werra-Meißner-Kreis: Im Tropengewächshaus gehört das Wässern der exotischen Pflanzen (wie hier einer Aloe-Pflanze) zu den Aufgaben beim Freiwilligen Ökologischen Jahr von Nargiza Orozbekova.
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Aus Kirgisistan in den Werra-Meißner-Kreis: Im Tropengewächshaus gehört das Wässern der exotischen Pflanzen (wie hier einer Aloe-Pflanze) zu den Aufgaben beim Freiwilligen Ökologischen Jahr von Nargiza Orozbekova.

Das Tropengewächshaus der Universität Kassel in Witzenhausen ist bekannt für seine exotischen Pflanzen. Exotisch bezeichnen kann man sicher auch Nargiza Orozbekova aus Kirgisistan, die aktuell im Tropengewächshaus ihr Freiwilliges Ökologischen Jahr (FÖJ) absolviert.

Aktualisiert am 14. April, 18.15 Uhr

Witzenhausen – „Ich fühle mich unheimlich wohl in Deutschland“, sagt Nargiza Orozbekova, für die Witzenhausen bereits die zweite Station fernab ihrer zentralasiatischen Heimat ist. 2019 kam die heute 23-Jährige nach Kassel, wo sie für ein Jahr als Au-pair-Mädchen bei einer Familie lebte. „Mein Hauptziel war es damals, Deutsch zu lernen“, sagt sie. Und das ist ihr auch gelungen.

Dass es die junge Frau überhaupt nach Deutschland gezogen hat, lag an ihrer älteren Schwester. „Sie lebt seit zehn Jahren in Frankfurt und hat mir von Land und Leuten vorgeschwärmt“, erzählt sie. Sie selbst war als 14-Jährige zusammen mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder ins russische Kazan gezogen, wo sie die Hochschulreife erlangte. Weil in Kirgisistan jedoch der Rest ihrer Familie und auch viele alte Freunde leben, hält sie nach wie vor regen Kontakt mit ihrer alten Heimat.

„Ich mag die Menschen hier in Deutschland, sie sind alle so freundlich zu mir“, sagt Nargiza Orozbekova. Das sei einer der vielen Gründe, warum sie hier nach dem Au-pair-Jahr eine neue Möglichkeit gesucht habe, sich weiterzubilden. „Da ich mich sehr für Ökologie interessiere, ist das Tropengewächshaus hier in Witzenhausen der perfekte Ort für mich“, sagt sie.

Umso glücklicher sei sie natürlich gewesen, dass ihre Bewerbung um den begehrten FÖJ-Platz erfolgreich gewesen sei. Seit September vergangenen Jahres ist die 23-Jährige komplett in den Betrieb des Tropengewächshauses eingebunden.

„Ich mache eigentlich alles, was die Gärtner auch machen, vor allem helfe ich aber beim Pflegen der Pflanzen“, sagt sie. Zusätzlich betreut Nargiza Orozbekova auch noch den Instagram-Account des Tropengewächshauses. „Wir haben fast 1000 Follower und ich bin da sowohl für die Bilder als auch die Berichte zuständig“, sagt sie. Dass ein Großteil ihrer Zeit in Deutschland von der Corona-Pandemie überschattet ist, sei „ein bisschen schade“, aber eben nicht zu ändern.

„An meiner Arbeit hier gefällt mir alles, aber das Beste ist unser Team“, sagt die Kirgisin. „Die sind alle so nett, dass ich mich jeden Tag freue, hierher zu kommen.“ Weil sie bislang so viel Glück gehabt habe mit den Menschen in Deutschland kann sich Orozbekova auch gut vorstellen, hierzubleiben. „Ich würde gerne hier studieren – am liebsten irgendwo in Hessen, in der Nähe meiner Schwester“, sagt sie. Ob es dann in Richtung Ökologie, Pädagogik oder ganz woanders hingehe, stehe noch in den Sternen.

Zunächst einmal freut sich die 23-jährige Frau auf die nächsten Monate in Witzenhausen und im Tropengewächshaus. „Diese Zeit werde ich in vollen Zügen genießen“, sagt sie. (Per Schröter)

Raue Landschaft an der Seidenstraße

Kirgisistan (bis zur Unabhängigkeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 Kirgisien) ist ein von rauer Landschaft geprägtes Land in Zentralasien. Es ist mit 200 000 Quadratkilometern knapp halb so groß wie Deutschland und hat etwa 6,5 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Bischkek. Kirgisistan grenzt im Südosten an China, im Norden an Kasachstan, im Südwesten an Tadschikistan und im Nordwesten an Usbekistan. Es liegt an der Seidenstraße, der alten Handelsroute nach China. (per)

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