Der Einzelhandel leidet weiter

Die Rückkehr zu „Click und Collect“ bedeutet weitere finanzielle Verluste

Sabine Popp steht in ihrem Kinder-Second-Hand-Laden und hält ein Bobbycar in die Kamera
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Artikel für Kinder bis zu einem Jahr dürfen verkauft werden: Dafür trennt Sabine Popp den vorderen Bereich ihres Kinder Kleiderladens in Witzenhausen ab.

Seit Montag heißt es in Hessen wieder „Click und Collect“, wenn der Kunde etwas aus einem Einzelhandelsfachgeschäft benötigt. Shopping mit Terminvergabe war nur für rund 14 Tage erlaubt. Auch im Werra-Meißner-Kreis bleiben die Türen der Geschäfte für die Kundschaft geschlossen – nur das Abholen von bestellter Ware ist nach Absprache erlaubt.

Werra-Meißner – Wir wollten wissen, wie die Geschäftsleute mit den erneuten Einschränkungen umgehen.

Schuhhaus Amlung

Nach drei Monaten, in denen Kirsten Amlung-Knauf vom Schuhhaus Amlung in Bad Sooden-Allendorf ihr Geschäft nicht öffnen durfte, schien ihr das Click-und-Meet-Konzept als ein Lichtblick. Fehlende Umsätze machen der Geschäftsfrau das Leben schwer. Im ersten Lockdown hätte sie noch die versprochene Hilfe vom Staat erhalten, erzählt sie. Im zweiten Lockdown sei sie bisher leer ausgegangen. Seit Dezember wartet sie auf die versprochene Unterstützung für Einzelhändler. Das Click-und-Meet-Konzept habe in ihrem Geschäft gut funktioniert, erzählt sie. „Die Kunden haben sich gut darauf eingestellt, sie haben angerufen und einen Termin vereinbart, dann durften sie kommen und in Ruhe Schuhe anprobieren“, so Kirsten Amlung-Knauf.

Maximal zwei Kunden gleichzeitig hätten Zutritt zu dem zweistöckigen Schuhgeschäft gehabt, einer auf jeder Etage. Dass diese Möglichkeit jetzt wieder vorbei ist, macht der Geschäftsinhaberin zu schaffen: „Es ist eine Katastrophe“, sagt sie. In den drei Monaten, die das Geschäft bereits geschlossen war, hätte sie eigentlich das Geld verdienen müssen, um die längst georderte Frühlingskollektion zu bezahlen. Der Umsatz aber blieb aus, jetzt türmen sich im Lager die nicht verkauften Winterschuhe und die erst selten nachgefragten Sandalen und Flipflops.

Sport Matejcek

Ähnlich geht es Denny Matejcek, der das Sportfachgeschäft in Witzenhausen betreibt. Auch er hat noch keine Corona-Hilfe gesehen. Dafür aber einen Überschuss an Ware in seinem Lager, von der er teilweise noch nicht weiß, wie er sie bezahlen soll. „Ich musste ein Darlehen aufnehmen und das Geld wird schon wieder knapp“, sagt der Geschäftsmann.

„Ich weiß nicht, wie die Politik sich das vorstellt“, sagt er. Nicht nur, dass er seit Monaten nichts verdiene, durch seine Fixkosten müsste er monatlich noch Geld obendrauf legen. „Für alle Einzelhändler ist das ein ernst zu nehmendes Problem, es geht um Existenzen“, so Matejcek. „Click und Meet“ sei in seinem Geschäft nicht besser angenommen worden als das Konzept „Click und Collect“. „Die Menschen haben zurzeit einfach keinen Spaß am Einkaufen“, sagt er. Außerdem sei die Konkurrenz der Discounter ein großes Problem. Viele hätten ihr Angebot an Bekleidung, Elektronik oder Haushaltswaren seit dem Lockdown erweitert und machten es darum den Einzelhändler in den Städten noch schwerer, ihre Waren zu verkaufen.

Kinderkleiderladen

Nicht ganz, aber zumindest einen Teil ihres Kinderkleiderladens in Witzenhausen darf Sabine Popp öffnen. Sie hat den Lockdown genutzt und ist mit ihrem Geschäft von der Brücken- an die Ermschwerder Straße gezogen.

„Viele haben mich angesprochen, warum ich nicht öffne, da ich doch Babyartikel im Angebot habe“, erklärt Popp. Ihre Erkundigungen ergaben: Wenn sie mehr als 50 Prozent für Babys bis zum ersten Lebensjahr vorhält, darf sie öffnen. Und da sie genau diese Artikel bis zu den Kleidergrößen 80/86 im vorderen Bereich ihres Geschäfts vorhält, trennt sie den hinteren Teil mit einem Tisch ab und kann so Kundinnen mit Termin empfangen. „Ich bin also da“, sagt Popp.

Auch Bestellungen nimmt sie entgegen und gibt sie an der Ladentür heraus. (Wiebke Huck und Nicole Demmer)

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