Straßenmeistereien für den Winter gewappnet

Die Streusalzlager im Werra-Meißner-Kreis sind voll

Raumfahrzeug der Witzenhäuser Straßenmeisterei steht vor geöffneter Lagerhalle, in der ein Berg Streusalz zu sehen ist.
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Gut gerüstet: Wenn Frost und Schnee einsetzen, werden die Räumfahrzeuge der Witzenhäuser Straßenmeisterei an dieser Halle in der Bischhäuser Straße beladen.

5600 Tonnen Streusalz lagern in den Straßenmeistereien des Werra-Meißner-Kreises, in Witzenhausen, Meißner und Ringgau. „Die Lager sind komplett gefüllt“, sagt Hessen-Mobil-Sprecher Nico Beck.

Werra-Meißner – „Bei einem durchschnittlichen Verlauf reicht der Vorrat für den ganzen Winter.“ Bei einem sehr starken Winter müssten geringe Mengen nachgeordert werden. „Das wäre kein Problem, denn wir haben entsprechende Lieferverträge.“

Jede Straßenmeisterei im Kreis ist mit vier Winterdienstfahrzeugen ausgestattet, so Beck. Zwei Fahrzeuge von Fremdunternehmen kämen hinzu. Pro Schicht und Meisterei könnten so sechs Fahrzeuge auf rund 750 Straßenkilometern im Kreis eingesetzt werden, die von Hessen Mobil betreut würden.

Besonderes wichtig seien Steigungs- und Gefällestrecken mit viel Lastwagen und Linienbusverkehr, so der Hessen-Mobil-Sprecher. „In den Höhenlagen, zum Beispiel am Hohen Meißner und im Ringgau, ist der Schneefall häufig früher festzustellen als in Tälern und Städten wie Eschwege und Witzenhausen“, sagt er. „Wenige Höhenmeter machen oft den Unterschied.“ Straßen im Schatten, die oft durch Wälder führten, trockneten tagsüber nicht, daher könne sich nachts Glatteis bilden. „In Bereichen mit viel Nebel besteht wegen hoher Luftfeuchtigkeit die Gefahr von Reifglätte.“

„Das Personal reicht, um die Fahrzeuge der Meistereien zu besetzen“, so Beck. Zudem gebe es einen Einsatzleiter pro Schicht. „Täglich wird in zwei Schichten gearbeitet.“ Die Fremdunternehmer stellten eigenes Personal.

Doch ein Drittel des Streusalzes werde nicht von Straßenmeistereien, sondern von Privaten genutzt, gibt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) bekannt. Das Problem: Während Straßenmeistereien mit geringen Mengen mit effizienten, am Asphalt haftenden Salz-Sole-Gemischen arbeiten, nutzen Private oft reines Streusalz in großen Mengen.

Das Salz belastet Böden sowie Grund- und Oberflächenwasser, heißt es weiter. Zudem schadet es Pflanzen an Straßen und Gehwegen sowie Haustieren. Es beschädigt auch Fahrzeuge, Wegbeläge und Bauwerke vor allem aus Marmor, Ziegel-, Kalk- und Sandstein sowie Beton und Stahlbeton. Daher ist laut LLH in den meisten kommunalen Gehwegreinigungs- und Streupflichtsatzungen die Nutzung von Tausalzen bis auf Ausnahmen, zum Beispiel die Enteisung von Gefahrenstellen wie Treppen, verboten.

Eigentümer verantworten Gehwege

Die Haus- und Grundstückseigentümer sind in den meisten Fällen durch kommunale Satzungen dazu verpflichtet, die an ihre Objekte angrenzenden Gehwege von Eis und Schnee zu befreien. Das teilt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen mit.

Die Eigentümer können diese Aufgabe allerdings per Mietvertrag an Mieter weitergeben. So soll für eine sichere Begeh- und Befahrbarkeit von Gehwegen und Grundstückseinfahrten gesorgt werden.

Privat sollte Streusalz allerdings möglichst nur in Ausnahmesituationen genutzt werden, denn es schadet der Umwelt – auch im Werra-Meißner-Kreis. Das Salz enthält laut Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) mit Natrium und Chlorid zwei Spurenelemente, die Pflanzen zwar benötigen, aber nur in geringen Mengen.

Wenn die Pflanzen nahe der Straße in die Wurzeln gelangt, reagieren die Pflanzen oft mit kümmerlichem Wuchs. Im Frühjahr und Sommer zeigen sich dann braune und gekräuselte Zweigspitzen sowie abgestorbene Blattränder.

Diese Streuschäden können zum Beispiel mit Trockenschäden und Kaliummangel verwechselt werden. In trockenen Jahren sollten die Pflanzen gut gewässert werden, damit das Salz aus tieferen Bodenschichten gewaschen wird.

Als Alternative empfiehlt der LLH zum Beispiel salzfreie abstumpfende Streumittel, die das Eis nicht schmelzen, sondern die Griffigkeit erhöhen. Das seien unter anderem Gesteinssplitt, Quarzsand, sowie Lava- und Blähtongranulate. Dabei sollten Käufer auf Umweltsiegel wie den „Blauen Engel“ achten. Die Bezeichnung „RAL-ZU 13“ stehe für salzfreie, abstumpfende Streumittel.

Für empfindliche Oberflächen, zum Beispiel bei historischen Außenbereichen wie Treppen, ist Maisspindelgranulat besser geeignet, heißt es weiter in der LLH-Empfehlung. Dabei handelt es sich um einen Erntereststoff aus Maisspindeln, der weniger hart und scharfkantig ist, als die genannten Streusalzalternativen.

Ein weiterer Vorteil: Nach Gebrauch kann es auf Grünflächen gekehrt oder per Kompost entsorgt werden. Holzspäne und Sägemehl bringen allerdings keine ausreichende Abstumpfung.  (fab)

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