Kommunalwahl

Digital vs. analog? So werben die Parteien im Werra-Meißner-Kreis in Corona-Zeiten um Wählerstimmen

Wahlwerbung auf Aufstellern an der B 451 in Witzenhausen.
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Werben um Wählerstimmen: Neben Online-Angeboten setzen einige Parteien auch noch auf traditionelle Methoden – wie hier mit Aufstellern an der B 451 in Witzenhausen.

Mit der Maus am Bildschirm statt mit Infoständen auf dem Marktplatz - Die Parteien wollen aber nicht nur mit Online-Angeboten punkten. Sie setzen auf eine bestimmte Mischung.

Werra-Meißner – In Zeiten von sozialer Distanz und der Devise, am besten zuhause zu bleiben, ist an Wahlkampfstände in Fußgängerzonen und vor Supermärkten nicht zu denken. Ein neues Klimabewusstsein lässt viele in Plakatwerbung unnötige Müllproduktion sehen. Nicht nur Corona hat also viel verändert. Parteien müssen umdenken, um Wähler zu erreichen.

Richten sollen es die Sozialen Medien und Online-Angebote. Wir haben bei einigen Parteien und Wählergruppen nachgefragt, wie ihr Wahlkampf in der Pandemie aussieht.

Wahlkampf im Werra-Meißner-Kreis: Über das Internet

Die Online-Präsenz über eigene Internetseiten, Facebook und Instagram gewinnt an Bedeutung – auch der Austausch über Konferenzplattformen. „Digitale Veranstaltungen haben Vor- und Nachteile“, sagt Sigrid Erfurth, Spitzenkandidatin der Grünen für den Kreistag.

„Während für unsere Fraktions- und Vorstandsarbeit Videokonferenzen gut funktionieren, werden öffentliche digitale Veranstaltungsformate bislang leider noch nicht so gut angenommen wie vergleichbare analoge Formate.“

Das könnte am Alter liegen. „Generell besteht die Herausforderung in einem Wahlkampf immer darin, dass jede Generation der Wähler ein unterschiedliches Informationsbedürfnis vor der Wahl hat und verschiedene Kommunikationskanäle nutzt, um sich zu informieren“, sagt Dr. Martin Schörner, Geschäftsführer der Kreis-CDU.

Claus Wenzel, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, sieht noch ein weiteres Problem: „Manche Bürger haben noch technische Hemmungen oder Schwierigkeiten, an den Videokonferenzen teilzunehmen.“

Wahlkampf im Werra-Meißner-Kreis: Mit gedrucktem Werbematerial

Der Großteil der Parteien bekomme auf die Online-Angebote überwiegend positive Resonanz, wie nicht nur Spitzenkandidat Erhard Niklass von der FDP für den Kreistag bestätigt, sondern auch viele Ortsgruppen der Parteien und Wählergruppen.

Dennoch setzen sie alle im derzeitigen Wahlkampf auch noch immer auf traditionelles Werbematerial wie Flyer und andere Printerzeugnisse – beispielsweise als Postwurfsendungen.

Wahlkampf im Werra-Meißner-Kreis: Mit Plakaten

Beispielsweise FDP und Linke in Witzenhausen, die Bad Sooden-Allendorfer SPD und Grünen sowie die Grünen in Neu-Eichenberg und Miteinander für Neu-Eichenberg haben sich für Wahlplakate entschieden.

Bewusst gegen das Plakatieren spricht sich auch die Neu-Eichenberger SPD aus, ebenso wie die Bunte Liste und die CDU in Witzenhausen, die das „aus ökologischen Gründen“ entschieden hat. Auch die Bad Sooden-Allendorfer CDU verzichtet – im Gegensatz zu ihrem Bürgermeisterkandidaten – auf Wahlwerbebilder, weil ihr „Stadt und Natur wichtig“ seien.

„Die Plakatschwämme in Städten und Gemeinden ist ein Ärgernis“, sagt Bernhard Gassmann von der Kreistagsfraktion der Linken. „Wir haben uns in diesem Bereich arg zurückgehalten.“ Die Grünen in Witzenhausen haben als Kompromiss nachhaltige Wahlständer genutzt.

Wahlkampf im Werra-Meißner-Kreis: Ohne Veranstaltungen

Weil Zusammenkünfte nicht möglich sind, verzichten Parteien und Wählergruppen beispielsweise auf Wahlkampfveranstaltungen und Infostände. Der Großteil sah schon vorzeitig davon ab – auch im Falle von Lockerungen beim Lockdown.

Einige schlossen solche Aktionen jedoch auch nicht aus. „Wenn möglich, werden alle Möglichkeiten wahrgenommen“, sagt Friedrich Andreae von der Kreistags-AfD. Einigkeit herrscht bei den meisten aber darüber, dass die Gesundheit der Bevölkerung nicht riskiert werden dürfe.

Im Wahlkampf dreht sich aber nicht alles nur um die Pandemie. „Die Schwierigkeit ist das Interesse der Menschen an Politik und damit der Demokratie“, sagt Knut John, Kreisvorsitzender der SPD. Demokratie sei nicht selbstverständlich. „Politik muss das Leben immer ein bisschen besser machen, hat Willy Brandt einmal gesagt. Da hat er Recht.“ (Sarah Schnieder)

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