So geht Erste Hilfe in Zeiten von Corona

DRK nimmt in Witzenhausen Kursbetrieb wieder auf - mit begrenzter Teilnehmerzahl

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Auch wenn der Unterrichtsraum beim DRK in Witzenhausen zurzeit noch verwaist ist, freut sich Erste-Hilfe-Ausbilder Uwe Bernhardt schon darauf, im Juni wieder die ersten Kurse anbieten zu können. 

Wer in den vergangenen Wochen aus beruflichen Gründen oder wegen einer anstehenden Führerscheinprüfung einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren wollte, der schaute in die Röhre. Wegen der Corona-Pandemie hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) genau wie alle anderen Anbieter sämtliche Kurse gestrichen. Im Juni soll der Kursbetrieb aber wieder aufgenommen werden.

„Einen genauen Termin wissen wir noch nicht“, sagt Uwe Bernhardt, Erste-Hilfe-Ausbilder beim DRK in Witzenhausen. Fest stehe jedoch, dass die Kurse zunächst einmal in „deutlich abgespeckter Form“ stattfinden werden. „Unser Kursraum hier ist 50 Quadratmeter groß und wegen der aktuellen Abstandsregelung, die natürlich auch für solche Veranstaltungen gilt, werden wir die Teilnehmerzahl auf fünf bis acht beschränken müssen“, so Bernhardt. Da die übliche Kursgröße bei zwölf bis 15 Teilnehmern liege, sei das schon eine ziemliche Beschränkung. Doch auch beim Kursinhalt selbst werde man umdenken müssen. „Erste Hilfe ist mit Nähe verbunden“, sagt Uwe Bernhardt. Normalerweise würden sich die Teilnehmer beispielsweise gegenseitig Verbände anlegen. „Darauf müssen wir erstmal verzichten“, so der Ausbilder. Was das Lernen von Reanimationstechniken an der Puppe angehe, werde es allerdings keine Einschränkungen geben. „Da haben wir ja die Möglichkeit, die Puppe immer wieder zu desinfizieren“, so Bernhardt.

Auch wenn bald wieder die Möglichkeit besteht, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen und für die meisten Menschen Helfen im Notfall auch eine Selbstverständlichkeit ist, sind viele durch die Corona-Pandemie verunsichert. „Auch jetzt gilt aber, dass im Maße der Zumutbarkeit und ohne erhebliche eigene Gefahr Hilfe geleistet werden muss“, betont Uwe Bernhardt. Die gesetzliche Pflicht zur Ersten Hilfe bestehe auch trotz des Risikos einer Ansteckung. „Jedoch gibt es in der aktuellen Situation einige Besonderheiten“, so der Erste-Hilfe-Ausbilder.

„An erster Stelle steht immer die eigene Sicherheit, gerade jetzt, da mit der Ansteckungsgefahr ein zusätzliches Risiko besteht“, sagt Bernhardt. Wenn möglich, sollte der Mindestabstand von 1,50 Meter gewahrt werden, wobei dies im Ermessen der helfenden Person liege. „Wenn näherer Kontakt notwendig ist wie etwa bei Verletzungen, sollten Mund und Nase der hilfebedürftigen Person mit einem Tuch abgedeckt und auch das eigene Gesicht geschützt werden“, rät er. Unabhängig von der Distanz sei es auch eine wesentliche Erste Hilfe, wenn immer möglich den Notruf 112 anzurufen und mit dem Betroffenen zu kommunizieren. „Beruhigen, darüber informieren, dass Hilfe unterwegs ist und so lange bleiben, bis der Rettungsdienst vor Ort ist“, sagt Bernhardt. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sollte in der aktuellen Situation auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichtet und nur die Herzdruckmassage durchgeführt werden. „100-120 Mal pro Minute, und zwar so lange, bis der Rettungsdienst übernimmt“, betont er. Wichtig sei auch, den Einsatzkräften die eigenen Kontaktdaten zu geben, um erreichbar zu sein für den Fall, dass bei der betroffenen Person nachträglich eine infektiöse Erkrankung festgestellt wird. Wer all das beachte, könne trotz des zusätzlichen Risikos relativ gefahrlos anderen Menschen helfen und gegebenenfalls sogar Leben retten.

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