Geschäftsführung verweist auf bestehende Verträge

DRK-Schule Hessisch Lichtenau: Delegierte beschließen Stopp für Verlagerung

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Sie erinnerten an die Werte des Roten Kreuzes: Diese Auszubildenden haben gerade ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter begonnen – sie möchten das an der Rettungsdienstschule in Hessisch Lichtenau tun und wehren sich gegen eine Verlegung nach Kassel. Daher demonstrierten sie vor der außerordentlichen Sitzung.

Die Delegierten des DRK-Kreisverbands Witzenhausen machen ernst mit ihrem Versuch, die Ausbildung der Notfallsanitäter an der Rettungsdienstschule Hessisch Lichtenau zu halten. Ob es klappt, ist aber offen.

Bei einer außerordentlichen Kreisversammlung wiesen die Delegierten den geschäftsführenden Vorstand per Beschluss an, die eingeleitete Verlagerung nach Kassel rückgängig zu machen.

Zwar ist laut der Satzung die Kreisversammlung das oberste Gremium im DRK-Kreisverband und kann solche Anordnungen machen. Wie Vize-Vorsitzender Wolfgang Fischer und die DRK-Kreisgeschäftsführung um Erich Reiser und Theresa Sasse aber berichten, haben die Rettungsdienst-GmbHs Werra-Meißner und Eschwege in Erwartung der Verlagerung zum 1. September mittlerweile ihre Kooperationsverträge mit der Lichtenauer Schule gekündigt und neue Verträge mit der DRK-Rettungsdienstschule in Kassel geschlossen. Auch die Verträge mit den Kliniken, in denen die Auszubildenden Praktika machen sollen, seien auf die Kasseler Schule übergegangen. Zudem lägen dem Regierungspräsidium Darmstadt, das die Verlagerung der Ausbildung genehmigen müsste, nun alle nötigen Unterlagen vor. Dass so viele Tatsachen geschaffen worden sind, sei den Delegierten bei der Versammlung so deutlich indes nicht mitgeteilt worden, sagt ihr Sprecher Wolfgang Frühauf auf Anfrage. Man sei nur auf mögliche wirtschaftliche Folgen hingewiesen worden.

Laut Fischer, Reiser und Sasse sollen nun Anwälte des DRK-Landesverbands zwei Dinge prüfen – ob die bei der Kreisversammlung getroffenen Beschlüsse so rechtens sind und was für den Kreisverband Witzenhausen bindender ist: Das Votum der Kreisversammlung oder die Verträge, die die Geschäftsführung und die Vorstandsspitze als Teil des operativen Geschäfts geschlossen haben. „Das hat grundlegende Bedeutung, nicht nur für Witzenhausen, sondern auch auf Landes- und Bundesebene“, sagt Reiser. Es müsse grundsätzlich geklärt werden, welche Entscheidungen von einer hauptamtlichen Geschäftsführung eigentlich ohne Einbeziehung der ehrenamtlichen Mitglieder getroffen werden dürfen.

Vorstand: Personalmangel ist eklatant

An der DRK-Rettungsdienstschule Hessisch Lichtenau werden seit 2015 Notfallsanitäter (NotSan) ausgebildet. Da zwei Mitarbeiter kündigten und sich niemand auf die Stellen bewarb, wollen Vorstandsspitze und Geschäftsführung des DRK-Kreisverbands die NotSan-Ausbildung nach Kassel verlegen. Einen Einsatz von Honorarkräften, wie ihn das RP vorschlug, lehne man ab, da diese anders als eigene Mitarbeiter nicht weisungsgebunden seien, so Kreisgeschäftsführer Erich Reiser.

Auszubildende demonstrieren für Schule

Am Rande der außerordentlichen DRK-Kreisversammlung protestierten Notfallsanitäter-Auszubildende gegen die vom Vorstand geplante Verlegung ihrer Ausbildungsstätte von Hessisch Lichtenau nach Kassel. 

„Wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir uns erst gar nicht um eine Ausbildungsstelle beworben“, sagte ein Sprecher, der aus Angst um seinen Arbeitsplatz namentlich nicht genannt werden wollte. Was die Azubis besonders aufrege, sei die Tatsache, dass man von dem Vorhaben nicht in persönlichen Gesprächen informiert worden sei, sondern aus sozialen Medien davon erfahren habe. 

„Und dann wurden wir auch noch angewiesen, uns die Schule in Waldau anzusehen, obwohl für diesen Tag ein wichtiger Teil unserer Ausbildung angesetzt war“, so der Sprecher. „Wir alle wollten in Hessisch Lichtenau unsere schulische Ausbildung machen, weil es dort sehr familiär zugeht und man dennoch das gute Gefühl hat, dort richtig viel zu lernen.“ 

Die Schule in Waldau sei zwar neuer und technisch sicher besser ausgestattet. „Aber dort ist alles viel steriler – eben wie in einer richtigen Schule“, so der Auszubildende, der wie alle anderen Anwesenden noch im ersten Lehrjahr ist. Auch die zusätzliche Fahrerei stelle für die Betroffenen ein Problem dar. „Viele von uns sind extra in den Werra-Meißner-Kreis gezogen, um kurze Wege zur Schule nach Heli zu haben“, meinte der Sprecher. Sollte der Plan tatsächlich umgesetzt werden, dann würden als Konsequenz gleich mehrere Betroffene ihre Ausbildung abbrechen – darunter auch welche aus dem zweiten und dritten Lehrjahr.

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