Sie haben die Not gesehen und gehandelt 

Ehrenamtliche führten fünf Jahre lang die Awo-Kleiderstube in Witzenhausen

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Zum Dank gab’s weiße Rosen: Pfarrer Martin Hoch huth (vorne, von links), Hafize Topar, Helga Driesing, Heidemarie Hein, Gisela Wiegel und Bärbel Kroll, sowie Bettina Maier (hinten von links) Karin Linnenkohl, Katja Eggert, Zara Kanaani, Karin Bayer, Heike Klaehn und Pfarrerin Kerstin Ortmann trafen sich, um gemeinsam auf fünf Jahre Kleiderstube zurückzublicken.

In der Awo Kleiderstube gab es fünf Jahre lang nicht nur Hilfe für Flüchtlinge in Form von Hosen und Hemden, sondern auch Sprachunterricht, Kinderbetreuung und immer ein offenes Ohr. Für dieses Engagement bedankten sich jetzt Katja Eggert und Zara Kannani im Namen der Stadt bei den ehrenamtlichen Helferinnen, die dafür gesorgt haben, dass die Kleiderstube lief.

Im Februar 2015 wurde sie in Witzenhausen eingerichtet. Im vergangenen Jahr wieder geschlossen, der Bedarf war deutlich zurückgegangen. Vielen hundert Menschen konnte das Team in dieser Zeit helfen.

Die Idee stammte von Martin Hochhuth, Pfarrer im Ruhestand. Bei einem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft begegneten ihm auf dem Hof spielende Mädchen und Jungen. Es war kalt, aber Mütze und Schal hatte keines der Kinder. Kurzerhand ging Martin Hochhuth einkaufen und kam mit warmen Wintersachen zurück. Schnell kamen mehr Kinder zu ihm, denen es auch an warmer Kleidung fehlte. Auch die erwachsenen Flüchtlinge brauchten dringend wintertaugliche Garderobe, stellte der Pfarrer fest.

Damit brachte er den Stein für die Awo-Kleiderstube ins Rollen. Bärbel Kroll, Heidemarie Hein, Heike Klaehn, Bärbel Länge, Karin Bayer und Waltraut Freienstein waren die ersten ehrenamtlich Engagierten, die zunächst bei Freunden und innerhalb der eigenen Familien um Kleiderspenden baten. Bald darauf starteten sie auch einen öffentlichen Spendenaufruf.

„Zu Beginn stand uns nur ein kleiner Raum zur Verfügung. Wir hatten kaum Platz, um die Kleidung zu lagern“, erinnert sich Bärbel Kroll. So gestaltete sich auch die Ausgabe der Kleidung schwierig. Im Januar 2016 konnte die Kleiderstube in größere Räume im selben Haus umziehen. Zum ersten Mal gab es Regale, in denen die angebotene Ware nach Frauen- und Herrenbekleidung sortiert angeboten werden konnte. Es gab eine eigene Abteilung für Kinder und Jugendliche sowie einen Raum für Babybekleidung und Zubehör, Spielsachen und ein großes Schuhregal. Auch eine Umkleidekabine wurde eingerichtet.

„Anfänglich haben wir die Kleidung gratis ausgegeben, aber dadurch wurde oft mitgenommen, was später doch nicht passte und das landete dann im Müll“, erinnert sich Bärbel Kroll. Um dem entgegenzuwirken, wurden kleine Preise eingeführt. Kleidungsstücke kosteten 50 Cent, ein Kinderwagen einen Euro.

Gemeinsam erinnerten sich die ehrenamtlichen Helferinnen am Montag an die vielen netten Begegnungen in der Kleiderstube: an Kinder, die zum Spielen vorbei kamen und Erwachsene, die jede Chance auf einen kleinen Plausch mit den Damen nutzten, um so ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

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