Pfarrkirche erhielt mehrere An- und Umbauten

Die Kirche im Dorf lassen: Ein Sturm ließ einst den Turm in Unterrieden umstürzen

Stückwerk: Die ältesten Teile der Pfarrkirche in Unterrieden stammen aus dem 14. Jahrhundert, der Turm ist neugotisch aus dem 19. Jahrhundert und der Chor-Bereich wurde 1955 angebaut.
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Stückwerk: Die ältesten Teile der Pfarrkirche in Unterrieden stammen aus dem 14. Jahrhundert, der Turm ist neugotisch aus dem 19. Jahrhundert und der Chor-Bereich wurde 1955 angebaut.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat mindestens eine Geschichte zu erzählen. Heute: Die Pfarrkirche Unterrieden.

Unterrieden – Die Anfänge der Kirche in Unterrieden liegen etwas im Dunkeln, deshalb muss man die Indizien zusammensetzen: 1276 wurde erstmals schriftlich erwähnt, dass es im Ort einen „Plebanus“, einen Welt- oder Leutpriester, gegeben hat, wie die Ortschronik von 2006 festhält.

Die örtliche Pfarrkirche muss anfangs zum Erzbistums Mainz gehört haben, denn sie war den Heiligen Cyriakus und Martin geweiht –Martin war der Hauptpatron des Erzbistums Mainz. Die ältesten erhaltenen Teile des Mauerwerks liegen an der Südwand: Es handelt sich um Bruchsteinmauerwerk, das in der Hessischen Denkmaltopografie auf das 14. Jahrhundert datiert wird. Der Grundriss ist der eines einfachen rechteckigen Saals. Für 1440 ist die Existenz eines Kirchhofs erwähnt, also eines eingefriedeten Bereichs um die Kirche oder eines Friedhofs.

Aus dem 15. Jahrhundert ist auch noch ein verzierter Opferstock aus Sandstein erhalten, der heute im Eingang steht. Vor 1489 muss die Kirche dann jedoch irgendwie Schaden genommen haben, denn in diesem Jahr rief das zuständige Archidiakonat in Heiligenstadt dazu auf, die zerstörte Pfarrkirche in Unterrieden wiederherzustellen. Ungefähr zu dieser Zeit erhielt das Wilhelmitenkloster in Witzenhausen das Patronat über die Pfarrkirche, welches es bis 1527 innehatte.

Schwere Schäden an der Kirche nach der Reformation

Mit der Reformation ging das Patronat an den Hessischen Landgrafen über, die Pfarrstelle gehörte nun zur Stadtkirche in Witzenhausen. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Kirche in Unterrieden 1633 geplündert und die beiden Glocken geraubt, ein Jahr später fiel der Kirchturm durch einen Sturm um. Erst 17 Jahre später wurden Kirche und Turm im Jahr 1650 wieder aufgebaut.

Sorge um die Einrichtung: Der Holzwurm setzt den Kirchenbänken im Innenraum zu.

Der heutige Kirchturm ist allerdings jüngeren Datums, ebenfalls das Dach mit seiner neugotischen, sitzbogigen Brettertonne. Er stammt aus den Jahren 1886 bis 1888, als das offenbar baufällige Gebäude größeren Reparaturen und Umbauten unterzogen wurde. Pfarrer Reinhard Stolzenbach beklagte damals, die Kirche sei zu eng, zu klein und hätte eigentlich ganz abgerissen und neu erbaut gehört.

1918 musste die Kirche wieder einmal eine Glocke hergeben, deren Metall für Kriegszwecke im Ersten Weltkrieg gebraucht wurde. Aber schon 1925 wurde sie durch eine neue, 350 Kilogramm schwere Bronzeglocke ersetzt. Um das Platzproblem zu lösen, wurde 1955 schließlich ein neuer Chor an die Kirche angebaut und 1962 mit Bildern aus dem Alten und Neuen Testament im modernen Stil ausgemalt. Direkt hinter dem Altar zeigt es Christus als Weltenherrscher. 1995 wurde der Kirchturm mit Schieferplatten eingedeckt.

Pfarrkirche Unterrieden: Die Bemalung im Chorraum von 1962 zeigt Motive aus dem Alten und neuen Testament. Hier: Das Abendmahl.

Heute kämpft Gemeinde mit dem Holzwurm in den Bänken

Heute sind es die die Feuchtigkeit und der Holzwurm, die der Kirche zu Schaffen machen. „Sobald Veranstaltungen wieder möglich sind“, sagt Pfarrerin Jennifer Keomanee, „wollen wir mit Konzerten wie ‚Rock den Holzwurm’ Spenden sammeln, um die Bänke zu sanieren.“ Auch eine neue Heizung wünschen sich die Gemeindemitglieder, wie Christa Stein und Birgit Schmädeke vom Kirchenvorstand erzählen: „Es gibt bei der Heizung nur zwei Einstellungen: Ganz oder gar nicht. Und innen bröckelt überall der Putz.“

Pfarrerin Jennifer Keomanee am Altar, der im modernen, angebauten Chor steht .

Die Pfarrerin freut sich über die äußerst aktive Gemeinde. So sei der Seniorenkreis zum regelmäßigen Treffpunkt für alle Älteren geworden. Alle vier Wochen treffen sich diese zum Schnuddeln, Spielen und Kaffee-Trinken. Der Singkreis besteht seit 1993 und trifft sich zweiwöchig. Zudem ist die Kirche am Radweg im Sommer täglich geöffnet. Neben den Holzwürmern gibt es noch andere tierische Mitbewohner, die allerdings lieber gesehen sind: Turmfalken und Schwalben besiedeln Turm und Mauerwerk. (Kristin Weber)

Weitere Kirchengeschichten können Sie schon aus folgenden Orten lesen: Sooden, Dudenrode, Hilgershausen, Kammerbach, Weißenbach und Orferode.

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