Bildungseinrichtung kann praxisorientierte Kurse nicht online anbieten

Wegen Corona: Deula in Witzenhausen bricht ein Viertel des Umsatzes weg

Deula-Geschäftsführer Henry Thiele in der Mensa der Bildungseinrichtung.
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Gegessen wird an Einzeltischen: Deula-Geschäftsführer Henry Thiele in der Mensa der Bildungseinrichtung.

„Grottenschlecht“ ist das Ergebnis ausgefallen, das die Deula in Witzenhausen im Corona-Jahr 2020 erwirtschaftet hat. Das berichtet Henry Thiele, der Geschäftsführer des 1953 gegründeten Bildungszentrums für angewandte Technik. Der Umsatz brach im Vergleich zu 2019 um 25 Prozent ein.

Witzenhausen – „Der Umgang mit landwirtschaftlicher Technik, das Fahren eines Baggers oder Staplers lässt sich nur vor Ort erlernen“, sagt Thiele. So kann die Deula mit ihrem Kursangebot nicht online gehen. Die Witzenhäuser müssen in ihrem Zentrum Am Sande 20 auf Hygienekonzepte setzen.

In der Mensa schützen zum Beispiel Plexiglasscheiben die Mitarbeiter. Teilnehmer erhalten für die Zeit ihres Lehrgangs feste Sitzplätze zugewiesen. Die Tabletts müssen sie nach dem Essen auf dem Tisch stehen lassen. Strenge Auflagen gelten auch während des Unterrichts in der Werkhalle.

Seit Januar bietet die Deula, die in ihrem Seminarhotel 88 Personen in Doppelzimmern unterbringen kann, Schülern gegen Aufpreis Einzelzimmer an. Die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Hotel Stadt Witzenhausen macht das möglich.

Während des ersten Lockdowns fand bei der Deula zehn Wochen lang kein überbetrieblicher Unterricht für Auszubildende, die Garten- und Landschaftsbauer, Gärtner oder Landwirte statt. „Mit ihm erwirtschaften wir in normalen Jahren knapp zwei Drittel unseres Umsatzes von 1,6 Millionen Euro“, berichtet Thiele. Entsprechend hart traf die Bildungseinrichtung die Zeit ohne jegliche Einnahmen. Die Kosten liefen weiter. 30 000 Euro Soforthilfe erhielt das Zentrum damals. Seit Mai findet der Unterricht unter Corona-Auflagen wieder statt. Daran hat auch der zweite Lockdown im November bisher nichts geändert.

„Komplett versiegt sind uns dagegen seit vergangenem März unsere anderen Einnahmequellen“, sagt Thiele. So bietet die Deula Fort- und Weiterbildungen an, schult Arbeitssuchende im Auftrag von Arbeitsagentur und Jobcenter. Firmen mieten Räumlichkeiten an, um dort selbst Schulungen durchzuführen. Schließlich lassen sich im Zentrum Familienfeiern durchführen. Einnahmen in sechsstelliger Höhe gingen der Deula so verloren. „Das tut weh“, kommentiert der Geschäftsführer.

„Damit wir liquide bleiben, hat uns unsere Hausbank einen Betriebsmittelkredit über 100 000 Euro bewilligt“, führt Thiele aus. Nicht erwirtschaften konnten die 30 festangestellten Mitarbeiter der Deula im vergangenen Jahr das Geld für Ersatzinvestitionen in das Gebäude und die Maschinen. Das wirkt sich erst in einigen Jahren aus. Verständnis erfährt das Unternehmen von seinen Gesellschaften. Zu ihnen zählen unter anderem verschiedene Berufsverbände, das Institut für Tropischen und Subtropischen Landbau sowie die Stadt Witzenhausen.

„Ernst wird es, wenn der überbetriebliche Unterricht erneut gestoppt würde“, warnt der Geschäftsführer. Dann werde die Deula nur mit staatlicher Hilfe überleben. (mic)

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