Serie: Die Kirche im Dorf lassen (17)

Die Kirche von Uengsterode bekommt eine neue Elektrik

Kirche von Uengsterode
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Kirche mit Wehrturm: Der älteste Teil der Kirche von Uengsterode stammt aus dem Jahr 1500, der wehrhafte Turm. Das Kirchenschiff wurde 1687 errichtet, bzw. erneuert, und der Chor 1906 angebaut.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute: die Kirche in Hollstein.

1322 wurde Uengsterode erstmals erwähnt, als Hermann von Felsberg das Gericht des Dorfes von Landgraf Otto als Burglehen erhielt. Damals wurde der Ort noch als „Hungecerade“ oder „Hungesterade“ bezeichnet. Die Anfänge der Kirche werden aber erst auf um 1500 datiert. Das wuchtig wirkende Gebäude mit rechteckigem Saal und flacher Decke liegt weit oben am Hang und überragt das Dorf. Der älteste Teil der Kirche ist der spätgotische Turm mit seinem Kreuzrippengewölbe. Seine kleinen Fenster und die dicken Mauern deuten darauf hin, dass er eine wehrhafte Funktion hatte, also auch als Rückzugsort dienen konnte. Der Taufstein könnte ebenfalls noch vor der Reformation gefertigt worden sein, 1503 etwa, ein sorgfältig gearbeiteter achteckiger Stein, der mehrere Wappen zeigt, darunter das von Bodenhausen und das von Hanstein.

Die Rosette im Chorraum zeigt ein Glasgemälde des Günstlers Jacobus Klonk von 1975.

Patronat von Bodenhausen

Nach dem Konfessionswechsel war als erster evangelischer Pfarrer Johannes Lepper ungefähr zwischen 1558-1596 hier tätig. 1585 erhielt die Familie von Bodenhausen das Lehen über das Dorf sowie das Patronat über die Kirche und gründete 1604 auch ein Hospiz. 40 Haushalte gab es damals im Dorf. Aus dieser Zeit stammt die Kanzel von 1605, die ebenfalls die Wappen von Bodenhausen und Hanstein zeigt. Die Familie veranlasste 1687 schließlich, nach dem 30-jährigen Krieg, einen Wiederaufbau bzw. eine Erneuerung des Kirchenschiffs, wahrscheinlich auf den älteren Grundmauern. Eine Inschriftentafel über dem Eingang erzählt, dass damals Landgraf Karl regierte, und dass Friedrich Wagner Baumeister der Kirche war.

Die Kanzel von 1605 sitzt auf einem barocken Sockel von 1687, der zum Wiederaufbau der Kirche errichtet wurde.

Nun wurde die ältere Kanzel auf einen neugestalteten Sockel gesetzt, der mit dem Brustbild einer Person und einem kleinen Löwenkopf verziert ist. Der Eingang zur Kirche befindet sich in der Nordwand, ein spitzbogiges Portal mit gekehltem Gewände, das Birnstab genannt wird. Neben dem Eingang steht der steinerne Opferstock von 1700, der ebenfalls eine kleine Fratze ähnlich eines Löwenkopfs zeigt. Der letzte Anbau an die Kirche kam 1906 hinzu, der den Altarraum verlängert, ein Chor mit einem Tonnengewölbe und der Sakristei.

Glockenstuhl 2009 erneuert

Kunst: Pfarrer Armin Scheerschmidt zeigt Kelche und Brotschale.

Die Wetterfahre auf dem Dach mit der Welchen Haube trug einst die Jahreszahl 1704. Doch heute steht dort 2009, denn im Zuge der Dorferneuerung wurde die Südseite der Kirche trockengelegt und der Glockenstuhl erneuert und wieder mit schiefer eingedeckt. Aber auch im Augenblick ist die Kirche eine Baustelle, sodass der Gottesdienst seit einem Jahr im Dorfgemeinschaftshaus stattfinden muss. Gerade werden die elektrischen Leitungen von einer Forma aus der Region erneuert. „Allerdings haben wir nicht genügend Geld“, sagt Pfarrer Armin Scheerschmidt. „Deshalb kann die Verkabelung anschließend nicht verputzt werden.“

Der Pfarrer weist auf eine weitere Besonderheit der Kirche hin. 1975 wurde in die Wand des Choranbaus ein Rosettenfenster eingelassen und von dem Glas-Künstler Jacobus Klonk mit buntem Glas versehen. Im Kirchenschiff habe es früher auch Emporen an den langen Seiten gegeben, die das innere aber sehr Dunkel gemacht hätten, und so wurden sie wieder entfernt. Die schätzungsweise 200 Jahre alten Kirchenbänke wurden jüngst gegen den Holzwurm behandelt, abgeschliffen und neu Lackiert - so leuchten sie wieder im traditionellen Grün.

Von Kristin Weber

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