Baum- und Strauchschnitt soll gesammelt und verarbeitet werden

Projekt Holzige Biomasse im Werra-Meißner-Kreis verzögert sich

Auf dem Gelände der Stadtgärtnerei von Bad Sooden-Allendorf häufen sich die Holzschnitzel
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Heizmaterial: Auf dem Gelände der Stadtgärtnerei von Bad Sooden-Allendorf wird Strauch- und Baumschnitt nicht nur gesammelt, sondern auch zu Holzschnitzeln verarbeitet.

Seit bald zehn Jahren wird an dem Modellprojekt „Holzige Biomasse“ im Werra-Meißner-Kreis gebastelt. Vor einem Jahr konnten die Bürger erstmals kostenlos angefallenen Baum- und Strauchschnitt, sogenanntes holziges Grüngut, an Sammelstellen abgeben. Auch im Oktober werden wieder Termine für das Anliefern des Biogutes angeboten – aber noch nicht überall.

Werra-Meißner – Ende August läuft die Förderung durch das Land Hessen aus. Danach soll es, wie Kreisumweltdezernent Dr. Rainer Wallmann (Grüne) mitteilen lässt, „in eine Verstetigung überführt werden“.

Dass sich die Umsetzung des Projekts so lange hinzieht, hängt laut Wallmann mit den rechtlichen Vorgaben zusammen, die für die Einrichtung der Sammel- und Aufbereitungsplätze zu erfüllen sind. Coronabedingt hätten die dafür erforderlichen Gremienbeteiligungen in den vergangenen 18 Monaten zum Teil „nur stark verzögert stattfinden“ können. Bei der Suche eines Platzes habe die naturschutzfachliche und -rechtliche Bewertung des Standortes eine entscheidende Bedeutung – neben den bauplanungsrechtlichen Vorgaben.

Immerhin: 11 der 13 Städte und Gemeinden, die als Mitglieder des Abfallzweckverbandes (AZV) Werra-Meißner zur Teilnahme an dem Projekt verpflichtet sind, beteiligten sich schon an der Frühjahrs- und Herbstsammlung. An der bevorstehenden nächsten Sammlung beteiligten sich laut Wallmamm voraussichtlich zwölf Kommunen. Darüber hinaus finden wohl auch wieder parallele Sammlungen in Witzenhausen und Eschwege, die nicht dem AZV angehören, statt.

In der Gemeinde Meinhard jedoch befindet sich das Modellprojekt weiterhin in der politischen Abstimmung. Der ursprünglich vorgesehene Platz stellte sich laut Landkreis als nicht umsetzbar heraus. Aktuell werde ein neuer Ort für die Aufbereitung gesucht. Nachdem der alte Ortsbeirat den Standort für den Grünsammelplatz abgelehnt hatte, will Bürgermeister Gerhold Brill demnächst einen neuen Vorstoß beim neu gewählten Ortsbeirat unternehmen. Gibt es Grünes Licht, werde der weitere Gremienweg beschritten.

Als Hessisch Lichtenau 2016 dem Projekt Holzige Biomasse beigetreten ist, hat Bürgermeister Michael Heußner zwei Dinge vermisst: Zum einen war für die Lossestadt kein Sammelplatz vorgesehen, zum anderen war nicht angedacht, dass die energetische Verwertung des Materials in und zugunsten des Werra-Meißner-Kreises geschieht.

Daher freut es den Bürgermeister umso mehr, dass es inzwischen zu einem Umdenken gekommen sei, Hessisch Lichtenau nun mit einem Sammelplatz vorgesehen ist und außerdem versucht werde, die Verwertung vor Ort auf den Weg zu bringen. Denn in seiner Zeit bei der Umweltpolizei hat sich Heußner bereits im Jahr 2002 mit der Reduzierung von Kohlendioxid befasst und dabei ermittelt, dass eine Verwertung der jährlich im Werra-Meißner-Kreis anfallenden Menge an Baum- und Strauchschnitt einem Gleichwert von zwei Millionen Liter Heizöl entspricht.

Damit die Verwertung effizient sei, seien im Kreis größere Dimensionen nötig, meint Heußner. Beispielsweise kann er sich gut ein Nahwärmenetz für Eschwege vorstellen, mit dem unter anderem Hallenbad und Krankenhaus versorgt würden. Dies funktioniere aber nur in Zusammenarbeit mit den Kommunen. Die Orthopädische Klinik in Hessisch Lichtenau habe beispielsweise auch schon umgestellt und erzeuge neben Wärme auch Strom selbst. „Das geht aber nur, wenn über das gesamte Jahr ein Bedarf vorhanden ist.“

Die an den Verarbeitungsplätzen in Bad Sooden-Allendorf, Großalmerode, Herleshausen, Hessisch Lichtenau, Meinhard, Waldkappel und Wehretal – in den anderen Kommunen wird das Gehölz nur gesammelt – gewonnenen Holzhackschnitzel werden beispielsweise in der dafür errichteten Heizungsanlage der Valentin-Traudt-Schule Großalmerode verbrannt.

„Perspektivisch sollen weitere Heizungsanlagen auf Holzhackschnitzel umgestellt werden“, erklärt Vizelandrat und Kreisumweltdezernent Dr. Rainer Wallmann auf Anfrage. Auch in den entsprechenden Heizungsanlagen von drei weiteren Schulzentren im Kreis werde das holzige Material verwertet.

Darüber hinaus würden im Rahmen des Modellvorhabens Energetische Quartierssanierung mehrere Nahwärmenetze mit Holzhackschnitzeln als Brennstoff geprüft, sagt Wallmann. Dabei müssten jedoch auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

So soll die im Werra-Meißner-Kreis anfallende holzige Biomasse, so ist aus einer Antwort Wallmanns herauszulesen, wie ursprünglich geplant zunächst im Holzhackschnitzel-Kraftwerk des Pharma- und Medizinbedarfs-Unternehmens B. Braun in Melsungen genutzt werden.

Die Verbrennung dort sei auch als regional anzusehen, sagt Wallmann. Für eine Verwertung im eigenen Landkreis müsse es die passenden Anlagen geben, da man nicht jede Hackschnitzelqualität in jede Holzhackschnitzelfeuerungsanlage geben könne. Passten Anlage und Qualität der Hackschnitzel nicht zusammen, könne es zu schweren Schäden und hohen Reparaturkosten kommen, gibt er zu bedenken.  

Nebeneffekt des intensiven Bemühens, holzige Biomasse sinnvoll zu verwerten, ist auch, dass das Verbrennen von Strauch- und Baumschnitt, der bei Pflegearbeiten in der Landschaft anfällt, künftig vermieden wird. Das betont Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann (Grüne) auf die Frage, warum immer noch Wegefreischnitt vor Ort im Feld verbrannt wird. Das werde manchem Zeitgenossen heutzutage zum Dorn im Auge.

Verboten sei das Verbrennen an dem Ort, an dem der Schnitt anfällt, aber nicht, stellt der Kreisumweltdezernent fest.

Im Werra-Meißner-Kreis sind verschiedene Firmen, auch die Werkstatt für junge Menschen und der Landschaftspflegeverband mit der Pflege der Landschaft befasst. Wie das dabei anfallende holzige Material dann verwertet wird, werde von ihnen im Einzelfall entschieden. Dabei werden die Masse, die Art des Materials und die Transportentfernung einer Verwertungsmöglichkeit berücksichtigt.

Ein nennenswerter Anteil des Landschaftspflegematerials aber werde bereits aufbereitet, so Wallmann, und beispielsweise in den Hackschnitzel-Heizungsanlagen der Schulzentren im Kreis verwertet.

Einen eigenen Weg geht schon seit Jahren der Bauhof der Stadt Hessisch Lichtenau. Der Bauhofleiter hat die Heizungsanlage einfach umgebaut, damit der Wegefreischnitt darin verbrannt werden kann.  (gsk/sff)

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