Stromausfall und Sturm stellten Retter vor viel Arbeit

Einsätze am laufenden Band: Unterwegs am Sturmnachmittag mit der Feuerwehr

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Die Männer am Funk: Jan Frieso Linskens und Heino Brodhun nehmen in einem Einsatzwagen die Meldungen der Wehren entgegen.

Witzenhausen. Nicht nur der Strom funktioniert am Donnerstagnachmittag nicht, auch Handy- und Telefonnetze sind ausgefallen. Schnell sind die ersten Feuerwehrleute an der Wache, das Notstromaggregat läuft.

Jan Frieso Linskens und Heino Brodhun sitzen im Funkwagen und nehmen die Meldungen der Wehren entgegen. Brodhun ist direkt von der Arbeit bei Rege, nur ein paar Schritte entfernt, gekommen. „Da ist sowieso Stromausfall und wir können nicht arbeiten“, sagt er. Generell sei sein Arbeitgeber sehr locker, wenn es darum gehe, die Ehrenamtlichen zum Einsatz gehen zu lassen. Kleinere Schäden werden gemeldet: vom Dach gewehte Ziegel, umgestürzte Bäume. Die Funkempfänger der Feuerwehrleute piepsen, geben Alarme weiter.

Der Strom-, Handy- und Telefonausfall erschwert die Kommunikation. Damit alle Nachrichten beim Funkwagen ankommen, gibt die Leitstelle eine sogenannte Einsatzgruppe an die Wehren aus. Unter dieser erreichen sie den Funkwagen. Koordiniert werden die Einsätze vom Lagezentrum in der Witzenhäuser Wache.

Anlaufstelle auf dem Marktplatz: Werner Kreßner, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, beantwortet mit weiteren Kameraden so gut es geht die Fragen der Witzenhäuser zum Sturm, darunter auch die von Adrian, Kevin und Leandro (von links). Es sind viele neugierige Passanten, teilweise auch mit kleinen Kindern, unterwegs an diesem Nachmittag in der Witzenhäuser Altstadt. Kreßner schüttelt den Kopf: „Die sollten eigentlich alle zu Hause sein. Das ist viel zu gefährlich hier.“

Stadtbrandinspektor Björn Wiebers fährt Einsatzstellen an, begutachtet Schäden. Koordiniert, dass die Feuerwehr Unterrieden zusätzlich alarmiert wird, um die Wendershäuser Kameraden zu unterstützen. Sie sollen ein Blechdach sichern, das von einem Anbau geweht wurde. Sollte der Einsatz länger dauern, so Wiebers, dann muss auch die Sondereinsatzgruppe Verpflegung ran. Denn irgendwann bekommen die Ehrenamtlichen Hunger.

Kurze Zeit später wird eine Schadenslage nach der anderen gemeldet, berichtet Wehrführer Claus Demandt. Mittlerweile sind rund 50 Kräfte im Einsatz, räumen Straßen frei, sichern Wege ab, auf die Ziegel gefallen sind und überprüfen kritische Orte wie das Krankenhaus. Von dort melden zwei Kameraden: „Es ist autark und Not-OPs sind möglich.“ Zudem wird gemeldet, dass in Ermschwerd und Blickershausen der Strom wieder geht.

Einfach umgeweht: Sturmtief Friederike legte am Mittwoch auch Verkehrsschilder um, so wie hier am Abzweig von Unterrieden Richtung Witzenhausen.

Zwischenzeitlich hat die Wehr einen Wagen auf dem Marktplatz positioniert. „Wir beantworten die Fragen der Bevölkerung“, sagt Feuerwehrmann Werner Kreßner. Am späten Nachmittag hatte er schon gut 100 Kontakte mit besorgten Bürgern gehabt. „Das war ein guter Schachzug“, sagt Wiebers. Zwischenzeitlich hatte die Wehr rund 25 Einsätze. Darunter eine ältere Dame, die aus dem Fahrstuhl eines Seniorenheims befreit werden musste. Zur Sicherheit hatte die Feuerwehr hier einen Rettungswagen hinzugerufen. Um für die Nacht vorbereitet zu sein, fährt der Stadtbrandinspektor unter anderem die Seniorenheime ab. Im DRK- Heim bekommt er die Nachricht: Hier sorgt das Rote Kreuz für Energie, in der Awo-Residenz gibt es ein Notstromaggregat. Das THW soll für einen erleuchteten Marktplatz sorgen. „Solange es Stromausfall gibt, ist die Wache besetzt“, sagt Wiebers im Awo-Altenheim.

Um 17.01 Uhr dann ein erster Lichtblick – im wahrsten Sinne des Wortes: In einigen Straßen Witzenhausen geht das Licht an. Jetzt müssen noch die weiteren Straßen und Wege der Kernstadt sowie Hundelshausen folgen. Die restlichen Orte im Stadtgebiet hatten zu Redaktionsschluss wohl wieder Strom. 

Wie schwierig die Alarmierung am Donnerstag war, erzählt Stadtbrandinspektor Björn Wiebers im Kurzinterview. Das lesen Sie in der Freitagausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeine.

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