Einkaufswagen werden desinfiziert

Der Einzelhandel in Witzenhausen will Kunden und Mitarbeiter schützen

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Um sowohl die Kunden als auch die Kollegen vor einer möglichen Infektion zu schützen, verteilt Harald Rüdiger vor dem Sonderpostenmarkt in Kleinalmerode Einweghandschuhe und achtet darauf, dass diese auch im Markt getragen werden.

Um ihre Kunden und die eigenen Mitarbeiter in der Corona-Krise vor einer Infizierung zu schützen, gehen Lebensmittelhändler ganz unterschiedliche Wege. 

Witzenhausen/Kleinalmerode – Beim Herkules-Markt in Witzenhausen werden schon seit Längerem nach der Benutzung der Einkaufswagen deren Handgriffe desinfiziert. „Damit haben wir begonnen, als die Flut der Hamsterkäufe begonnen hat“, sagt Marktleiter Manuel Möller. Noch bevor die Landesregierung einen entsprechenden Erlass herausgegeben hat, habe man seit Freitag zusätzlich damit begonnen, nur noch eine Person pro Haushalt in den Markt zu lassen, wobei jeder Kunde einen zuvor desinfizierten Einkaufswagen mit sich zu führen müsse. „Das sorgt vor allem dafür, dass an den Kassen der vorgeschriebene Mindestabstand von mindestens 1,50 Meter eingehalten wird“, so Möller. „Diese Maßnahme ist bei der Kundschaft sicher nicht besonders beliebt, in der aktuellen Situation aber absolut notwendig“, so er. Schließlich wolle ja niemand, dass sich beim Einkaufen jemand mit dem Corona-Virus infiziert.

„Ganz, ganz toll“, lobte Corinna Heidrich den Job, den die Mitarbeiter im Herkules-Einkaufsmarkt in der Bischhäuser Aue in Witzenhausen erledigt. Die Sache mit dem Abstand halten habe man im Markt „hervorragend gelöst“. Und trotz des Stresses seien alle dort „nett und hilfsbereit“, freut sich die 57-jährige Witzenhäuserin.

Spontan bot die begeisterte Witzenhäuserin nach ihrem Einkauf dem Marktleiter an, für die Beschäftigten etwas in die Kaffeekasse zu machen. Ein „Danke“ und ein nettes Wort seien schon genug, freute sich dieser über das Ansinnen der Kundin. Es gebe immer noch Leute, die schimpfen und ungehalten seien, berichtete er.

Vor dem Herkulesmarkt in Witzenhausen sprüht hier Marcel Damm mit Desinfektionsmittel den Handlauf eines Einkaufswagens ab, bevor dieser vom nächsten Kunden benutzt wird.

Weil Desinfektionsmittel zurzeit nur schwer zu beschaffen ist, geht man beim Sonderpostenmarkt RB Becker in Kleinalmerode andere Wege, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen. Noch bevor jemand den Markt betritt, bekommt er von einem Mitarbeiter Einweghandschuhe in die Hand gedrückt, die dann direkt unter seinen Augen angezogen werden müssen.

„Das ist zwar etwas unpraktisch, aber dennoch eine richtig gute Sache“, lobt Regine Oels. Die Kleinalmeröderin hat auch schon in Märkten eingekauft, in denen die Handläufe der Einkaufswagen regelmäßig desinfiziert werden. „Die Waren fasst man dann trotzdem mit den nackten Händen an“, sagt Oels. Und wenn ein Infizierter sie dann wieder zurückstelle, weil er sie aus irgendeinem Grund doch nicht kaufen wolle, dann könne der Virus leicht auf den nächsten Kunden übertragen werden. „Wir finden diese Vorsichtsmaßnahme sehr sinnvoll“, meinen auch die beiden Laudenbacher Hubert und Inge Seifarth. Weil er durch eine Vorerkrankung zur Risikogruppe zähle, achte das Ehepaar ohnehin sehr bewusst auf Hygiene.

„Auf die Idee gekommen bin ich, nachdem mir im Selbsttest aufgefallen war, dass sich ein Mensch nicht ins Gesicht fasst, wenn er Handschuhe trägt“, sagt RB Becker-Geschäftsführer Jens Becker. Weil ihm die Gesundheit seiner Kunden und seiner Angestellten sehr am Herzen liege, habe er er sich dann schon frühzeitig nach Bekanntwerden der Corona-Pandemie für diese Maßnahme entschieden. Das Lob der Kunden zeigt, dass er damit goldrichtig liegt.

Appell: Nur eine Packung Klopapier

Nicht um die Gesundheit der Kunden, dafür aber um die Zufriedenheit aller geht es bei einer Initiative des Großalmeröder Bürgermeisters Finn Thomsen. Weil die nach Ausbruch der Corona-Pandemie zunehmenden „Hamsterkäufe“ auch in den Supermärkten der Tonstadt zu leeren Regalen führten, schloss sich Thomsen im Einvernehmen mit dem Magistrat mit den Marktleitern zusammen und richtete per Aushang einen eindringlichen Appell an seine Mitbürger. In dem Schreiben, das in den Schaufensterscheiben der beiden örtlichen Supermärkte hängt, wird dringend empfohlen, dass pro Kunde nur noch jeweils eine Packung Toilettenpapier und Küchenrolle sowie je zwei Packungen Zucker, Mehl, Reis, Nudeln und Seife abgegeben werden. „Damit alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, die Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen“, heißt es. Mehrere Bürger aus Großalmerode hätten sich bei ihm darüber beschwert, dass einige Personen haushaltsunübliche Mengen an bestimmte Waren einkaufen, begründet Thomsen seine Initiative. Weil dadurch vor allem Berufstätige und ältere Personen leer ausgingen, habe er Kontakt mit den Marktleitern aufgenommen und abgesprochen, dass eine einheitliche Regelung in beiden Märkten sinnvoll wäre. Rechtlich handele es sich um Hinweise an beide Märkte, die diese über ihr Hausrecht entsprechend umsetzen. „Seit dem Aufhängen der Hinweise am vergangenen Donnerstag hat sich die Lage deutlich entspannt“, freut sich Thomsen „über viele positive Rückmeldungen“. Das zeige, dass auch Unkonventionelles in Zeiten der Corona-Krise sinnvoll sei.

VON PER SCHRÖTER

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