Eiserne Hochzeit: Schlafzimmer mit Eltern geteilt

Vor 65 Jahren: Hochzeitsfoto von Ilse und Rudi Radmer, die seit 14 Jahren im Witzenhäuser Ortsteil Roßbach leben. Repro: Neugebauer

Roßbach. Ilse und Rudi Radmer sind seit 65 Jahren verheiratet. Gemeinsam erinnern sie sich an die frühen Jahre ihrer Ehe.

„Wenn heute die ganze Familie mit den drei Enkeln und drei Urenkeln zusammenkommt, dann ist das was Besonderes. Und darauf freuen wir uns an unserem Ehrentag am meisten“, sagen Ilse und Rudi Radmer, die heute eiserne Hochzeit feiern.

Ein Enkel und ein Urenkel sind in Kassel, alle anderen leben, wie auch ihre Tochter, in der Nähe von Stuttgart. Die beiden 87-jährigen Jubilare waren vor 14 Jahren von Sieber im Harz zu ihrer Tochter nach Roßbach gezogen. Ihr Haus war für die beiden zu groß und die Pflege des großen Grundstückes fiel ihnen immer schwerer. Daher beschlossen sie ihren Lebensabend in der Nähe ihrer Tochter zu verbringen. Leider ist sie mittlerweile von ihrem Mann getrennt und danach ebenfalls in die Nähe von Stuttgart gezogen.

Begonnen hatte das Glück, als Rudi nach den Kriegswirren und anschließendem Arbeitsdienst in Bonn 1948 mit 19 Jahren zu seinen Eltern nach Sieber gezogen ist. Nachdem sich beide schon im „Auge“ hatten, hat es schließlich auf einem Vertriebenenball Anfang 1950 gefunkt. Schnell hatten sie sich verlobt und am 11. August 1951 auch geheiratet. Denn nur wer verheiratet war, bekam auch eine eigene Wohnung.

„Bei uns hat es trotzdem nicht geklappt, weil jedes Mauseloch schon mit Flüchtlingen belegt war“, weiß Rudi Radmer zu berichten. Und so zogen sie für ein Jahr zu Ilses Eltern, mit denen sie sich das Schlafzimmer teilten. „In der Mitte haben die Kleiderschränke gestanden“, kann sich Ilse Radmer noch gut an die Zeit der Wohnungsnot erinnern.

1953 wurde ihre Tochter Marion geboren und bereits 1958 zogen sie ins eigene Heim in Sieber. Hier haben sie ab 1959 bis in die neunziger Jahre auch drei Zimmer an Feriengäste vermietet. In der Not wurde dann das Zimmer der Tochter auch noch mitvermietet. „Mit den Gästen haben wir oft zusammen gesessen und viel gelacht; es war eine schöne Zeit“, sagen beide unisono. Auch der Garten und das Grundstück waren Rudis Hobby, der 43 Jahre in der Herzberger Papierfabrik gearbeitet hat. „Im Garten musste immer alles tiptop in Ordnung sein“, sagte seine Frau. Fit gehalten haben sich die beiden Naturliebhaber mit Wandern und mit wunderschönen Reisen.

„Wir hatten eine schöne Zeit, da kann man noch von zehren“, sagt Ilse Radmer und holt ein Album mit Urlaubsbildern hervor. 2009 hatten sie mit ihrer Enkelin letztmalig die Heimat von Rudi in der Nähe von Kolberg im heutigen Polen besucht. Aber auch an die Algarve, Meran, Sylt und Fehmarn haben sie schöne Erinnerungen. Wenn es das Wetter zulässt, sitzen die beiden gern auf ihrer Terrasse mit Blick Richtung Wolfsberg und erfreuen sich an den schönen Blumen und an der Natur. Auch das Lesen der HNA und die Teilhabe am politischen Geschehen gehören für beide zum täglichen Ablauf.

Von Hartmut Neugebauer

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