Zahnarzt-Ehepaar aus Witzenhausen hält Igel-Leistungen für wichtig

„Auch Regelversorgung bietet Möglichkeiten“: Dr. Tilman Flechsig und Dr. Gudrun Flechsig wollen gesunde Zähne sehen. Foto: Lischper

Witzenhausen.  Das Zahnarzt-Ehepaar hält etwa die kostenpflichtige Leistung der professionelle Zahnreinigung für wichtig.

Dr. Gudrun Flechsig und ihr Mann Dr. Tilman Flechsig kümmern sich seit 20 Jahren um die Zähne der Witzenhäuser. Dazu zählt auch, mit Vorbeugung dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht zu Schmerzen kommt. Doch manche Leistungen, die zur Zahngesundheit beitragen, werden nicht von der Kasse übernommen. „Viele Patienten tendieren dann dazu, auf diese Leistungen zu verzichten“, sagt Dr. Tilman Flechsig.

Da 90 Prozent der Patienten gesetzlich versichert sind, gehören Zuzahlungen im zahnmedizinischen Bereich zum täglichen Brot. Bei Zahnkronen zum Beispiel zahlt die Krankenkasse in manchen Fällen nur die Hälfte. „Ich frage manchmal spaßeshalber den Patienten: Welcher Teil der Krone soll’s denn sein?“, sagt Tilman Flechsig. Dass viele Leistungen, die er für nützlich befindet, individuelle Gesundheitsleistungen („Igel“), also Selbstzahler-Leistungen sind, kann er nicht nachvollziehen. „Ich denke, irgendwo zieht der Gesetzgeber einfach Linien und sagt: Ab hier wird selbst gezahlt.“ Er bezweifelt, dass die Entscheidung nach medizinischer Notwendigkeit getroffen wird, eher nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Zahnreinigung kostet

Flechsig führt die professionelle Zahnreinigung als Beispiel an. Beim gesunden Patienten gilt sie als Vorsorge, die nicht nötig ist, aber wichtig. Denn langfristig ergänzt sie die Beobachtung und Kontrolle, das Mundhygienetraining und die Ernährungsberatung. „Ich sage das dem Patienten dann auch genau so.“

Anders verhalte es sich bei Patienten, die bereits unter Problemen leiden. Hier stelle die professionelle Zahnreinigung einen wichtigen Teil der unterstützenden Parodontal-Therapie dar. Für sie, aber auch für Menschen, deren Erkrankung ein besonderer Blick auf die Zähne erfordert – bei Diabetikern zum Beispiel –, sollte die Krankenkasse die Kosten übernehmen, so Flechsig.

Die in ihren Augen teils widersprüchliche Entscheidung, was als Igel-Leistung gilt, wirkt sich laut Gudrun Flechsig bereits auf die Zähne der Kinder aus: „Würde die Krankenkasse zum Beispiel regelmäßige Termine beim Zahnarzt bereits ab dem ersten Zahn zahlen, könnte ich Müttern besser beibringen, wie sie mit dem Mund ihrer Kinder umgehen.“ Und das würde langfristig zum Erreichen des Zieles beitragen, den gesunden Zähnen.

Bei jedem Patienten versucht das Arztehepaar individuell eine Lösung zu finden. „Wir sind nicht auf einer Verkaufsveranstaltung, sondern beim Zahnarzt. Wenn ich eine Gesundheitsleistung erbringe, dann bekomme ich zwar Geld dafür, habe aber auch einen größeren Zeitaufwand“, gibt Tilman Flechsig zu Bedenken.

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