Er schraubt aus Leidenschaft

Alte Schätzchen: Burghard Schorstein macht alte Motorräder wieder fit

Seit seinem 16. Lebensjahr mit dem Motorrad unterwegs: Burghard „Tschik“ Schorstein mit einer alten Maico-Bundeswehrmaschine, die er aufgepäppelt hat und damit regelmäßig durchs Gelände fährt.
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Seit seinem 16. Lebensjahr mit dem Motorrad unterwegs: Burghard „Tschik“ Schorstein mit einer alten Maico-Bundeswehrmaschine, die er aufgepäppelt hat und damit regelmäßig durchs Gelände fährt.

In unserer Serie stellen wir talentierte Schrauber aus dem Landkreis und ihre Oldtimer vor. Heute: Burghard Schorstein aus Unterrieden, der alte Motorräder wieder fit macht.

Unterrieden – Er ist in Motorradfahrerkreisen bekannt wie ein bunter Hund – „Tschik“ oder Burghard Schorstein aus Unterrieden. Seine Leidenschaft für Motorräder hat er bereits in seiner Kindheit entwickelt und seit dem 16. Lebensjahr ist er bereits auf zwei Rädern unterwegs. „Während der Lehre in der Autowerkstatt Bernd Bruder in Witzenhausen hätte ich den ganzen Abend bis weit in die Nacht weitergeschraubt, wenn mich der Chef nicht nach Hause geschickt hätte“, sagt Schorstein.

Die Schrauberei an Autos und Motorrädern hat ihn so sehr begeistert, dass er mit 26 Jahren bereits seinen Kfz-Meisterbrief in Empfang nehmen durfte. Dass er seit zehn Jahren seinen kleinen Lebenstraum erfüllt und eine eigene „Schrauberei“ („Tschiks Motorradservice“) in Unterrieden für Motorräder hat, hängt mit zwei schweren Schicksalsschlägen zusammen.

Alt und neu: Burghard Schorstein mit einem Bild einer alten Yamaha vor und nach dem Umbau.

Konnte er sich 1997 von einem Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und anschließender Scheidung mit Arbeit und Motorradfahren relativ schnell wieder erholen, warf ihn ein Burn-out 2006 mit anschließender Arbeitslosigkeit und Hartz IV-Bezug völlig aus der Bahn. Aber er kämpfte sich zurück und eröffnete 2010 seine eigene Motorradwerkstatt. Dort schraubt er ohne Druck an alten Maschinen oder neuen Motorrädern, die ihm zur Reparatur gebracht werden. Auch kommt der TÜV regelmäßig bei ihm vorbei.

„Es ist ein Trend, alte Motorräder irgendwo aufzugabeln und dann mit möglichst original Bauteilen wieder zum Laufen zu bringen“, sagt Schorstein. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob der Tank schon eine Schramme hat. Hauptsache, es hat die Original-Farbe und das Abzeichen ist dran.

Vor ein paar Jahren ist er mit einem guten Bekannten im tiefsten Winter sogar bis in den Harz gefahren und hat mit ihm erst mal meterhohen Schnee vor einer Garage geschippt, um sein Schätzchen zum Umbau nach Hause zu holen.

„Eine große Erweiterung meines Fundus ergab sich, als ich den Komplettinhalt einer Sammlerscheune mitsamt einigen alten Motorrädern erstand“, sagt Schorstein. Neben einer alten Maico-Bundeswehrmaschine waren eine alte BMW aus den 1950er-Jahren, ein Leichtkraftrad von Puch und mehrere Maschinen vom DDR-Hersteller MZ (Motorradbau Zschopau) dabei.

Diese wurden oder werden nach und nach wieder fahrtüchtig gemacht und dann eventuell verkauft. Selber nennt er sechs Motorräder sein Eigen, darunter auch eine Suzuki RE5 von 1975 mit Wankelmotor. Davon wurden in ganz Deutschland nur 63 Stück verkauft.

Auch diese BMW R100 wurde in vielen Arbeitsstunden von einem Praktikanten zu einem heißen Feuerstuhl umgebaut.

Derzeit bastelt er gerade an einer Honda City Fly aus den 1990er-Jahren und einer Yamaha SR 500 aus den 80er-Jahren. „Mit 67 Jahren möchte ich jetzt allerdings etwas weniger schrauben und noch etwas mehr fahren“, sagt Schorstein.

Für seine Werkstatt sucht er deshalb einen Gleichgesinnten, der Spaß am Schrauben und am Umbau alter Motorräder hat und selbstständig arbeiten kann. Sein Kundenstamm reicht mittlerweile bis ins Ausland. Interessenten können sich bei ihm melden unter Tel. 0 55 42/50 35 54.

(Hartmut Neugebauer)

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