Helga und Horst Werner feiern diamantene Hochzeit

Er wusste es sofort: Die oder keine!

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Vor 60 Jahren: Horst und Helga Werner bei der Trauung. 

Witzenhausen. Vor 60 Jahren feierten Helga und Horst Werner in Witzenhausen Hochzeit. Da kannten sie sich schon fast ein Jahrzehnt. Aber so schnell ging es nicht, erst kamen schwere  Jahre.

„Hätte meine Frau mich nicht geheiratet, dann wäre ich für immer Junggeselle geblieben“, ist sich Horst Werner sicher. Denn schon als er seine Helga, geborene Kienlin, zum ersten Mal sah, habe er gewusst: die oder keine! Heute, am 8. Juni, sind Horst und Helga Werner seit 60 Jahren verheiratet, und das Paar ist sich einig: „Wir haben viel Glück gehabt im Leben.“

Das größte Glück ist, dass sie sich gefunden und zusammen eine Familie gegründet haben. Der Weg dahin war weit: 1947 erreichte Helga Werner als Flüchtling Witzenhausen. Sie kam aus der Nähe von Danzig, musste aber als Folge des Krieges mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern fliehen. „Wir waren in einem Güterzug unterwegs, es war kalt und die Fahrt war lang“, erinnert sich Helga Werner.

Drei Wochen dauerte es, dann kam die damals 16-Jährige in Uder an, musste sich über die Grenze schleichen und kam endlich nach Witzenhausen, wo sie eine Stelle auf Gut Fahrenbach fand. Hier lernte sie eines schönen Nachmittags ihren Horst kennen, der mit einem Freund eine Fahrradtour machte. „Am 24. August 1948 um 16 Uhr habe ich meine Helga zum ersten Mal gesehen“, erinnert sich der Mann noch ganz genau.

In Erinnerungen schwelgen beide gerne. 40 000 Fotos, alle von gemeinsamen Reisen und Erlebnissen sind im Hause der Familie Werner zu finden. Ein 60 Jahre altes Stück Papier, auf dem Helga Werner vor der Hochzeit die Tage bis zum großen Tag abgestrichen hat, klebt in einem Album. Auf der Kirmes haben Helga und Horst Werner das erste Mal getanzt. Beim Karneval gab es dann den ersten Kuss. „Wir haben beide viel gearbeitet, aber jede freie Minute genutzt, um uns zu treffen“, erinnert sich das Paar.

Dann allerdings kamen drei schwere Jahre: Horst Werner musste Witzenhausen beruflich vorübergehend verlassen, und als er zurückkam, reichte die Zeit gerade für eine kurze Umarmung auf dem Bahnhof in Hannover, denn Helga war auf dem Weg nach Schweden, wo sie Arbeit gefunden hatte.

Auch die unzähligen Briefe, die sich das Paar in dieser Zeit geschrieben hat, wurden alle aufgehoben. 1957 aber kam es dann endlich zur Hochzeit. Gefeiert wurde in der Werkstatt von Horst Werners Vater, die er später übernahm. Die Trauung fand in der Liebfrauenkirche statt. „Es war ein wundervoller Tag“, lächelt Helga Werner. Es folgten zwei Kinder, 120 Reisen durch ganz Europa mit dem Auto, mit dem Schiff und mit dem Flugzeug und, wie sie sagen, „viele schöne Jahre“.

Heute hält sich das Paar am liebsten in seinem Garten auf dem Dach auf, schaut sich alte Fotos an und genießt die Zeit zu zweit und mit der Familie.

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