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Falsche Ernährung kann zum Tod von Schafen und Ziegen führen

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Von: Wiebke Huck

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Die Witzenhäuser Milchschafzüchterin Thea Welland inmitten ihrer Schafe. Das Futter, das ihre Tiere bekommen, ist genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmt.
Die Witzenhäuser Milchschafzüchterin Thea Welland inmitten ihrer Schafe. Das Futter, das ihre Tiere bekommen, ist genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmt. © Wiebke Huck

Auf den Wiesen der Witzenhäuser Milchschafszüchterin Thea Welland toben derzeit 40 kleine Lämmer zwischen der Erwachsenen Tieren über die Weide. Die niedlichen Tiere locken immer wieder Spaziergänger an die Zäune.

Witzenhausen – Thea Welland hat Verständnis für interessierte Spaziergänger, schließlich weiß sie, wie anziehend die wolligen Lämmchen wirken. Wenig Verständnis aber hat sie für die Menschen, die ihre Tiere anlocken und füttern, denn das endete schon mehr als einmal tödlich für eines ihrer Schafe.

Auch der Mobile Tierarzt Igor Zinger aus Witzenhausen hat schon oft Erfahrung damit machen müssen, dass Menschen aus falsch verstandener Tierliebe Lebewesen geschadet haben, weil sie sie falsch gefüttert haben. Darum sein Rat: „Niemals fremde Tiere einfach füttern.“ Ob es sich dabei um Kuh, Ziege oder Schaf auf einer Weide handelt oder um die Katze vom Nachbarn, sei völlig egal. „Wir wissen nicht, welches Futter ein fremdes Tier braucht, ob es vielleicht eine Krankheit hat und darum spezielles Diätfutter bekommt oder eine Lebensmittelunverträglichkeit“, sagt der Tierarzt.

Er habe schon viel zu oft Tiere sterben sehen, weil sie falsch gefüttert wurden. „Leider wissen die Tiere oft selbst nicht, was gut für sie ist. Enten beispielsweise fräßen sehr gerne Brot und Brötchen. Das sei auch der Grund, warum so viele Menschen ihr altes Brot zum Entenfüttern nutzen, und meinen, damit etwas Gutes zu tun. Doch das Gegenteil sei der Fall. Brot liefert den Enten keinerlei Nährstoffe, das enthaltene Salz ist schädlich für ihre Gesundheit und viel zu oft ist altes Brot mit Schimmelpilzen belastet, meistens unsichtbar fürs Auge. Die Folge: Die Tiere werden krank.

Flaschenkind: Hat ein Mutterschaf viel Nachwuchs zur Welt gebracht, braucht es Hilfe bei der Aufzucht.
Flaschenfütterung: Hat ein Mutterschaf viel Nachwuchs zur Welt gebracht, braucht es Hilfe bei der Aufzucht. © Wiebke Huck

Sechs Ziegen habe der Veterinär schon beim Sterben zusehen müssen, weil sie versehentlich mit den grünen Zweigen der Eibe gefüttert wurden. Jemand dachte, er würde den Tieren einen Gefallen tun, das Gegenteil war der Fall. „Ich konnte ihnen nicht mehr helfen. Zwei Tiere waren schon tot, als ich ankam. Die Eibe ist für Schafe und Ziegen giftig, trotzdem fressen sie die Zweige, wenn sie ihnen angeboten werde.“

Auch Thea Welland musste schon oft ähnliche Erfahrungen machen. Auf Anfrage unserer Zeitung erzählt sie: „Immer wieder sehe ich, wie Spaziergänger meine Schafe füttern. Manchmal mit Äpfeln, was vergleichsweise harmlos ist, aber ich habe auch schon Kuchenreste auf der Wiese gefunden.“ Durch falsches Füttern hat die Schafzüchterin schon mehr als ein Tier verloren. „Das sehen die Menschen dann nicht, wenn ich meinen Bock, den ich von klein auf großgezogen habe, erschießen muss, weil jemand ihn im Vorbeigehen mit Donuts gefüttert hat und er dadurch krampfend vor mir liegt und Schmerzen hat.“

Sie habe Verständnis, wenn sie eins ihrer Tiere verliert, weil der Fuchs es holt. Das sei traurig aber gehöre zur Natur. Kein Verständnis allerdings könne sie aufbringen, wenn eines ihrer Tiere stirbt, weil es von Fremden mit dem falschen Futter gefüttert wurde. Auch bei ihren Tieren könne es vorkommen, dass Lebensmittelunverträglichkeiten auftreten, sodass auch der gut gemeinte Apfel oder die Karotte für einige der Tiere das völlig Falsche sein können.

Ein anderes, ebenso großes Problem sei Hundekot auf Weideflächen. Gerät dieser zwischen die Ernte, aus der Tierfutter hergestellt wird, besteht für die Tiere die Gefahr, sich mit Parasiten zu infizieren und zu vergiften. „Jedes Stück Land gehört jemandem“, gibt Thea Welland zu bedenken. Und fremdes Eigentum zu betreten, sei verboten. Es sei schon vorgekommen, dass Menschen sogar über den Zaun geklettert sind, um ihren Tieren nahe zu sein. Auch das ist für die Schafe gefährlich. „Stress ist schlecht für die Tiere“, weiß Thea Welland. Nachdem zwei trächtige Mutterschafe sich im vergangenen Monat durch unbefugte Besucher auf der Weide erschreckt hatten und unkontrolliert aufgesprungen waren, brachten beide tote Lämmchen zur Welt. Festgehalten wurde das Ganze von einer Wildkamera. An einen Zufall glaubt Thea Welland nicht. „Das hätte nicht sein müssen“, sagt sie. (Wiebke Huck)

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