Fast 1050 Jahre: Hundelshausen ist wohl 142 Jahre älter als bisher angenommen

Hundelshausen ist jetzt der sechst-älteste Stadtteil von Witzenhausen: Stadtarchivar Matthias Roeper (von links) findet die neuen Erkenntnisse plausibel. Detlef Büchner (Vorstand Kulturverein Gelstertal) zeigt die „bisherige Geburtsurkunde“ des Ortes aus dem Jahr 1111 in der 900-Jahr-Chronik, Ortsvorsteherin Karin Meissner-Erdt und Fred Möller (Kulturverein Gelstertal) präsentieren Kopien der Urkunde von 969. Das Original liegt im Landesarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Foto: Steensen

Hundelshausen. Blitzalterung im Gelstertal: Nur acht Jahre nach der 900-Jahr-Feier, die im Jahr 2011 zelebriert wurde, kann man in Hundelshausen bald wieder auf ein besonderes Dorfjubiläum anstoßen.

Denn im Jahr 2019 wird der Ort im Gelstertal bereits 1050 Jahre alt sein. Denn das Dorf ist offenbar 142 Jahre älter als lange angenommen.

Ursprünglich waren Heimatforscher davon aus gegangen, dass Hundelshausen im Jahr 1111 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Doch schon während die Dorfchronik zur 900-Jahr-Feier erstellt wurde, beschlichen Witzenhausens Stadtarchivar Matthias Roeper Zweifel an diesem Alter. Denn bereits im 19. Jahrhundert hatte ein Heimatforscher von einer Urkunde aus dem Jahr 969 berichtet, in der Hundelshausen erwähnt wird. „Doch das konnten wir damals nicht belegen“, sagt Roeper. Jetzt hat sich die Lage geändert.

Denn auf Initiative einiger Hundelshäuser sahen sich erfahrene Historiker den Text der umstrittenen Urkunde jetzt erneut an. Der gebürtige Großalmeröder Hermann Nobel kam nach der Analyse des Textes und weiterer Quellen zu dem Schluss, dass es sich bei dem erwähnten Ort „Hunoldeshuson“ tatsächlich um Hundelshausen im Gelstertal handeln muss - und nicht um den Ort Hundshausen bei Jesberg (Schwalm-Eder-Kreis). Dieser war bis jetzt davon ausgegangen, in der Urkunde erstmals erwähnt worden zu sein - und hatte 1969 auf dieser Grundlage seine 1000-Jahr-Feier abgehalten.

Fred Möller vom Kulturverein Gelstertal bat daraufhin Prof. Dr. Herbert Reyer um eine Überprüfung dieser These. Der gebürtige Witzenhäuser war leitender Archivdirektor und Honorarprofessor in Hildesheim. Er schloss sich der Meinung von Nobel an: „Hundelshausen hat meines Erachtens mindestens das gleiche Recht, das Jahr 969 für sich als Ersterwähnung in Anspruch zu nehmen - und damit ein Hungelshüsser Fest zu feiern - egal, was Hundshausen bei Jesberg veranstaltet.“

Wie genau die Hundelshäuser in drei Jahren die 1050-Jahr-Feier begehen wollen, ist noch völlig offen, sagt Ortsvorsteherin Karin Meissner-Erdt. Auf der Kirmes sei sie jüngst aber schon von vielen Einwohnern angesprochen worden. „Die Menschen wollen das gern feiern“, sagt sie. Auch Detlef Büchner vom Vorstand des Kulturvereins ist überzeugt davon, dass man ein neues Fest planen sollte. „Die 900-Jahr-Feier hat uns als Dorfgemeinschaft viel enger zusammengebracht“, sagt Büchner. „Das hat uns gut getan.“

Diese Indizien sprechen für Hundelshausen:

Am 26. Juli 969 verfügt Kaiser Otto I. in Pavia (heute Italien), dass die erzbischöfliche Kirche St. Mauritius in Magdeburg „das Landgut, genannt Hunoldeshuson, gelegen in der Provinz Hessen“ geschenkt bekommen soll.

Diese Gründe sprechen dafür, dass es sich um das heutige Hundelshausen handelt - und nicht um Hundshausen bei Jesberg:

• Der Ortsname endet auf „-husen“, das ist typisch für Orte, die in fränkischer Zeit gegründet wurden - also deutlich vor 1111. Zu dieser Zeit wurden weitere Orte an der Werra gegründet.

• Das spätere Erzstift Magdeburg hat in späteren Jahren mit der Abtei Fulda Güter getauscht - eine entsprechende Urkunde erwähnt „Hunolteshusen“ und „Asmareshusen“. Asmarshausen ist eine Wüstung zwischen Hundelshausen und Trubenhausen.

• Die Adeligen aus dem Umkreis von Jesberg haben keine weiteren überlieferten Verbindungen nach Magdeburg.

• Otto I. hatte persönlichen Besitz im sächsischen Gebiet (also nahe der Werra), nicht aber im Bereich Fritzlar. Es ist wahrscheinlicher, dass er Güter aus seinem Besitz verschenkte, argumentiert Hermann Nobel. (fst)

Welches das älteste der zu Witzenhausen gehörenden Dörfer ist, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Witzenhäuser Allgemeinen.

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