Corona-Impfung

Fast die Hälfte der Erwachsenen im Werra-Meißner-Kreis ist voll gegen Covid-19 geimpft

Aus einer Ampulle wird mit einer Spritze der Astrazeneca-Impfstoff gezogen.
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Wer als Erst-Impfung das Vakzin von Astrazeneca erhalten hat, soll nun einen anderen Impfstoff als Zweitimpfung bekommen.

Knapp 39 000 der insgesamt 85 000 erwachsenen Einwohner des Werra-Meißner-Kreises sind bis Ende der vorigen Woche zum zweiten Mal gegen das Coronavirus geimpft worden.

Werra-Meißner – Zudem erhielten fast 3200 den Impfstoff von Johnson & Johnson, der bereits mit der ersten Spritze den vollen Schutz vor Covid-19 bieten soll. Das heißt, dass fast die Hälfte der Bevölkerung des Landkreises über 17 Jahren als vollständig geimpft gilt. Genau liegt die Quote bei 49,3 Prozent, umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung bei 41,9 Prozent. Zum Vergleich: In Hessen sind 37,5 Prozent voll geimpft, in Deutschland 38,9 Prozent (Stand: 4. Juli).

Bei der Erstimpfung, mit der bereits ein erheblicher Teilschutz verbunden ist, liegt die Quote des Kreises bei den Erwachsenen bei 66,6 Prozent, der Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt 56,7 Prozent. Dazu der Vergleich: In Hessen erhielten 55,5 Prozent ihre erste Dosis, in Deutschland beträgt die Quote 56,5 Prozent.

Die wenigen Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren, die mittlerweile auch geimpft wurden, wurden bei den Berechnungen für den Kreis nicht berücksichtigt.

Im Werra-Meißner-Kreis gibt es einen Anteil von Kindern und Jugendlichen von 14,9 Prozent, basierend auf den Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes zum 31. Dezember 2020. Da hatte der Landkreis 100 046 Einwohner, 14 899 waren unter 18 Jahre alt.

Im Werra-Meißner-Kreis erhielten bis Ende voriger Woche 35 370 Menschen im Impfzentrum in Eschwege ihren ersten Piks, für 27 803 gab es den zweiten, also insgesamt 63 173 Impfungen. Die Haus- und Fachärzten spritzten bislang 35 496 Mal. So dürfte noch in dieser Woche die 100 000. Dosis im Kreis verabreicht werden.

Schutz vor Corona wird überdies inzwischen auch von Betriebsärzten verabreicht. Davon waren es keine Zahlen zu bekommen, da sie offenbar nicht zentral gesammelt werden.

Der Anteil der durch Betriebsärzte Geimpfte im Landkreis wird aber nicht nur von Kreissprecher Jörg Klinge für relativ gering erachtet, da es nicht viele Werke mit vielen Beschäftigten gibt. Zudem hat jeder Betrieb sein eigenes Modell. Beispielsweise werden die Angestellten zu einem Arzt in die Praxis geschickt. Ebenso können Beschäftigte, die nicht im Kreis wohnen, hier ihre Spritze bekommen, wie auch Auspendler außerhalb des Kreises. (Stefan Forbert)

Impfungen starteten gleich nach Weihnachten

Mit dem Impfen der Menschen im Werra-Meißner-Kreis – zunächst der ältesten – ging es am Tag nach Weihnachten los. Ein mobiles Team suchte Seniorenheime auf. Am 9. Februar nahm dann das lokale Impfzentrum für den Werra-Meißner-Kreis in Eschwege seinen Betrieb auf. Ab Anfang April, konkret nach Ostern, durften auch die Hausärzte die Vakzine verabreichen. Und ab der zweiten Juniwoche können auch Betriebsärzte gegen Covid-19 impfen. (sff)

Unsicherheit und Unmut nach Empfehlung zur Kreuzimpfung gegen Corona

Nach der Corona-Erstimpfung mit dem Vektor-Impfstoff Astrazeneca soll künftig ein anderes Präparat als Zweitimpfung verabreicht werden. Dies wurde Ende vergangener Woche aus Berlin empfohlen, damit die Menschen stärker gegen die Delta-Variante gefeit sind. Das hat zu Unsicherheit und Unmut geführt.

Unsicher sind die Menschen, die zuerst mit Astrazeneca geimpft wurden. Und jene, die nun zu einem anderen Impfstoff greifen sollen, müssen erst sehen, ob sie davon auch genügend haben. „Die Politik verursacht in den Praxen ein Chaos“, schimpft Dr. Klaudia Ress, Allgemeinmedizinerin in Hessisch Lichtenau und Vorsitzende des Ärztebündnisses Werra-Meißner.

Für den Impfstoff Biontech stünden in ihrer Praxis noch rund 100 Patienten auf der Warteliste. Von Astrazeneca habe sie gerade einem Drittel der Zweitimpfungspatienten die Spritze gegeben, für die anderen Zweidrittel seien bereits die Termine noch für diesen Monat gemacht. Nun sollen diese auch Biontech bekommen, erläutert die Hausärztin. Wer neun Wochen schon auf die zweite Impfung gewartet habe, „ist jetzt verunsichert, mit was er sich impfen lassen soll“, äußert sie vollstes Verständnis für ihre Patienten.

Außerdem ärgert sie sich, dass sie jetzt aufgrund der politischen Äußerungen wohl auf Astrazenenca sitzen bleibt. Der Impfstoff ist nämlich, da die Impfungen jetzt stattfinden sollten, bereits geordert. Bisher sei in ihrer Praxis alles verimpft worden, egal welcher Impfstoff es war, und man habe keine Dosis verfallen lassen müssen.

Sonderimpfaktion im Impfzentrum in Eschwege musste abgesagt werden

Das Impfzentrum des Landkreises in Eschwege wurde ebenfalls von der Empfehlung zur Kreuzimpfung kalt erwischt. Nicht nur, dass sofort die Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt und die für diese Woche geplante Fortsetzung der Sonderimpfaktion abgesagt werden musste. Seit Anfang der Woche dürfen nach den neuesten Anweisungen des Landes Hessen keine Bürger mehr ihren zweiten Piks im Impfzentrum erhalten, die für den ersten beim Hausarzt waren.

Wie Kreissprecher Jörg Klinge weiter mitteilte, dürfe nach dieser Regelung Astrazeneca auch nicht mehr für eine Erstimpfung genutzt werden. Und wer zunächst mit Astrazeneca geimpft wurde, könne sich nun für den zweiten Piks einen mRNA-Impfstoff, also Biontech oder Moderna, wünschen. Ist davon überhaupt genügend vorhanden? Es werde eine „sehr passgenaue Geschichte“, antwortet Kreissprecher Klinge. Im Impfzentrum sei nun ein „bisschen Strecken zur Decke“ angesagt.

Außerdem hat das Land seiner Mitteilung zufolge jetzt festgelegt, dass nach einer ersten Impfung mit Astrazeneca die zweite Spritze erst nach zwölf Wochen erfolgen darf – auch wenn es sich dann beim Zweitimpfstoff um Biontech oder Moderna handelt. An diese Regelung müsse sich das Impfzentrum halten, für die Hausarztpraxen gelte diese Vorgabe allerdings nicht. (Stefan Forbert und Fabian Becker)

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