Ausbildung

Fast so viele Bewerber wie offene Stellen im Werra-Meißner-Kreis

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Berufliche Schulen Witzenhausen, Schnuppertag der Johannesberg-Schule der Klasse 7, Sahera Smoki, Fenja Peter, Sarah Range, Chantal Müggenburg, Marie Stakelies

Witzenhausen. Wie lassen sich junge Leute für Ausbildungsberufe begeistern, damit auch in der Zukunft so wenig wie möglich Plätze unbesetzt bleiben? Mit dieser Frage beschäftigen sich auch die Beruflichen Schulen in Witzenhausen.

Die Ursachen

Ein Problem sei, dass für die Gesellschaft eine Ausbildung immer noch nicht gleichwertig ist mit einem Studium, sagt Schulleiterin Elisabeth Franz. Das sei oft auch in den Köpfen der Eltern und Schüler verankert. „Die Gleichwertigkeit deutlich zu machen ist auch eine politische Aufgabe“, fügt Franz hinzu.

Uwe Goldbach, der unter anderem die Abteilung für berufsbildenden Unterricht der Mittelstufenschule leitet, erklärt, dass es oft Defizite bei Schülern gibt, die sie hemmen. „Gerade Schüler mit Hauptschulabschluss sind oft noch jung und wissen nicht, wie sie sich Unternehmen richtig präsentieren sollen“, sagt er.

Eltern strebten außerdem oft weiter, damit ihre Kinder das Bestmögliche erreichen – das sei auch richtig, so Goldbach, aber sie sollten auch die Alternativen zu Abitur und Studium im Blick haben. Für viele sei auch die Mobilität ein Knackpunkt, so Franz: Im ländlichen Raum gibt es zwar Betriebe, die ausbilden, aber wenn die Berufsschule weit weg liegt, ist das für manche eine Hürde. „Betriebe sollten junge Leute stärker für ihre Aufgabenbereiche motivieren. Das passiert im Augenblick noch zu wenig“, findet Jörg Schmelting, Abteilungsleiter des Beruflichen Gymnasiums und der Fachoberschule.

Ein weiterer Grund, warum viele Ausbildungsstellen frei sind: Es gibt immer wieder Abbrecher.

„Gerade in der Probezeit gibt es häufig Probleme“, so Franz. Manche seien im Betrieb zufrieden, bekämen allerdings in der Berufsschule Probleme – das führe immer wieder zum Ausbildungsabbruch.

Die Lösungsansätze

Goldbach berichtet von Auslandspraktika, die die Beruflichen Schulen anbieten: „Ich finde, da sollten die Betriebe mitziehen – es ist attraktiv für die Auszubildenden und bringt ihnen Erfahrung. Davon profitieren auch die Betriebe.“

Junge Leute über den richtigen Kanal anzusprechen, hält Goldbach ebenfalls für wichtig. Plakate und Radiowerbung sind für die Generation fast schon antiquiert. „Das Internet bietet viele Möglichkeiten“, betont Franz. Schmelting berichtet, dass etwa 80 Prozent der Gymnasium- und Fachoberschulenabgänger in Betriebe gehen und eine Berufsausbildung machen. „Wir legen großen Wert auf die Berufsorientierung. Natürlich ist da auch eine Studienorientierung mit dabei“, sagt er.

Die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen sei wichtig, um die richtige Berufswahl zu treffen, sagt Sozialarbeiterin Jasmin Grebe. Deshalb macht sie mit den Schülern Bewerbungs- und Vorstellungstraining. „So lernen die Schüler, sich selbst besser einzuschätzen“, sagt sie. Dabei helfen auch Praktika. „Ich erachte es als sinnvoll, dass sich Betriebe, die noch Auszubildende suchen, an die Schulen wenden“, schlägt Grebe vor. So könnten beispielsweise Schnuppertage vermittelt werden.

Auf Ausbildungsmessen präsent zu sein, sei nicht nur für die Schüler, sondern auch für Betriebe wichtig, so Heike Westphal, die unter anderem für die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung in Teilzeit zuständig ist.

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