Frau-Holle-Kräutergarten in Unterrieden

Mit Weinraute, Kapuzinerkresse und Co: Fabian Serr (von links), Margarete Hoffmann-Serr, Florian Serr, Jürgen Serr und der Rest der Familie haben sich den Kräutern verschrieben. Foto: Demmer

Unterrieden. Frau Holle wohnt in Unterrieden - nicht persönlich, aber zumindest ihre Schätze in Form von Stängeln und Blüten stehen dort.

Nach altem Vorbild hat Familie Serr einen Garten angelegt, in dem sich viele seltene Kräuter und Heilpflanzen finden. Hier steht der vitaminreiche Portulak neben Süßdolde, die gut gegen Husten wirkt, und aromatischem Mariengras. Den Namen Frau-Holle-Garten haben sie ihm gegeben, um an die Erdgöttin zu erinern, erklärt Jürgen Serr. Kommendes Jahr soll der Garten für Besucher geöffnet werden.

Auf die Idee, einen Garten mit alten Heilpflanzen anzulegen, kam sein Sohn Fabian. 2008 wurde der familieneigene Betrieb in Unterrieden gegründet, der über einen Internethop und lokale Geschäfte seine Tees vertreibt. Neben den Klassikern wie Grün- und Schwarztee, Kräutertees und Mischungen haben sie auch eine Linie mit Kräutern nach Hildegard von Bingen - der bekannten Äbtissin und Heilkundigen des Mittelalters.

Dazu kommen Großhandel und Beratung der Landwirte, die die Kräuter für das Unternehmen anbauen. Demnächst sollen in Unterrieden zudem in größeren Margen die Tees gemischt und verpackt werden.

Vor zwei Jahren brachte Jürgen Serr, selbst gelernter Gärtner, dann aus dem bayerischen Kloster Dietfurt alte Heilpflanzen mit. Dazu wollte Sohn Fabian die Pflanzen, die er vertreibt, auch frisch anbauen. Entstanden ist so ein Garten, in dem viele fast vergessene Pflanzen stehen. Dabei hat sich Familie Serr an drei besonderen historischen Gärten orientiert.

Im Klostergarten finden sich die Pflanzen, die Jürgen Serr aus Bayern mitgebracht hat: Hier stehen unter anderem Hauswurz und Himmelsleiter. Im St.-Gallen-Garten, nachempfunden einer Verfügung Karls des Großen von 820, finden sich zum Beispiel Wermut und Muskatellersalbei. Der Hildegard-von-Bingen-Garten enthält unter anderem Mutterkraut, Ysop und Portulak. „Sie hat die Weisheiten des Volkes wertgeschätzt“, beschreibt Serr die Heilkundige. Neben Klosterwissen habe sie das Volk nach alten Heilmethoden befragt. Ein Erfahrungsschatz, den die Serrs gerne erhalten und weitergeben wollen. „Wir möchten Informationen über Kräuter und die Region geben. Und darüber, was die Brüder Grimm an Schätzen in der Region gefunden haben“, sagt Jürgen Serr.

Zugleich dient ihnen der Garten aber auch als Versuchsstätte. So baut Margarete Hoffmann-Serr hier Primeln an, die unter anderem gut für die Atemwege sind. An anderen Pflanzen wird getestet, wie sie am besten gedeihen, um mit diesem Wissen dann die Bauern, die für die Teemanufaktur die Heilpflanzen anbauen, zu beraten.

Fertig ist der Frau-Holle-Garten übrigens noch nicht. Im kommenden Jahr sollen noch Bäume und Büsche mit Heilwirkung, wie Holunder, dazu kommen.

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