Rektoren für Lernen vor Ort

Im Werra-Meißner-Kreis herrscht Freude über Rückkehr zur Schule

Präsent: Schüler bis zur Klasse 6 sind schon wieder im Wechselunterricht in der Schule. Hier in der Königstorschule in Kassel. Jetzt sollen Schüler ab Jahrgang 7 folgen.
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Präsent: Schüler bis zur Klasse 6 sind schon wieder im Wechselunterricht in der Schule. Hier in der Königstorschule in Kassel. Jetzt sollen Schüler ab Jahrgang 7 folgen.

Mindestens an einem Tag pro Woche sollen alle Schüler in Hessen wieder in die Schule gehen. Diese Ankündingung von Kultusminister Lorz sorgt im Werra-Meißner-Kreis für Erleichterung.

Werra-Meißner – Noch vor Ostern, genauer ab 22. März, sollen wieder alle Schüler in Hessen an mindestens einem Tag pro Woche in der Schule unterrichtet werden. Das teilte Kultusminister Alexander Lorz am Dienstag mit. Bei Schulleitern im Werra-Meißner-Kreis stößt das auf Unterstützung, aber auch auf Verwunderung über den plötzlichen Richtungswechsel.

Das Ministerium

Ziel sei, alle Schüler vor Ostern wieder in ihre Schulen zu bringen. Zudem sollten sich Lehrer über den Lernstand der Kinder ein Bild verschaffen können, so Lorz. Zurzeit gibt es Wechselunterricht für die Jahrgänge 1 bis 6 sowie eine generelle Maskenpflicht im Unterricht. Im Distanzunterricht werden Schüler ab Jahrgang 7, im Präsenzunterricht alle Abschlussjahrgänge unterrichtet.

Nach Ostern komme bei einem Inzidenzwert unter 100 der „große Öffnungsschritt“, so Lorz. Grundschulen sollen dann in einen eingeschränkten Regelbetrieb zurückkehren – so wie er bis 15. Dezember stattgefunden hat. Notbetreuungen wird es dann nicht mehr geben. Alle anderen Jahrgänge ab Klasse 5 lernen im Wechselunterricht.

Lorz erwartet, dass es nach Ostern für Schüler und Lehrer Corona-Selbsttests gibt. Dann sollen auch Lehrer weiterführender Schulen Impfangebote erhalten. Jetzt werden 30 000 Lehrer und schulisches Personal an Grund- und Förderschulen geimpft.

Die Schulen

„Im Sinne der Schüler macht es Sinn, die Schule im Wechselmodell zu besuchen, damit die Lernenden stückweise in den Schulalltag zurückkehren können. Jedes Kind muss mitgenommen werden“, sagt Björn Faupel, Leiter der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau. Dort wurden mehrere Modelle besprochen und vorbereitet. „Trotz Schwierigkeiten der kurzfristigen Organisation ist es ein Modell, was die Schule mittragen kann. Steigende und fallende Zahlen erfordern nun einmal flexible Entscheidungen“, so Faupel.

Es sei eindeutig die richtige Entscheidung, noch vor den Osterferien zurückzukehren, sagt auch Andreas Hilmes, Leiter der Johannisbergschule in Witzenhausen. Die meisten Schüler seien seit Dezember nicht in der Schule gewesen. Je länger es nur Distanz-unterricht gebe, desto schwerer werde es für die Jugendlichen und ihre Eltern, den Anforderungen von Schule und Beruf gerecht zu werden. „In der Schulgemeinde überwiegt nach meiner Wahrnehmung klar die Freude“, sagt Hilmes. Gleichwohl sorgten sich viele in Zeiten steigender Inzidenzen. „Der Unterricht im Wechselmodell, bei dem in der Regel je die Hälfte der Klasse in der Schule anwesend ist, hilft aber sehr dabei, die Menschen in der Schule zu schützen, das Halten von Abstand ist damit viel leichter möglich.“ Zudem hoffe man drauf, dass auch die Lehrer weiterführender Schulen schnell geimpft werden.

Auch für die Ernst-Reuter-Schule in Neu-Eichenberg ist die Öffnung laut Leiterin Michaela Rabe gut. Von derzeit 92 Grundschülern seien täglich 46 Schüler im Präsenzunterricht und etwa 25 Kinder in den Notgruppen. „Der organisatorische Aufwand im Wechselmodell ist enorm“, sagt Rabe. Gerade für Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten oder Problemen im sozial-emotionalen Bereich sei der Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht schwierig. Dank des Impfangebots für die Grundschulmitarbeiter, kleiner Klassen und geeigneter Räume ist Rabe zuversichtlich, dass die Öffnung gut funktionieren wird. Die Kopplung an die Inzidenz sei richtig. „Ich erwarte aber, dass im Fall einer erneuten Schließung wieder mit vielen Notbetreuungskindern zu rechnen wäre, da unsere Elternschaft zu hohem Prozentsatz berufstätig ist und die Kinderkrankentage längst aufgebraucht sind.“ Entlastung böten möglicherweise geimpfte Großeltern.

Unerwartet und überraschend finden die Eschweger Schulleiterinnen Ute Walter von der Brüder-Grimm-Schule und Kerstin Ihde von der Anne-Frank-Schule den Kurswechsel des Kultusministeriums, da es noch in der vergangenen Woche hieß, es werde nichts verändert. Dass die Schüler dringend wieder in die Schule müssten, darin sind sich aber beide einig. „Die Schüler haben zwar durch die Pandemie im digitalen Bereich Kompetenzen fürs Leben erworben, aber natürlich fehlt die soziale Komponente“, sagt Ihde.

Die Rückkehr zum Präsenzunterricht sieht auch Ekkehard Götting, Schulleiter der Beruflichen Schulen Eschwege, als dringend notwendig an. Die Umsetzung sei aber sehr schwierig. „Hier wurde nicht an berufliche Schulen gedacht.“ Mit dem Präsenzunterricht der Abschlussklassen, etwa 400 der knapp 1200 Schüler, seien die Räume schon jetzt gut ausgelastet, da die Klassen auf verschieddene verteilt wurden, um Abstände einhalten zu können.

Die Lehrerverbände

Skeptisch äußern sich Lehrervertreter. Boris Krüger vom Lehrerverband Hessen sagt: „Wir hatten uns erhofft, dass auch Lehrer der weiterführenden Schulen während der Osterferien geimpft werden können. Dann hätte man Mitte April mit gutem Gewissen in den Präsenzunterricht starten können.“  (fst/chr/mai)

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