Feier in den Straßen der Altstadt und ein Konzert am Stadtgraben

Erntefest: Trotz Pandemie herrscht Frohsinn in Bad Sooden-Allendorf

An einer langen Tafel sitzen von links Melanie Geilfuß, Bruno Paschkowski, Lothar Sikora, Emmily Kobusch, Ralf Bremser, Axel Gottsleben, Sina Werner, Matthias Vogeley, Ute Jung und Sigi Vogeley.
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Erntefest an langer Tafel feiern: Melanie Geilfuß (von links), Bruno Paschkowski, Lothar Sikora, Emmily Kobusch, Ralf Bremser, Axel Gottsleben, Sina Werner, Matthias Vogeley, Ute Jung und Sigi Vogeley.

Wer geglaubt hatte, die Erntefest-Fans in Allendorf ließen sich durch die Coronapandemie ins Bockshorn jagen, sah sich am Wochenende eines Besseren belehrt. Trotz vieler Einschränkungen, die den „Feierbiestern“ Rummelplatz, Festzelt und den „Nationaltanz“ Triolett entzogen, gab’s schon zum Festauftakt am Freitag viel Spaß und Frohsinn auf den zum Teil prächtig geschmückten Straßen und Gassen – auch rund um den Marktplatz, der von der mächtigen Erntekrone beherrscht wird.

Bad Sooden-Allendorf – Gestört wurde diese Optik freilich durch die rot-weißen Flatterbänder, mit denen die beteiligten Gastronomen „ihr“ Terrain wie eine Baustelle abgegrenzt hatten, um in diesen schwierigen Zeiten allzu nahen Kontakten zwischen den Menschen einen Riegel vorzuschieben.

Einer solchen behördlichen Anordnung, die nach dem zweiten oder dritten Glas Bier vielleicht nicht mehr so stark ins Gewicht gefallen ist, entgingen die Erntefestler in den angrenzenden Straßen. Dort waren häufig die Bierzeltgarnituren zu einer langen Tafel zusammengeschoben. Vielfach bei Hintergrundmusik aus dem CD-Wechsler oder einem Grill in Reichweite delektierten sich in trautem Beisammensein Jung und Alt an diversen alkoholischen oder Getränken ohne Blaumacher.

So auch in der Ackerstraße im Zentrum der Altstadt, wo unter Wimpelketten, Fahnen und Girlanden Nachbarn und Hausgemeinschaften das Straßenfest schon sei 40 Jahren feiern, wie Inge Scharff sich erinnert. Sie weiß das deshalb so genau, weil ihr späterer Mann bei der Premiere Erntekranzträger gewesen ist.

Mit am Tisch auch Lothar Sikora. Der 26-Jährige war mit Bus und Bahn aus Dortmund angereist, machte zum zweiten Mal in Folge das Fest mit und freute sich über was ganz anderes noch viel mehr: das Wiedersehen mit seiner Freundin Emmily (21), mit der er seit anderthalb Jahren eine Fernbeziehung führt.

Erst nach 2 Uhr morgens verkrümelten sich die letzten Standfesten ins Bett, verrät Sigi Vogeley, womit der Rekord aus dem Vorjahr nicht gebrochen wurde: Da wurde es draußen schon hell.

Apropos: Hell war die Freude bei den vielen Zuhörern am Freitagabend im Soundgarten am Stadtgraben. Auf der großen Bühne lieferten die verschiedenen Musikformationen der evangelischen Kirchengemeinde St. Crucis ein fabelhaftes Konzert ab, das sie laut Maestro Maximilian Göllner „unter schwierigen Bedingungen mit eiserner Disziplin“ fünf Wochen lang vorbereitet hatten.

Passend zur Pandemie-Zeit, waren die musikalischen Darbietungen eingerahmt durch die Titel „Wie ein Fest nach langer Trauer“ und – übersetzt aus dem Englischen – „Die Freiheit kommt“. Stadtkantorei und Freiluft-Ensemble unter der Piano-Begleitung von Göllner sowie der Posaunenchor, dirigiert von dessen Ehefrau Elena, zogen alle Register ihres Könnens.

Mit schwungvollen Melodien sorgten die mehr als 50 Akteure für gute Laune oder verbreiteten Gänsehautgefühl, wie etwa mit „You raise me up“. In die gängigen Volkslieder stimmte das Publikum gern ein. „Ich fand’s fantastisch“, so das Urteil nicht nur von Pfarrer Hubertus Spill, der eingangs den tieferen Sinn des Konzertes angesprochen hatte: „Kraft, Freude und Zuversicht geben.“ (zcc)

Auftritt in den Stadtfarben: Die Sangeskünstler, bei denen die Frauen deutlich in der Überzahl waren, hatten sich zum Erntefest natürlich in Rot-Blau gekleidet.

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