Lesung in Witzenhausen

Grenzsoldat berichtet von geheimer Betonröhre bei Asbach

Agentenschleuse: Auch bei Wendehausen (Thüringen) gab es ein Schlupfloch in den Westen. Foto: Archiv

Witzenhausen. Paul Küch, damals Gefreiter der DDR-Grenztruppe, las beim Geschichtsverein Witzenhausen aus seinem Buch "Ich hatte Schießbefehl".

„Wir sahen nur die Fahrzeuge ins Sperrgebiet fahren und irgendwann wieder rauskommen. Was da vor sich ging, blieb uns verborgen.“ Das sagte der frühere Gefreite der DDR-Grenztruppe und Buchautor, Paul Küch, jetzt bei einer Veranstaltung des Geschichtsvereins im Haus Hildegard in Witzenhausen. Der Grenztruppe war lediglich der Zeitpunkt von Aktionen bekannt, ansonsten hatte sie sich fern zu halten.

Küch, Jahrgang 1963, las aus seinem Buch „Ich hatte Schießbefehl“ (Laumann-Verlag Dülmen, 19,80 Euro). Und er schilderte - für die Zuhörer spannend - seine Ausbildungszeit in Eisenach und seinen Grenzdienst zwischen Kella und Sickenberg.

So genannte operative Schleusungsstellen für die Stasi wurden bald nach dem Fall der Grenze 1989/1990 auch an der thüringisch-hessischen Zonengrenze entdeckt und dokumentiert. Im Grenzmuseum Schifflersgrund ist beispielhaft ein ausgeschnittenes Gitter zu sehen.

Nach Medienberichten, die in Thüringen erschienen sind, gab es auf Befehl von Stasi-Chef Erich Mielke im Bereich jedes Grenzregimentes entsprechende Vorkehrungen. Zitiert wird der einstige Grenztruppenangehörige Andreas Rudolph aus Wüstheuterode, der nach der Wende noch 22 Jahre bei der Bundespolizei diente. In den 1980er-Jahren sei in der Schleuse reger Betrieb gewesen. Eine Stelle im Bereich Asbach-Sickenberg habe sich regelrecht angeboten.

Der konkrete Standort lag zwischen Sickenberg und Wahlhausen. Von hier, so der Zeitzeuge, konnten Stasi-Mitarbeiter schnell verschwinden - im Bahnhof oder im Kurviertel in Bad Sooden-Allendorf. Dabei sollen Personen aus Hessen mit West-Autos geholfen haben.

Anzunehmen, dass MfS-Mitarbeiter mit Aufträgen im Westen durch die Röhre nach Hessen schlüpften. Weniger wahrscheinlich ist ein Austausch von Agenten aus den Staaten von Warschauer Pakt und Nato. Als klassischer Austauschort ging hier die Glienicker Brücke bei Berlin in die Geschichtsbücher ein - ein Relikt des Kalten Krieges. (wke)

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