Im Frühling blüht die Kakaopflanze im Tropengewächshaus

Witzenhausen. Draußen blühen Krokusse und Veilchen, drinnen die Kakaoblüte und die Bananenpalme. Mit den längeren Tagen und der größeren Sonneneinstrahlung stellt sich auch bei den tropischen Nutzpflanzen im Tropengewächshaus in Witzenhausen der Frühling ein.

Mit dem technischen Leiter des Hauses, Rainer Braukmann, gingen wir einmal von den gemäßigten Breiten Witzenhausens nach Italien, in die Bergregion des tropischen Hochlands bis hinein ins tropische Tiefland.

Subtropen 

Wir befinden uns in den Subtropen. Braukmann deutet auf den Stamm einer Papaya, bei der die Ansätze der Blätter Aufschluss über das Wachstum geben. „Im Sommer wächst der Stamm stark, zwischen den Blattansätzen sind gleichmäßige Abstände und die Blätter sind klein und stabil.“ In den Wintermonaten gehe die Pflanze auf Reserve und der Stamm sieht gestaucht aus (Bild oben). Gegenüber bei den Zitruspflanzen ist der Frühling deutlich erkennbar: man sieht neues Blattmaterial, Triebe und Blüten, aber auch die Früchte hängen schon bereit zur Ernte.

Tropisches Hochland

Auch im tropischen Hochland zeigen sich erste Frühlingsmerkmale. In den Blattachsen der Kaffeepflanze entdeckt man die ersten Blütenknospen. Drei Kaffeesorten stehen im Kaffeehaus - jede wächst unterschiedlich, was sich zum Beispiel an der Größe der Blätter bemerkbar macht.

Mit dem Anbau des Reisbeckens am Ende des Hochlandbereichs muss noch gewartet werden: „Es braucht schon beim Anbau viel Licht“, sagt Braukmann.

Ganz anders gestaltet es sich beim Kakao, hier sind die Blüten bisher rar, dafür hängen schon Früchte bereit. Vereinzelt stechen einem rötliche Blätter ins Auge - die Neuaustriebe sind ganz zart. „Die Blüten werden demnächst bestäubt“, sagt Braukmann.

Tropisches Tiefland 

Im tropischen Tiefland ist das Bananenwachstum schon in vollem Gange, sie bilden neue Blätter. Wird es wärmer, kommen die Knospen zum Vorschein. Und auch der Bambus schiebt bereits neue Triebe. „An fast allen Pflanzen erkennt man den Frühling“, sagt Braukmann. Wer sich davon überzeugen will, sollte einfach mal vorbeikommen.

Mit Tricks durch die Jahreszeiten 

Die Übergänge zwischen den Jahreszeiten sind die spannendste Zeit im Tropengewächshaus, sagt Rainer Braukmann. Eine Herausforderung, der sich die Mitarbeiter im Tropengewächshaus stellen: „Man kann sich hier einfach über die Natur freuen, aber auch etwas über den Klimawandel lernen.“

Während sich im Frühling die Blumen im heimischen Vorgarten flexibel den natürlichen Voraussetzungen anpassen, sind die tropischen Pflanzen im Gewächshaus auf eine besondere Pflege angewiesen: Sie brauchen wesentlich mehr Licht und damit auch Wärme, als sie von der Sonne über Witzenhausen bekommen.

Anderes Licht gewohnt 

Braukmann erklärt, in den Tropen teile sich der Tag auf in zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht. Zwölf Stunden Helligkeit könne man den Pflanzen im Winter in unseren Breitengraden aber nicht bieten - auf maximal acht Stunden Helligkeit komme man. Da die tropischen Pflanzen ihrer Genetik nach auf höhere Lichtmengen gepolt sind, müssen die Gärtner und Biologen des Gewächshauses nachhelfen.

Rainer Braukmann

Statt unbezahlbarer Licht- oder Wärmezufuhr schauen sie, dass die Pflanzen auch mit wenig Licht gleichmäßig wachsen. Deshalb werden sie in einen Winterschlaf versetzt: Die Temperatur wird auf ein Minimum heruntergedreht und sobald die Sonne sich zeigt, erwärmt sich das Gewächshaus automatisch. Je näher die Umgebung der Pflanze ihren natürlichen Bedingungen ist, desto besser baut sie sich auf, sagt Braukmann.

Nach dem Witterungsverlauf richtet sich auch der Arbeitsaufwand. Die Eingriffsmöglichkeiten sind zwar beschränkt, aber vielfältig - vom Schattieren, über das Gießen bis hin zum Lüften ist Optimierung möglich. Jetzt im Frühjahr sind Wärme und Helligkeit das Wichtigste.

Besonders wichtig sind die Sonnentage, sagt Braukmann. „Lieber ein kalter Winter mit fünf Grad und Sonne als ein milder Winter ohne Sonne.“ Raum- und Bodentemperatur spielten dabei zusammen. Denn ist der Boden warm, nimmt die Pflanze gerne Wasser auf und damit auch die darin enthaltenen Nährstoffe.

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