Ziel ist mehr Gleichberechtigung

Für bessere Gesellschaft: Verein aus Witzenhausen kämpft gegen das Patriarchat 

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Im Einsatz für eine bessere Welt: Die Mitglieder des Vereins „Gesellschaft in Balance“ mit Gandalf Lipinski (ganz links), Eva-Maria Gent (5. von links) und Amba Finis (7. von links) bei der Jahreshauptversammlung. Sie streben ein harmonisches Miteinander von Menschen, Tieren und Natur an.

Eine Gesellschaft, in der sich niemand über den anderen erhebt und jeder selbstbestimmt leben kann. Das ist das Ziel eines neuen Vereins aus Witzenhausen.

Dafür wollen sich rund 30 Personen einsetzen, die im Mai 2018 im Witzenhäuser Ortsteil Dohrenbach den Verein „Gesellschaft in Balance“ gegründet haben und zwischen Kassel, Göttingen und Bad Gandersheim aktiv sind.

Ihr Ziel ist der Kampf gegen das Patriarchat, das die Gruppe als „Herrschaft von Menschen über Menschen“ versteht, sagt Vorsitzende Eva-Maria Gent. Die Gruppe wolle dagegen matriarchale Gesellschaftsentwürfe verwirklichen, die auf Gemeinschaft und Kooperation zwischen den Generationen beruhten. Alle Mitglieder sollen gleichgestellt sein. Im Mittelpunkt sollen Mütter als Ursprung menschlichen Lebens und ihre Kinder stehen – sie sollen besonders unterstützt werden. „Statt Frauen auf den Aufstieg im Patriarchat zu orientieren, streben wir den Ausstieg von Frauen und Männern aus dem Patriarchat an“, so der Vorstand.

Das klingt radikal, soll aber vor allem durch Umdenken erreicht werden. Der Verein will dazu anregen, zu hinterfragen, ob traditionelle Gesellschaftsbilder noch zeitgemäß sind. „Früher war Blutsverwandtschaft wichtig“, sagt Vorsitzender Gandalf Lipinski. Heute sei es sinnvoller, auf „Wahlverwandtschaften“ zu setzen – also sich die Menschen auszusuchen, mit denen man sich umgibt. Das biete eine andere Stabilität als die Kleinfamilie und sei vor allem für Alleinerziehende wichtig, sagt Lipinski.

Der Verein setzt auf Bildungsarbeit, er bietet Seminare und Vorträge über das Patriarchat, aber auch Kurse zu Selbsterfahrung an. 400 Teilnehmer seien im ersten Jahr zu den 24 Veranstaltungen gekommen. Während es 2018 vor allem darum ging, die Teilnehmer grundlegend über patriarchale Strukturen zu informieren, sollen ab diesem Jahr Lösungen und Auswege gefunden werden.

Zudem wollen die Mitglieder den Aufbau von Mehrgenerationen-Projekten unterstützen und politische Lobbyarbeit leisten. Ein erster Schritt ist eine Bundestags-Petition, die sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen für Müttern von Kleinkindern (bis vier Jahre) einsetzt. „Ihr Glück darf nicht vom Vater abhängen“, findet Gent. Mütter sollten sich frei entscheiden können, ob sie vier Jahre bei den Kindern bleiben oder ob sie arbeiten und vom Grundeinkommen ihre Kinder betreuen lassen wollen. Damit der Bundestag das Thema diskutiert, müssten 50.000 Menschen binnen vier Wochen unterschreiben. Ob die Petition im Herbst starten soll, ist noch offen.

Die meisten Mitglieder kennen sich von den Frauenkongressen, die ab 2011 in Hübenthal stattfanden, sagt Amba Finis vom Vorstand. Dabei sei den Frauen klar geworden: Gesellschaft könne nur verbessert werden, wenn man die Männer ins Boot hole. Jetzt sind ein Drittel der Vereinsmitglieder Männer, die meisten Aktiven sind zwischen 50 und 60. „Im Ruhestand ist die Zeit da, sich zu engagieren’“, sagt Gent. „Ich mache das für meine Kinder.“ 

Verein plant Frauen- und Männerkongress im Mai 2020

Aus Vorträgen, Workshops, Ritualen sowie Frauen- und Männerkreisen besteht der erste große Kongress des Vereins „Gesellschaft in Balance“. Er findet vom 30. April bis 3. Mai 2020 im Tagungshaus Lebensbogen an den Helfensteinen auf dem Dörnberg bei Zierenberg (Landkreis Kassel) statt. 

Willkommen sind alle, die sich für eine bessere Gesellschaft einsetzen und das eigene Leben selbstbestimmt, gemeinsam und nachhaltig gestalten wollen. Auch Kinder sollen beim Kongress einbezogen werden. „Wir wollen bewusst und erfahrbar machen, dass Mütter und Kinder das Zentrum unseres Lebens sind“, schreiben die Organisatoren in ihrer Ankündigung. Männer und Frauen sollen dann jeweils unter sich diskutieren, „dann trauen sie sich mehr“, sagt Gent. Danach gibt es gemeinsame Gespräche für alle. 

Die Teilnahme kostet 295 Euro, es gibt Frühbucherangebote. Unterkunft und Verpflegung kosten extra. Weitere Infos gibt es hier.

Anmeldung: Kai Bergengruen, Tel. 0 55 63/99 99 81, E-Mail: anmeldung@gesellschaft-in-balance.de

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