Nachts kann schon mal die Polizei anrufen

Einer von 110: Lucas Mangold engagiert sich im Werra-Meißner-Kreis als Ortslandwirt

Weidenhausens Ortslandwirt Lucas Mangold sitzt in seinem Traktor mit dem Handy am Ohr und aufgeklapptem PC neben sich.
+
Die Technik macht’s möglich: Nicht nur für seine Aufgaben als Ortslandwirt von Weidenhausen benötigt Lucas Mangold kein Büro – sogar während der Arbeit kann er vom Traktor aus telefonieren und programmieren.

Auch nachts um halb eins ruft schon mal die Polizei an. Diese Erfahrung hat Bauer Lucas Mangold gemacht, weil er sich bereits im sechsten Jahr auch als Ortslandwirt engagiert. Die Ordnungshüter bitten dann um schnelle Hilfe, wenn beispielsweise mal wieder Rinder aus einer Weide ausgebrochen oder auch Pferde abgängig sind.

Meißner-Weidenhausen – Aber auch, wenn in der Gemarkung seines Dorfes – in diesem Fall der Ortsteil Weidenhausen der Gemeinde Meißner – eine landwirtschaftliche Fläche verkauft werden soll, wird Lucas Mangold als Ortslandwirt gefragt. Denn in diesen Fällen wird den Landwirten ein Vorkaufsrecht eingeräumt, damit es in landwirtschaftlicher Nutzung bleiben kann. „Ich muss dann die Kollegen informieren“, beschreibt Mangold seine Aufgabe.

In seinem Fall sind das noch zwei Nebenlandwirte im Ort, die er auch sonst über alle möglichen Neuerungen in Sachen Landwirtschaft unterrichtet. Mangold selbst wird wie alle anderen – derzeit insgesamt 110 Ortslandwirte – im Werra-Meißner-Kreis bei einer einmal im Jahr stattfindenden Versammlung im Winter von Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann als zuständigem Dezernenten des Kreises und Vertretern des Fachbereichs Landwirtschaft über alle aktuellen Themen informiert. Dabei geht es dann auch darum, eine gemeinsame Stimme im Interesse der Landwirtschaft zu erheben, lässt Mangold durchblicken.

Das ist beispielsweise aktuell beim Thema Suedlink der Fall gewesen. Die Megastromtrasse trifft ihn sogar selbst, da sie genau durch die Gemarkung Weidenhausen verläuft.

„Ich bin selbst mit vielen Flächen betroffen“, sagt Mangold. Ihm wäre es lieber, wenn die dicken Erdkabel hier nicht verlegt würden, weil die zerstörten Schichten im Untergrund nie mehr so genau hergestellt werden könnten wie sie waren und zudem Verdichtungen den Wasserfluss verhinderten. Er habe auch schon mehrmals Einspruch eingelegt, sagt er – rechnet aber damit, dass „die das sowieso machen“. Deshalb gehe es jetzt eher um genügend Entschädigung – nicht nur für das Jahr des Bauens, sondern auch für die Zukunft, da der bisherige Ertrag auf den betroffenen Bereichen nicht mehr zu erzielen wäre. „Dafür setzen wir uns ein“, spricht er im Namen vieler betroffener Landwirte.

„Man muss sich ja für seinen Berufsstand engagieren“, begründet Mangold denn auch, warum er, als letzter Vollerwerbslandwirt von Weidenhausen, 2016 das Amt von seinem Vater übernommen hat. Und schon sein Opa, meint er, habe es wahrscheinlich innegehabt, so letztlich ebenso erster Ansprechpartner für alle Fragen in Sachen Landwirtschaft im Ort gewesen.

Vor sechs Jahren sei er der jüngste Ortslandwirt im Landkreis geworden, meint der heute 26-Jährige, der damals auch den Familienbetrieb übernommen hat und sich mittlerweile auf Ackerbau konzentriert. Zudem schließt er derzeit noch sein Bachelor-Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Gießen ab. Trotzdem nimmt sich Mangold die Zeit für das Amt des Ortslandwirtes – „das macht man immer so zwischendurch“, wie er sagt. Aber man engagiere sich in dem Beruf, in dem er mehr eine Art Lebensaufgabe sieht, sowieso ständig und sei in Kontakt mit den anderen Landwirten. Durch die neue Technik – da meint er hauptsächlich Mobiltelefon, PC und auch das GPS-Navigationssystem – sei das auch leichter geworden. Lucas Mangold: „Ein gewisser Aufwand ist es schon, aber man macht es gerne“.

17 Ortslandwirte fehlen noch

Wer will Ortslandwirt werden? Aus einigen Orten im Werra-Meißner-Kreis fehlen noch Bewerbungen für dieses Amt. Darauf weisen Vorsitzender Horst Kupski vom Gebietsagrarausschuss beim Kreis und der für Landwirtschaft zuständige Erster Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann, hin. Für die 110 Ortslandwirte endet im Dezember die Amtszeit.

Die Ortslandwirte unterstützen die Verwaltung unter anderem beim Grundstücksverkehrsgesetz, in Angelegenheiten der Agrar- und Marktstruktur und fungieren als Ansprechpartner für den landwirtschaftlichen Berufsstand. Dafür erhalten sie eine Aufwandsentschädigung von 100 bis 150 Euro im Jahr, bei ganz großen Bezirken von bis zu 250 Euro. Knapp 25 000 Euro gibt der Landkreis jährlich dafür aus, erhält das Geld aber vom Land erstattet.

93 Ortslandwirte bekundeten bereits ihr Interesse, von 2022 bis 2026 weiterzumachen. Allerdings fehlen aus einigen Orten noch Bewerbungen.

Wenn es in einem Ort keinen Interessenten gibt, müsse der Gebietsagrarausschuss den Amtsbezirk auflösen und einem anderen Ort mit Ortslandwirt zuschlagen. Folge wäre, dass landwirtschaftliche Informationen nicht von direkt Ortsansässigen, sondern von Berufskollegen, die sich womöglich nicht so umfassend in der Gemarkung auskennen, gegeben werden. In den Orten, in denen nur eine Person Interesse an dem Amt oder der Stellvertretung bekundet hat, wird diese benannt. Wo mehrere Menschen am Amt des Ortslandwirts Interesse haben, wird der Fachdienst gesondert wählen lassen. Das ist aktuell schon mindestens in sieben Wahlbezirken der Fall, weil sich Amtsinhaber und weitere Interessenten gemeldet haben.  (sff)

Kontakt: Wer Interesse an Amt oder Stellvertretung hat, soll sich bis zum 13. August melden bei Michael Schütz im Fachbereich Landwirtschaft in Eschwege-Oberhone, Tel. 0 56 51/ 3 02 48 11 oder per E-Mail: michael.schuetz@werra-meissner-kreis.de.

Sie wollen mehr aus der Region erfahren? Dann testen Sie das ePaper der HNA zwei Wochen gratis. Sie sind eher an Neuigkeiten aus dem Raum Eschwege interessiert? Dann können Sie das ePaper-Angebot der Werra-Rundschau ebenfalls kostenlos testen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.