Für ihn schließt sich ein Kreis

Vom Praktikant zum Chef: Jürgen Heldmann leitet die Polizeistation Witzenhausen

Kehrte zu den Wurzeln seiner Polizeiausbildung zurück: Jürgen Heldmann absolvierte sein erstes Praktikum in Witzenhausen. Jetzt ist er Dienststellenleiter.
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Kehrte zu den Wurzeln seiner Polizeiausbildung zurück: Jürgen Heldmann absolvierte sein erstes Praktikum in Witzenhausen. Jetzt ist er Dienststellenleiter.

Seine Polizeikarriere begann als Praktikant in Witzenhausen - jetzt ist Jürgen Heldmann der neue Chef der Polizeistation.

Witzenhausen – „33 Jahre ist mein erstes Praktikum bei der Polizei her“, erinnert sich Jürgen Heldmann. „Das war in Witzenhausen. Und nun bin ich hier Dienststellenleiter. Das hätte ich mir damals wirklich niemals erträumt.“ Damit schließt sich für den Polizeihauptkommissar ein Kreis. Bereits im Juli 2017 kehrte er als Leiter der Ermittlungsgruppe zurück nach Witzenhausen und seit 1. November leitet der 55-jährige Hann. Mündener nun die Polizeistation.

„Mit meinem damaligen Ausbilder in Witzenhausen, Hans-Peter Hofmann, halte ich immer noch Kontakt“, sagt Heldmann. Während des Praktikums sah der damals 22-Jährige den ersten Mord-Tatort seiner Polizeilaufbahn. 1987 war eine 28-Jährige in einer Witzenhäuser Spielhalle erstochen worden. „Das sind natürlich Situationen, die man niemals vergisst.“ Die Tat konnte nie aufgeklärt werden, weiß Heldmann.

Im September 1988 schloss Heldmann seine Ausbildung bei der Hessischen Polizei ab. Seine ersten Arbeitsjahre verbrachte er in Mühlheim am Main, 1998 zog es ihn dann nach Kassel. Dort arbeitete er knapp 20 Jahre im Streifendienst, „die vielleicht aufregendste Zeit meiner Laufbahn“, wie er selbst sagt.

Einen Fall dieser Zeit wird Heldmann ebenfalls nicht vergessen: „Im April 2005 fuhr ein Mann mit seinem Auto Amok durch Kassel und tötete dabei eine Frau.“ Jürgen Heldmann war damals mitten im Geschehen: „Der ist auf meinen Kollegen und mich und direkt zugefahren, wir konnten gerade noch beiseite springen“.

Doch wie geht man mit solchen Eindrücken um? Die Erlebnisse mit der Familie zu teilen sei wichtig. „Alles in sich hineinzufressen, ist auf keinen Fall gut“, sagt Heldmann. Außerdem sei ein Ausgleich Goldwert. „Ich habe jahrelang Fußball gespielt. Außerdem fahre ich sehr gerne Mountainbike. Dabei bekommt man wunderbar den Kopf frei.“

Was mit dem Beruf einher geht, sind Schichtdienste und spontane Einsätze, über die normale Arbeitszeit hinaus. „Ich kann mich unfassbar glücklich schätzen, dass meine Frau das alles so gut mitmacht“, sagt der dreifache Vater dankbar. „Das ist nicht selbstverständlich.“

Polizist wollte Heldmann schon immer werden. „In der vierten Klasse habe ich einen kurzen Aufsatz darüber geschrieben. Und der Traum hielt sich hartnäckig.“ 45 Jahre später weiß Heldmann: Ein guter Polizist braucht neben Disziplin auch Menschlichkeit. „Das merkt man vor allem dann, wenn einem ein Einsatz etwas näher geht“, sagt er, und denkt dabei zurück an eine ältere Frau, der ein paar Tage vor Weihnachten 300 Euro gestohlen wurden. „Wir haben uns sehr viel Zeit für sie genommen, konnten ihr in diesem Moment aber nicht wirklich weiter helfen. Das hat mich schon traurig gemacht.“

Doch positive Erinnerungen lassen Heldmann immer wieder strahlen, darunter die Fussball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. „Für fünf Wochen war ich in Frankfurt bei den Spielen im Einsatz.“ Zu Eskalationen sei es dabei nicht gekommen. „Wir haben fast vergessen, dass wir im Dienst waren. So ausgelassen war die Stimmung“, schwärmt er.

Ob er in Witzenhausen versuchen wird, den ungelösten Mord von 1987 aufzuklären, kann er jedoch nicht versprechen. (William Abu El-Qumssan)

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