Kommunalwahl am 14. März: Für Kandidaten ist noch Platz

Bereitschaft für Engagement in Ortsbeiräten sinkt im Werra-Meißner-Kreis

Verschiedene Stimmzettel und ein Stimmzettelumschlag für die Briefwahl liegen auf einem Tisch.
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Verschiedene Stimmzettel und ein Stimmzettelumschlag für die Briefwahl liegen auf einem Tisch. Bei der Kommunalwahl werden auch die Ortsbeiräte gewählt.

Derzeit werden für Kreistag, Gemeindevertretung und Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeiräte Kandidaten gesucht. Oft per Gemeinschaftsliste ohne Parteizugehörigkeit, damit es überhaupt eine Wahlliste geben kann.

Werra-Meißner. Anders als früher, wo in einigen Orten Menschen aus verschiedenen Parteien um die besten Listenplätze kämpften, sind heute immer weniger bereit, sich für ihren Ort einzusetzen. Dabei werden für die Kommunalwahl am 14. März 2020 viele Kandidaten benötigt. Wie ist die Lage im Werra-Meißner-Kreis? Wir haben uns umgehört.

In Kleinalmerode ist im Juli aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen Ortsvorsteher Marko Werner zurückgetreten. Er hatte angekündigt, dass sich keins der verbliebenen Ortsbeiratsmitglieder im März 2021 wieder aufstellen lasse. Als Grund wurde seinerzeit neben persönlichen Anfeindungen auch die wenig konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung benannt. Mängel am Bürgerhaus seien seit mehr als zwei Jahren bekannt und würden nicht behoben; Rückmeldungen bekomme man, wenn überhaupt, nur auf Nachfrage. Deshalb sei es wenig lohnenswert sich für den Ort einzusetzen, sagte Werner damals.

Roland Rörster als dritter Ortsvorsteher in der Legislaturperiode nach Angela Veit und Marko Werner hat seine Meinung mittlerweile revidiert und würde für den neuen Ortsbeirat wieder zur Verfügung stehen. Trotz einer Bürgerversammlung, weiteren Aufrufen bei Ortsbeiratssitzungen und auf dem Dorfkanal „nebenan.de“ stellten sich derzeit mit ihm nur vier Bewerber für eine gemeinsame Wahlliste zur Verfügung.

Roland Rörster, Ortsvorsteher von Kleinalmerode

Rörster hat auch weitere Gründe für das Desinteresse der Bürger ausgemacht: Viele Menschen seien heute stark in den Beruf eingespannt und müssen teilweise sehr flexibel, oft mehr als 40 Stunden arbeiten. Wer sich engagieren, sei zusätzlich oft noch in Vereinen aktiv. Zudem hätten viele Leute auf den Dörfern Haus und Garten, die in Schuss gehalten werden wollen. Und nicht zuletzt seien da noch Freunde und die Familie mit Kindern, mit denen man möglichst viel Zeit verbringen möchte. „Neben der knapp bemessenen Zeit leben wir heute in einer Welt, wo jeder den schnellen Erfolg sehen will. Das Bewusstsein, dass man gemeinsam nach einer intensiven Abwägung von Argumenten mehr erreichen kann, ist nicht mehr so ausgeprägt“, findet Rörster. Zudem werde die Dorfbevölkerung immer älter und die über 70-Jährigen wollen sich langsam aus der Verantwortung zurückziehen.

Hermann Mergard, Ortsvorsteher von Velmeden

Ähnliche Probleme gibt es in Velmeden, wo Hermann Mergard in der laufenden Legislaturperiode Susanne Kraus als Ortsvorsteher ablöste. „Trotz Klinken putzen habe ich bisher neben zwei Ortsbeiratsmitgliedern, die weitermachen wollen, erst vier Zusagen von weiteren Einwohnern für eine Gemeinschaftsliste. Keiner will heute mehr Verantwortung übernehmen“, sagt er. Um weitere Kandidaten zu bekommen, will Mergard die Bürger nochmal zu einer Info-Veranstaltung einladen.

Herbert Hoffmann, Ortsvorsteher von Roßbach

Besser sieht es in Roßbach aus: Obwohl vier Ortsbeiratsmitglieder aufhören wollen, haben sich nach persönlicher Ansprache und einem Aufruf durch die HNA bei einer Wahlversammlung elf Leute auf die Gemeinschaftsliste setzen lassen. Ortsvorsteher Herbert Hoffmann bemängelt aber auch den rauher gewordenen Ton bei der Dorfbevölkerung und im eigenen Gremium: „Obwohl man sich für die Bürger einsetzt, gibt es oftmals unsachliche Kritik an der Arbeit des Ortsbeirates.“ (Hartmut Neugebauer)

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