Ökologischer Landbau

Für Kühe gibt’s nur Bio-Futter: Witzenhäuser Studierende erstellen Bauernhof-Konzept

Kühe fressen auf einem Bauernhof Futter, das von heimischen Weiden stammt. Symbolfoto: Carmen Jaspersen/dpa
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Kühe fressen auf einem Bauernhof Futter, das von heimischen Weiden stammt. (Symbolfoto)

Mobile Hühnerhaltung, Hanf, Kompost und Bio-Futter - Witzenhäuser Studierende haben ein Konzept entwickelt, um einen Hof im Vogelsbergkreis biodynamischer zu machen

Witzenhausen – Wie man einen Bauernhof auf biodynamischen Landbau umstellt, dazu hat erstmals eine Gruppe Witzenhäuser Studierender einen Betrieb beraten. Innerhalb eines Jahres erarbeitete die siebenköpfige Gruppe ein Betriebskonzept – unter Coronabedingungen. Betreut wurden sie von Dr. Daniel Kusche.

„Bauer Peter Hamel, der zusammen mit Ehefrau Sabine einen 60 Hektar großen Hof im Vogelsbergkreis bewirtschaftet, ist ein Pioniergeist“, berichtet Kusche. Seit 2005 setzt der Milchvieh-Betrieb auf gentechnikfreies Futter.

2010 stellte das Ehepaar auf Grasfutter um, das reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Nun wollen Hamels ihren Hof an Philipp Eckstein übergeben. Der setzt auf biodynamischen Landbau. Über den Anbauverband Demeter kam der Kontakt zwischen Universität und Hof zustande.

Biodynamischer Hof: Online-Meetings für den Austausch

Kusche und die Studierenden konnten vor Beginn der Pandemie den Betrieb besuchen, mussten sich dann aber auf Kontakte über Zoom, E-Mails und Telefon beschränken. Die Studierenden selbst kamen wöchentlich zu vierstündigen Online-Meetings zusammen.

Im Oktober, vor Beginn des zweiten Lockdowns, waren zudem zwei Wochenend-Seminare auf der Domäne Frankenhausen möglich, dem Versuchshof der Uni. Die Siebener-Gruppe griff für ihre Überlegungen die Idee des Betriebsnachfolgers auf, den Tierbestand von 40 auf 60 Milchkühe zu erhöhen.

Demeter sieht geschlossene Wertstoffkreisläufe vor. Der Hof soll alles an Futter produzieren, was die Tiere benötigen. Die Witzenhäuser erarbeiteten dafür ein Fruchtfolgekonzept.

Biodynamischer Hof: Hanf-Öl als Einnahmequelle

Angebaut werden soll unter anderem auch Hanf, dessen Öl dem Hof zusätzliche Einnahmen erschließen würde. Hamel legt zudem viel Wert auf Grünfutter von der Weide, was einer artgerechten Wiederkäuerhaltung entspricht.

Derzeit entsteht auf dem Bauernhof außerdem ein Kompostierungsstall. Die Kühe werden dabei auf einer 40 Zentimeter hohen Einstreu aus Holzhackschnitzeln gehalten, die den Urin und Kot der Tiere aufnimmt.

Innerhalb eines Jahres zersetzt sich das organische Material zu hochwertigem Kompost, der als Dünger auf die Felder des Hofes ausgebracht wird. Die Studierenden berechneten dafür den damit verbundenen Nährstoffkreislauf.

Biodynamischer Hof: Wertschöpfung zeigen

Um die Wertschöpfung zu steigern, regen sie noch an, Hühnermobile aufzustellen. Und sie machten sich Gedanken über eine verbesserte Selbstvermarktung durch einen größeren Hofladen, regten alternativ einen Selbstbedienungsshop oder einen Automaten an.

Auch eine mobile Kaninchenhaltung auf einer 0,8 Hektar großen Fläche halten sie für denkbar. Das würde zudem den Hof für Familien attraktiver machen.

Zur Arbeitsgruppe gehörten Cara Berberich, Ann-Kathrin Brügge, Lennart Engelke, Katinka Groll, Charlotta Pauli-Caldas, Riko Sigloch und Rike Täubert.

Ansatz der Uni: Projektarbeiten, Konferenzen und Exkursionen

„Dass sich Studierende Wissen in gemeinsamen Projekten erarbeiten, gehört zum Ansatz der Universität Kassel, die in den 70er Jahren als Reformhochschule entstanden ist“, sagt Daniel Kusche, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fachgebiets Ökologischer Land- und Pflanzenbau.

Seit Jahren erstellen Witzenhäuser Studierende für konventionell wirtschaftende Betriebe Konzepte für Ökolandbau. Sie können stattdessen auch einmal während ihres Studiums eine Konferenz oder eine Auslandsexkursion organisieren. (Michael Caspar)

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